Sportmanagement mit eSport-Bezug

Sinnvoll oder nur teuer? Uni schafft eSport-Studiengang

von Holm Kräusche am 19.07.2018 um 16:41

Im eSport arbeiten derzeit vor allem Quereinsteiger. Das liegt auch daran, dass es keine verbindlichen Ausbildungen gibt. Eine private Hochschule in Bayern will das nun ändern und bietet den Studiengang eSports Management an. Kostenpunkt: 15.510 Euro. Was der Studiengang bietet und was nicht...

Die Hochschule für angewandtes Management hebt den ersten deutschen eSport-Studiengang aus der Taufe
Die Hochschule für angewandtes Management hebt den ersten deutschen eSport-Studiengang aus der Taufe.
© HAMZoomansicht

Im eSport gibt es viele unterschiedliche Managertypen. Einige haben die Profession per Studium gelernt, andere sind Quereinsteiger und wieder andere haben Teams von Grund aufgebaut und stehen jetzt weltweit agierenden Marken vor. Eine spezifische Ausbildung gibt es bislang noch nicht. In die Nische stößt nun die erste Hochschule in Deutschland und bietet einen Studiengang zum Thema eSport-Management an. Die "Hochschule für angewandtes Management" (HAM) ist eine private Einrichtung, bei der Studieren Geld kostet. Und zwar 15.510 Euro für sieben Semester, laut Uniangaben. Das ist viel Geld, aber im deutschen Durchschnitt sogar noch recht günstig. Etwa 20.400 Euro kostet ein privates Studium durchschnittlich in Deutschland - das hat die Seite Studium-Ratgeber.de errechnet.

Große Resonanz

eSport studieren, dass erzeugt große Resonanz, auch in den sozialen Medien. Denn eSport boomt und wer eh schon in der Szene verwurzelt ist, liebäugelt mit dem Plan, das Ganze zu seinem Beruf zu machen. Das der eSport in der Zukunft immer mehr Arbeitskräfte brauchen wird, ist bei der aktuellen Expansion auch klar.

Über 20 Anmeldungen hat Tobias Benz bereits gesammelt. Er ist der neue Leiter für eSports an der Hochschule: "Inhaltlich bauen wir im Studiengang auf drei Säulen: Professional Gaming, die klassische Sportthematik und den Entertainment- und Marketing-Faktor. In diesem Studium entwickeln wir die digitalen Sportgestalter von morgen."

Inhalte solide

Inhaltlich lehrt der Studiengang "Sportmanagement mit Branchenfokus eSports Management" laut des Modulplans der Hochschule zunächst die üblichen Grundlagen und legt den Fokus dann auf BWL und Rechtslehre. Zusätzlich werden Inhalte zu Eventmanagement und Marketing vermittelt. Mit der HAM bietet Bayerns größte private Fachschule den Studiengang an, der darüber hinaus staatlich akkreditiert und mit dem Abschluss Bachelor of Arts ausgestattet ist. Das ist ein großer Pluspunkt, den nicht alle privaten Schulen in Deutschland leisten können. Absolventen gehen nach Beendigung ihres eSport-Studiums also mit dem selbem Abschluss ins Arbeitsleben wie staatliche Studenten.

Die Hochschule bemüht sich, die Module jeweils mit einem eSport-Bezug zu versehen. So wird aus Human Ressource Management zum Beispiel "Personal im eSports". Grundsätzlich steht hinter dem eSport-Anstrich aber ein bekannter Studiengang, wie Benz erklärt: "Es ist ein Sportmanagementstudiengang mit Branchenfokus, das bedeutet, die Modulhandbücher mit Kompetenz- und Zielerwartungen werden grundlegend aus diesem Bereich übernommen."

Dozenten sind der Schlüssel

Gerade in privaten Studiengängen ist die Ausbildung der Studenten besonders von den jeweiligen Dozenten abhängig, die in der Regel direkt aus der Wirtschaft kommen. Wo die staatlichen Unis auf jahrelang bewährte Inhalte setzten, kann ein privater Studiengang mit Praxisbezug punkten. So ist es auch im eSport-Studiengang: "Das Handwerkszeug dieses Managementstudium ist BWL - die fachspezifischen eSports-Inhalte on the top streut dann der jeweilige Dozent mit Unterstützung eines Experten je nach aktuellem Thema selbst ein", sagt Benz. Dafür sei man bereits "mit vielen potenziellen Kooperatoren in Gesprächen, an welche wir auch Lehrtätigkeiten in den passenden Praxismodulen abgeben werden." Welche das sein werden, konnte er noch nicht verraten.

Semi-virtuelles Studienkonzept

Studiert wird aber anders, als das von herkömmlichen Schulen bekannt ist. Die HAM setzt auf ein so genanntes "semi-virtuelles Studienkonzept". Hiermit gibt es nur kurze Präsenzphasen an den Einrichtungen der Hochschule, zu denen die Studenten anwesend sein müssen. Außerhalb dieser rund drei Wochen pro Semester findet das Studium in Eigenregie von zu Hause statt, mithilfe einer Lernplattform der Hochschule.

Für die Präsenzphasen steht der Campus in Ismaning bei München zur Verfügung.
Für die Präsenzphasen steht der Campus in Ismaning bei München zur Verfügung.
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Dort stellen die Dozenten Inhalte ein, die die Studenten abrufen und nach eigenem Zeitplan studieren können. Der große Vorteil von herkömmlichen Privateinrichtungen mit kleinen Klassen und verschulten Vorlesungen entfällt daher größtenteils, wird aber ersetzt durch viel Freiraum und individuelle Zeiteinteilung der Studenten. Genau der Fakt stößt bei Studenten durchaus auf Kritik. So ist auf dem Portal studis-online in einem Kommentar zur Hochschule im Jahr 2011 zu lesen: "Was leider Fakt ist, dass man für seine 365 EUR im Monat gerade mal 15 Tage im Semester an 'Unterricht', bekommt. Die restliche Zeit funktioniert über die Lernplattform. Diese ist gut und übersichtlich gestaltet dennoch zum Teil nur wiederaufbereitete Präsentationen. Für dieses Geld meiner Meinung nach zu teuer."

Niedrige Kosten dank Einsparungen

Geld ist der treibende Motor für eine private Hochschule. Je mehr Teilnehmer, desto mehr Einnahmen. Und je weniger Dozenten und Räumlichkeiten kosten, desto mehr Gewinn macht die Einrichtung. Das semi-virtuelle Konzept wird also ein wesentlicher Grund für die günstigen Gebühren sein. Wichtig für Interessenten ist auch zu wissen, dass es an privaten Unis schwer ist, durch Prüfungen zu fallen. Denn die Gebühren werden monatlich beglichen. Versagt ein Student zu oft, muss er exmatrikuliert werden und die Einrichtung verdient kein Geld mehr mit ihm. Die Qualität des Studiums steht und fällt damit mit den Dozenten. Kann die HAM anerkannte Experten aus der Szene gewinnen, erhalten die Studenten nicht nur wertvolle Einblicke in die Szene, sondern gleichzeitig auch Kontakte für ihr späteres Berufsleben.

Pro und Contra zusammengefasst

Auf der Habenseite stehen beim eSport-Studium sicher die Schule an sich, die seit Jahren etabliert und durch den Staat Bayern akkreditiert ist. Das dort Schindluder getrieben wird, ist also unwahrscheinlich. Der Studiengang schüttet dank sieben Semester insgesamt 210 Credits aus, das ist wichtig für einen späteren eventuellen Masterstudiengang. Sportmanagement ist ein bewährter Studiengang und BWL gutes Handwerkszeug für unterschiedliche Berufe. Die Zeiteinteilung ist frei, die Dozenten vom Fach und die gewonnenen Kontakte nicht zu unterschätzen. Außerdem ist die Abbrecherquote in privaten Studiengängen extrem niedrig, auch dank der oben genannten Prüfungsmodalitäten.

Negativ zu verbuchen sind sicherlich die Studiengebühren, für die größtenteils nur eine Lernplattform zur Verfügung gestellt wird. Das ist an anderen privaten Unis anders. Der eSport-Anstrich macht den Studiengang interessant, letztlich verbirgt sich dahinter allerdings Sportmanagement. Praxisbezug wird nur über ein Extra-Semester und wenige Module hergestellt, an anderen privaten Einrichtungen ist das durch dauerhafte Präsenzphasen anders. Der Studiengang steht und fällt mit den bereitgestellten Materialien und der Qualität der Dozenten. Letztlich ist auch fraglich, ob Arbeitgeber später den Abschluss einer privaten Uni anerkennen.

Fazit

Interessenten sollten sich also zweimal überlegen, ob sich der neue eSport-Studiengang für sie wirklich lohnt. Sportmanagement wird auch an staatlichen Fachhochschulen angeboten. Nichtsdestotrotz ist der erste Vorstoß eine ordentliche Ausbildung für Fachkräfte im eSport zu schaffen eine herausragende Leistung. Ob hinter dem Angebot auch eine solide und praxisrelevante Ausbildung steckt und nicht nur eine schicke Verpackung für einen gewöhnlichen Studiengang, um zahlende Studenten anzulocken, wird die Zeit zeigen.

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