Professor Froböse über Eigenverantwortung

"Ich will die Leute von der Konsole wegbringen"

von Holm Kräusche am 19.04.2019 um 13:22

Sitzen ist schädlich, aber unerlässlich für den eSport. Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, für alle Vielspieler gesundheitsfördernde Maßnahmen zu entwickeln. Gerade die Hardcorezocker müssen "weg von der Konsole". Was meint er damit?

Ingo Froböse
Professor Ingo Froböse entwickelt eine Trainingslehre für eSportler an der renommierten Sporthochschule in Köln.
© Ingo FroböseZoomansicht

40 Stunden und mehr pro Woche zocken an der Konsole - das haben 112 Gamer für die "eSportstudie 2019" angegeben. Die Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS) hatte diese Daten 2018 in einer ersten Umfrage erhoben. 40 Stunden, das ist eine ganze Arbeitswoche. Ist das gesund? Nein, sagt Prof. Dr. Ingo Froböse, der die Forschungen leitet. Nicht das Zocken sei aber das größte Problem, sondern das viele Sitzen und die ausbleibende Bewegung.

Der Professor hat eine Mission: "Ich will eine Trainingslehre für die eSportler in relativ kurzer Zeit gestalten und herausbringen." Bis Ende 2020 soll die fertig sein und Leistungssportler Froböse hat dabei besonders die Hardcore-Gamer im Blick: "Wir werden natürlich versuchen, Menschen, die eben keine professionelle Betreuung haben, sondern die alleine gelassen sind und zu Hause 60 Stunden spielen in der Woche, andere Themen anzubieten, unabhängig vom Gamen." Denn Trainingslehre ist laut Froböse deutlich mehr, als nur immer und immer wieder den Sport auszuführen. Darüber haben wir mit ihm bereits gesprochen.

Ohne Gesundheit und Fitness geht es nicht

Froböse kokettiert mit den jahrelang gedroschenen Klischees rund ums Gaming. Der Professor ist einer, dem der eSport und der Mensch am Herzen liegt. Er versucht zu verbessern, wo er kann. "Ich habe die Vision, Menschen von der Konsole wegzubringen", sagt er und verkehrt die oft negativ benutzte Formulierung ins Positive. Froböse will Spielern nicht die Konsole wegnehmen, sondern auch die Welt jenseits davon zeigen: "Ich will jenen auch eine gewisse Bedeutung des restlichen gesellschaftlichen Lebens und ihrer Selbstverantwortung mitgeben. Gamen ist nicht alles."

Und es führt auch nicht alleinig zum Erfolg. Kaum ein bekannter FIFA-eSportler ist nur durch Zocken weit gekommen. Gespräche mit Trainingspartnern, Matchanalyse, Fehlersuche - alles wichtige Schritte zum Erfolg. "Ohne den Fitnessaspekt, den Gesundheitsaspekt geht es nicht. Ich will die Menschen erreichen, die in gewissen Bereichen des Gamings unterwegs sind, aber es einfach übertreiben und die wieder zurückzuholen auf die Straße." Das wären laut der Erhebung immerhin zwei Prozent der Befragten.

Nächste Phase der Forschung läuft an

Um bald eine Trainingslehre anbieten zu können, forschen Froböse und seine Mannschaft an der Sporthochschule intensiv an dem Thema. "Wir brauchen Daten", sagt der Professor. Derzeit läuft schon die zweite Umfrage der Forschungsgruppe. Über die Ergebnisse der ersten haben wir bereits berichtet.

Nur mit vielen Antworten und Teilnehmern haben die Forscher eine solide Basis, auf der sie Konzepte entwickeln können. "Und je mehr Daten wir von Menschen haben, umso sicherer können wir in unserer Aussage sein." Schwerpunkt in diesem Jahr sind "Wohlbefinden" und "Erholung".

Mitmachen könnt Ihr hier.

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