Clutch Gaming soll zu Dignitas werden

Für 20 Millionen - NBA Team verkauft LCS-Anteile

von Holm Kräusche am 11.04.2019 um 18:13

Als stark überbewertet stufen Experten die Teams in der amerikanischen LCS ein. Nun verkauft das NBA-Team Houston Rockets über zwei Drittel seiner League-of-Legends-Abteilung für 20 Millionen US-Dollar. "Clutch Gaming" geht an die Inhaber der Philadelphia 76ers und verschmilzt mit Dignitas. Was steckt dahinter?

Clutch Gaming wird nach der Weltmeisterschaft wahrscheinlich umbenannt. Das Team soll zwei Drittel seiner Anteile verkauft haben.
Clutch Gaming wird nach der Weltmeisterschaft wahrscheinlich umbenannt. Das Team soll zwei Drittel seiner Anteile verkauft haben.
© Colin Young-Wolff/Riot GamesZoomansicht

Die Houston Rockets wollen über zwei Drittel ihres Teams in der amerikanischen League of Legends Championship Series (LCS), "Clutch Gaming", verkaufen. Das berichtete der Branchenexperte Jacob Wolf für ESPN am 11. April. Kostenpunkt für 68,2 Prozent: 20 Millionen US-Dollar. Das Team wäre entsprechend dieser Summe insgesamt also 30 Millionen Dollar wert - eine immense Steigerung, denn der Platz in Riots Liga hatte seinerzeit 13 Millionen gekostet. Kein Grund zur Beunruhigung also, könnte man meinen. Allerdings hatten Experten genau diese Entwicklung schon im Dezember vorhergesagt und darauf verwiesen, dass die Organisationen der LCS nicht genug Gewinn erzielen und in naher Zukunft Anteile an ihrem Geschäft verkaufen oder eigene Teams in kleineren Titeln einstellen müssten. Genauso scheint es nun zu kommen.

Clutch wird zu Dignitas

In der amerikanischen LCS gehört ein Großteil der Teams einflussreichen und vermögenden Besitzern, deren Hauptgeschäft Sport ist, vornehmlich Basketball. Clutch Gaming, die Organisation, um die es geht, gehört den Houston Rockets. Gekauft haben soll die Anteile "Harris Blitzer Sports & Entertainment", denen die Philadelphia 76ers gehören, ebenfalls ein Basketballteam. Ein anderer Name lässt aufhorchen, denn das Unternehmen hat 2016 auch die eSport-Organisation Dignitas erworben. Die Mannschaft war bei Riots Auswahlprozess für die LCS nicht berücksichtigt worden, trotz jahrelanger Tradition. Jacob Wolf berichtet nun, dass Clutch Gaming nach der Weltmeisterschaft in Team Dignitas umbenannt werden soll.

Warum machen die Rockets das?

Warum machen die Rockets das? Das ist die große Frage und eine, auf die es keine klare Antwort gibt. Einerseits ist es natürlich nicht schlecht für die Organisation, ihr ursprüngliches Investment von 13 Millionen so schnell auf 30 Millionen ausgebaut zu haben. Vielleicht wollten sich die Rockets einfach auszahlen lassen. Andererseits gibt niemand ein solch großes Investment her, wenn es keine Probleme gibt, oder er felsenfest vom Erfolg überzeugt ist.

Wie erwähnt, warnen die Experten schon eine Weile davor, dass in Riots Liga nicht alles so läuft, wie sich das Sponsoren und Investoren vorgestellt haben. Der Gewinn hält noch nicht Schritt mit den Kosten. Gerade die Spielergehälter steigen stark und Teams wie Echo Fox, ebenfalls in der LCS vertreten, haben den Fehler gemacht in anderen, viel kleineren eSport-Titeln zu viel Geld zu bezahlen.

Wettbewerbsfähigkeit kostet Geld

Um in der LCS wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Kosten in Kauf genommen werden, für die derzeit wohl kein größerer Gewinn zurückkommt. Also zahlen entweder die eigenen Besitzer drauf und glauben an einen langfristigen Erfolg, oder die Organisation verkauft Anteile am Geschäft und büßt damit Einfluss ein. Im Fall von Clutch Gaming nun offenbar sogar den eigenen Namen und Führungsstruktur. Mit dem Einkauf soll auch eine neue Firma gegründet werden, in der Dignitas und Clutch Gaming verschmelzen. So würde sich der Wert dieses neuen Unternehmens auf 47,5 Millionen US-Dollar belaufen, denn Dignitas ist mit 17,5 bewertet. Von der Kaufsumme von 20 Millionen Dollar sollen die Rockets allerdings nur 12,5 direkt erhalten, 7,5 Millionen sollen für die Ausgaben des Teams über die nächsten drei Jahre verwendet werden und, um Schulden bei Riot für den Ligaplatz abzutragen.

Bevorstehender Werteverlust

Es steht also offenbar eine Bewertungskorrektur in Riots Liga an. Kommt es dazu, würden die Mannschaften deutlich an Wert verlieren, den Experten eh für stark überhöht halten. Eine Organisation, die jährlich unter 25 Millionen Dollar einnimmt, kann nicht mit 300 Millionen Dollar bewertet werden, sagte zum Beispiel Jason Lake, der Gründer von compLexity Gaming, einer Mannschaft, die früher in der LCS spielte. Riots Liga ist also noch keine Gelddruckmaschine, so wie sich das viele Investoren vorgestellt hatten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie das innerhalb von zehn Jahren wird, gilt aber als hoch.

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