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Paralympics als Vorbild für den eSport

von Christian Mittweg am 28.07.2018 um 00:12

Am Wochenende vom 21./22. Juli trafen sich Experten und Verantwortliche aus dem eSport mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Ziel des Treffens war es, einen Dialog zwischen den beiden Welten anzustoßen. Die deutschen Vertreter vor Ort zogen ähnliche Schlüsse aus der Veranstaltung in Lausanne.

In Lausanne traf der IOC auf wichtige Persönlichkeiten aus der eSport-Welt.
In Lausanne traf der IOC auf wichtige Persönlichkeiten aus der eSport-Welt.
© IOCZoomansicht

Tim Reichert (Chief Gaming Officer, FC Schalke 04 Esports):
"Für mein Empfinden hat eine Annäherung zwischen dem IOC und treibenden Kräften aus dem eSport stattgefunden. Ich kann mir vorstellen, dass in den nächsten Jahren Strukturen geschaffen werden, die den eSport weiter gliedern und die es dem IOC auch ermöglichen, den eSport als Sportart zu integrieren - sei es unmittelbar in die bestehenden Veranstaltungen oder aber in einem eigens dafür geschaffenen Event. Auf diese Weise wird man auch den vielen Facetten gerecht, die den eSport ausmachen."

Hans Jagnow (Präsident, eSport-Bund Deutschland e.V.):
"Ich glaube, dass wir einen großen Schritt vorangekommen sind. Wir haben kaum darüber geredet, ob eSport eine Sportart ist. Alle sind von dem Grundgedanken ausgegangen, dass wir über einen Sport reden. Diese Diskussion, die in Deutschland schon seit ein paar Jahren existiert, hat überhaupt keine Rolle gespielt. Das war eine erste spannende Erkenntnis. Bei all den Gemeinsamkeiten, die wir gefunden haben, haben wir kaum über Unterschiede geredet. Was ist neu am eSport? Da war das Verhältnis der Spielentwickler und Publisher gegenüber den nationalen Verbänden sehr interessant. Was ich mitgenommen habe, ist, dass wir viel mehr internationale Vernetzungen brauchen. Wir müssen eine Philosophie des eSport entwickeln. Ich empfinde es als wichtig, dass wir einerseits eine Struktur haben, an der wir gemeinsam arbeiten können, und andererseits einen Grundgedanken, den wir gemeinsam entwickeln. Dabei können wir viel von der olympischen Bewegung lernen. Im Moment stellen wir uns der Frage: Ist es sinnvoll, eSport in die olympischen Spiele zu integrieren? Sind wir als sportliche Bewegung nicht in der Lage eine eigene Wettkampfstruktur, die sich an den Werten des olympischen Systems orientiert, aufzustellen? Ähnlich zu den Paralympics, die im Rahmenprogramm der olympischen Spiele stattfinden, aber eigentlich ein eigenes Format sind mit eigenen Strukturen und eigenem System. Das ist eine interessante Frage, der wir uns stellen müssen."

Jan Pommer (Director Team & Federation Relations, ESL):
"Ich habe es als sehr positiv, konstruktiv, zugewandt und professionell empfunden. Meine Erwartungen wurden deutlich übertroffen. Wir haben alle verstanden, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt und es ist klargeworden, dass das IOC keine Berührungsängste hat. Es gab aber noch ein paar Verständnisprobleme und Vorbehalte, insbesondere was die First-Person-Shooter angeht. Zudem existiert noch der Unterschied bei der Struktur. Der klassische Sport ist es sehr verfestigt im pyramidalen System, was es im eSport überhaupt nicht gibt. Es war zu sehen, dass es hilfreich sein könnte, sich miteinander zu verbinden, zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen. Ob das dazu führen wird, dass eSport irgendwann olympisch ist, da sind wir noch alle sehr skeptisch. Zum einen wegen der unterschiedlichen Strukturen und zum anderen, weil eSport eben nicht vollkommen zu Olympia passt. Einer großen Gruppe in der eSport-Welt schwebt eher vor, dass wir einen Weg einschlagen, wie es bei den Paralympics der Fall war und dass man Wettbewerbe veranstaltet, die im räumlich zeitlichen Umfeld von Olympia stattfinden."

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