Wir waren bei einer Offline-Produktion dabei

Blick hinter die Kulissen - "eSport hat Festival-Charakter"

von Frederik Paulus am 21.12.2017 um 15:33

Offline-Events im eSport gewinnen zunehmend an Bedeutung. Große Turniere und Finalspiele finden mittlerweile quer durch Deutschland verteilt statt. Die Planung und Durchführung dieser Veranstaltungen wird immer komplexer und anspruchsvoller. Sie setzt vor allem eines voraus: Große Leidenschaft für eSport. Ein Blick hinter die Kulissen.

1UPeSport
Konzentrierte Blicke: "1UPeSport" beim Finale der "Six Lounes Series".
© Fankhi UGZoomansicht

Es schneit an diesem Wochenend-Tag in München und Umgebung. Der Schnee bleibt zwar erst in den Abendstunden liegen, die frostige Kälte greift trotzdem schon am Vormittag um sich. Das Wetter lädt zu einem entspannten Tag auf der heimischen Couch ein, für die "Fankhi UG" ist jedoch der Tag X gekommen. Wochenlang hat sich die Produktionsfirma auf dieses Wochenende vorbereitet. Es ist der Finaltag der "Lounges Series", des von "Ubisoft" auf den Markt gebrachten "Rainbow 6". In einem Best of five fordert "BUTEO eSports" den Favoriten "1UPeSport" heraus.

Das hier ist einer TV-Produktion sehr nah.Moderator Robin Rottmann

Gleich über mehrere Streaming-Plattformen wird das komplette, rund vierstündige und vor Live-Publikum ausgetragene Finale ausgestrahlt, inklusive Rundum-Berichterstattung. Das bedeutet: Einschätzungen und Analysen von Experten, Komplett-Kommentierung der Spielszenen, Vorstellung der verschiedenen Maps und natürlich am Ende die Siegerehrung. Mehrere Kameras und Kameramänner sind im Einsatz, zwei große Leinwände montiert, Tische für die beiden Teams aufgestellt, die Rechner und Monitore mit entsprechender Performance platziert. Unzählige Meter Kabel liegen auf dem Boden, teilweise in dicken Bündeln, Lampen sind montiert, sogar ein beweglicher Kamera-Arm im Einsatz. Der Aufwand ist enorm. "Das hier ist einer TV-Produktion sehr nah", sagt Robin Rottmann. Der Moderator und Host führt durch die gesamte Veranstaltung, ist vor und hinter der Kamera quasi überall präsent.

Sechs Wochen intensive Vorarbeit

Gemeinsam mit seinen Kollegen der "Fankhi UG" arbeitete er ein Konzept aus. "Es sind mehrere Wochen Vorarbeit hier reingeflossen, um die Grafiken und den Stream vorzubereiten, um die Ablaufpläne zu optimieren", sagt Rottmann. Sechs Wochen alleine haben die Kern-Vorbereitungen für den letzten Tag in Anspruch genommen. Die "Six Lounges Series" begleitete die Produktionsfirma schon in den Vormonaten, den kompletten Turnierverlauf über. "Wir betreuen die Homepage, bauen Promo-Grafiken für Social Networks. Wir kümmern uns um die Eventlocation", zählt Rottmann auf.

Marius "Verdi" Lauer
In Aktion: Marius "Verdi" Lauer.
© Fankhi UGZoomansicht

In Planung und Durchführung involviert ist ein "Blumenstrauß" (Rottmann) verschiedener Jobs aus der Medienbranche, angefangen beim Grafiker, über Event- und PR-Manager, 3D-Artists, bis hin zu Ton- und Videotechnikern und die komplette Regie. "Alle Leute, die hier arbeiten, werden von uns hergebracht", sagt Rottmann und bezieht damit auch die Kommentatoren, die während des Events im Einsatz sind, ein.

Einer von ihnen ist Marius "Verdi" Lauer. Der 33-Jährige mit dem markanten, langen Bart ist absoluter Experte, was "Rainbow 6" angeht. Strategisches und taktisches Vorgehen - Lauer weiß sofort Bescheid. Das bedeutet allerdings nicht, dass er sich nicht intensiv vorbereiten müsste. Die Arbeit beginnt schon zuhause. "Ich bin dann immer drei, vier Stunden vor Beginn da und kläre mit der Produktion alles ab, gehe die Statistiken durch", sagt Lauer. Dabei kommt es manchmal zu unvorhersehbaren Problemen. Tritt ein Team, wie an diesem Tag der spätere Sieger "1UPeSport", mit einem oder mehreren Ersatzspielern an, muss er sich kurzfristig einen Überblick verschaffen: "Dann sitzt du da und suchst dir Informationen heraus, die du sonst nicht hast."

Zunehmende Bedeutung von Offline-Events

Kurzfristig reagieren muss auch immer wieder Robert-M. "Fankhi" Fankhänel. Der erfahrene Geschäftsführer der Produktionsfirma behält den Überblick und trägt federführend die Verantwortung, dass das Finale im Zeitplan und ohne Pannen abläuft. Zwei bis drei solcher Events will er mit seinem Team pro Quartal über die Bühne bringen. Für ihn ist klar, "dass der eSport qualitativ hochwertige Produktionen braucht".

Die Bedeutung von Offline-Events kann in Deutschland aus seiner Sicht gar nicht überschätzt werden. "Wir haben uns gesagt: Wir müssen im deutschen Raum mehr Offline-Turniere stattfinden lassen, sodass wir auf internationalem Niveau mithalten können, egal auf welches Spiel bezogen", betont Fankhänel. "Ab einer gewissen Ebene musst du auf Offline-Turniere fahren, um im Endeffekt auch erfolgreich spielen zu können."

Zunehmende Bereitschaft für Sponsoring

Siegerehrung
Von der Kamera festgehalten: Die Ehrung von "1UPeSport".
© Fankhi UGZoomansicht

Die Motivation, solche Turniere seitens Unternehmen und Herstellern zu sponsern, ist groß, wie "Fankhi" auch bei Durchführung der "Six Lounges Series" feststellte. "Es ist eine Riesenbereitschaft da. Die Leute kennen die 'Six Lounges Series', die Reichweiten sind entsprechend gigantisch." Aus seiner Sicht bewegt sich auch in der Politik etwas, nicht nur was Akzeptanz und Bekanntheit angeht. "Stuttgart ist jetzt zum Beispiel die erste Stadt, die Fördermittel für eSport-Events zur Verfügung stellt", betont der Geschäftsführer mit Blick auf die ESL-Meisterschaft am vergangenen Wochenende. Nachholbedarf sieht er nun in Sachen Vereinheitlichung des Reglements. Fest steht aber: Offline-Live-Events sind auf dem Vormarsch, schon alleine weil sie "einen sozialen Faktor" haben.

Man ist involviert, freut sich immer und ist gespannt.Marius "Verdi" Lauer über Offline-Events

"Offline ist das Leben ganz anders", bestätigt auch Lauer. "Man ist eine Familie. So ein Turnier-Abschluss ist einmalig. Man ist involviert, freut sich immer und ist gespannt." Rottmann ist diese Sicht nicht fern, sieht aber in der Atmosphäre auch einen großen Vorteil für Spieler und Mannschaften. "Es ist etwas anderes, wenn du das gegnerische Team siehst. Das Publikum ist dann ein ganz entscheidender Faktor. Du hast momentan mit den Mitteln, die im Netz zur Verfügung stehen, kaum Möglichkeit, Feedback mitzubekommen. Das ist hier komplett anders. Dir gelingt eine tolle Aktion in einem Spiel und die Leute brüllen sich die Seele aus dem Leib", sagt er. "eSport hat Festival-Charakter. Das gibt dir online nicht."

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