Eo 'soO' Yun Soo über seine GSL-Odyssee

'soO': "Ich habe zeitweise alles aufgegeben"

von Lars Becker am 05.10.2017 um 13:01

Die sechs Finalniederlagen in der Global StarCraft II League (GSL) nagen noch immer an Eo 'soO' Yun Soo, dem König der Zweitplatzierten. Jetzt wendet er sich in einem Schreiben an die StarCraft II-Szene und widmet sich detailreich seinen misslungenen Endspielen. Er spricht von Hochmut, Rücktrittsgedanken und Wiedergutmachung.

Die vergangenen Jahre haben Eo 'soO' Yun Soo mental belastet.
Die vergangenen Jahre haben Eo 'soO' Yun Soo mental belastet.
© ESL/ Helena KristianssonZoomansicht

"Meine Existenz als Profispieler habe ich der GSL zu verdanken", schreibt der 25-Jährige über das Turnier, das ihm Freude und gleichwohl auch viel Kummer bereitet hat. 2013 ist er überaus glücklich gewesen, erstmals ins Finale eingezogen zu sein. "Ich war euphorisch, geradezu betrunken von Fröhlichkeit." Im Zuge der Vorbereitungen für die letzte Hürde habe er jedoch wertvolle Zeit verschwendet. Er fühlte sich dazu gedrängt, neue Strategien und Baureihenfolgen zu entwerfen, die ihn zu viel Zeit kosteten, wie er sagt. Darum habe er auch das Endspiel gegen Baek 'Dear' Dong Jun verloren. "Ich war mit dem zweiten Platz zufrieden", erinnert er sich. Dass er später einmal die Silbermedaille so unerträglich finden würde, hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht geahnt.

In der darauffolgenden Saison erreichte er erneut das Finale. Diesmal hieß sein Gegner Joo 'Zest' Sung Wook. Trotz aller Bedenken - 'Zest' war in herausragender Verfassung - sei er mit breiter Brust und viel Zuversicht in die Serie gegangen. Während den Partien hätte er einige Male sehr weit vorne gelegen, "aber ich wurde von meinem Hochmut gepackt und wieder nur Zweiter". Er erinnert sich noch genau an die spielentscheidenden Situationen. Er habe sich zum Teil "unbesiegbar" gefühlt und sei deshalb "leichtsinnige Kämpfe eingegangen". Zu sicher sei er sich gewesen. "Ich glaubte, das Ergebnis stehe schon fest." Wenn er über diese Begegnung nachdenke, würde er sein unvorsichtiges Vorgehen bereuen. "Hätte ich gewonnen, wäre vielleicht alles anders verlaufen", resümiert er.

Schmerzhafteste Niederlage

Im dritten seiner sechs Finalspiele kam es zur Begegnung mit seinem damaligen SK Telecom T1-Teamkollegen Kim 'Classic' Doh Woo. "Ich habe mir selbst gesagt, dass ich ohne Zurückhaltung und ohne Gnade spielen werde." Beide Spieler hatten sich auch zeitgleich für die traditionsreiche StarCraft Pro League vorbereitet, eine der ältesten Team-Ligen in StarCraft. Eigentlich wollte Yun Soo sich voll und ganz auf die GSL konzentrieren, die Teamführung gab jedoch andere Anweisungen. So musste er den Fokus auf die Pro League richten. Sein Mannschaftskollege hatte sich derweil, so 'soO', gut auf die Serie vorbereitet und gewann deshalb. Das sei die härteste aller Niederlagen gewesen und mental nur schwer zu verkraften. Auch der anschließende Spott und die hämischen Spitznamen hätten ihn traurig gestimmt.

BlizzCon-Titel ist das Ziel

Auch die nächsten drei Endspiele verlor 'soO', zunehmend zweifelt er an sich selbst: "Ich hatte den Glauben an mich verloren und mein Selbstbewusstsein war weg." Besonders beschäftigten ihn die Verhöhnungen der StarCraft-Fans: "Ich glaubte, ein guter Spieler zu werden, wäre genug, um Respekt von den Zuschauern zu erhalten." Stattdessen habe er nur ihre Beleidigungen und ihr Mitleid zu spüren bekommen. Auch deshalb habe er immer wieder an Rücktritt gedacht. "Ich habe zeitweise alles aufgegeben."

Doch den Traum von einem großen Titel hat er trotz dessen noch nicht verworfen. "Es ist noch nicht vorbei, ich will immer noch Champion werden", schreibt er in seinen letzten Sätzen. Seinen treuen Fans möchte er die Herzlichkeit der letzten Jahren zurückzahlen. Jetzt bereite er sich intensiv auf die Weltmeisterschaft auf der BlizzCon vor. "Eine Karriere kann in einem einzigen Moment entschieden werden. Die BlizzCon ist die Gelegenheit, um meine Fehler wieder gutzumachen."

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