Talente auf dem Weg zum Profi

So steht es um den Nachwuchs in StarCraft II

von Lars Becker am 27.09.2017 um 12:04

Über Jahre hinweg sind zahlreiche namhafte StarCraft II-Spieler zurückgetreten und haben zumeist große Lücke hinterlassen, die gefüllt werden mussten. Die Nachwuchsfrage kam deshalb immer wieder auf. Wer kann aber die nächste Generation abdankender Spieler ersetzen? Zwei junge aufstrebende eSportler stehen bei dieser Frage besonders im Fokus.

Auf die große eSport-Bühne wollen viele, doch wer hat das Zeug dazu?
Auf die große eSport-Bühne wollen viele, doch wer hat das Zeug dazu?
© ESL/ Helena KristianssonZoomansicht

Die beiden Franzosen Alexis 'MarineLorD' Eusebio und David 'Lilbow' Moschetto sind die prominentesten Beispiele vieler Rücktritte der letzten Jahre in Europa. In Südkorea ist die Situation vergleichbar. Ikonen wie Lee 'Flash' Young Ho oder Lee 'JaeDong' Jae Dong haben die StarCraft II-Szene verlassen. Die Liste der zurückgetretenen Profis wird immer länger, nachrückende Talente müssen sich allerdings erst anpassen und bürokratische Hürden meistern. Doch es gibt sie, die ungeschliffenen Rohdiamanten.

Altersbeschränkung bremst den Nachwuchs - vorerst

In Frankreich etwa sorgt seit einigen Jahren Clément 'Clem' Desplanches für mächtig Wirbel. Der 15-Jährige könnte später einmal in die Fußstapfen von Eusebio und Moschetto treten. In Online-Turnieren hat sich der Terraner-Spieler bereits wie viele andere aufstrebende Jungprofis vor ihm einen Namen gemacht. Dadurch wurde auch das Schweizer Team Dead Pixels auf den Franzosen aufmerksam, das ihn sofort verpflichtete. 2016 nahm Desplanches erfolgreich an der Qualifikation zur World Championship Series (WCS) teil und erhielt so erstmals zu internationaler Aufmerksamkeit. Er erspielte sich einen Platz für das wichtigste westliche StarCraft II-Turnier - jedenfalls für einen kurzen Moment. Denn diesen durfte er aufgrund seines Alter nicht in Anspruch nehmen und wurde daher nachträglich disqualifiziert.

Zu diesem Zeitpunkt war er praktisch noch ein unbeschriebenes Blatt, ein vollkommener Underdog. 14 Jahre war er damals gerade einmal und doch besiegte er erfahrene Spieler wie den Russen Dmitry 'Happy' Kostin, der weitaus mehr Wettbewerbserfahrung hatte als er. Gegen den mutig aufspielenden Youngster sahen die Favoriten mächtig alt aus.

Die Altersbeschränkung trifft nicht nur den jungen Franzosen hart. Riccardo 'Reynor' Romiti hat ganz ähnliche Probleme. Der ebenfalls 15-jährige Italiener darf auch nicht an großen Turnieren wie der WCS teilnehmen. Dabei hat er bereits eindrucksvoll bewiesen, dass er mit den europäischen Größen mehr als mithalten kann. Bevor es bei der DreamHack die Altersbeschränkung gab, mischte er das in Schweden ansässige eSport-Turnier auf. Team Liquids Grzegorz 'MaNa' Komincz verlor trotz seiner enormen Erfahrung gegen den unerfahrenen Jugendlichen und schied aus. Daran möchte der Zerg-Spieler unbedingt anknüpfen, wenn er barrierefrei im Profigeschäft mitwirken darf. Er plant, sich später einmal komplett auf StarCraft II zu konzentrieren und das Spiel zum Beruf zu machen.

Drei 19-Jährige sind feste Größen

Romiti und Desplanches gehören zu den jüngsten Profis der Szene, verschafften sich mit guten Resultaten jedoch Respekt. Zwar sind die beiden in ihrer Altersklasse zwei der wenigen vorhandenen Talente mit potenzieller Profiqualität, aber insgesamt hat StarCraft II in den vergangenen Jahren eine Reihe erfolgreicher junger Spieler hervorgebracht. Wie der Sprung an die internationale Spitze gelingt, demonstrierten in der Vergangenheit diverse Jungstars. Wie Desplanches und Romiti fingen auch Joona 'Serral' Sotala , Alex 'Neeb' Sunderhaft und Mikolaj 'Elazer' Ogonowski klein an und holten sich Wettkampferfahrung über Online-Turniere. Obwohl allesamt erst 19 Jahre alt sind, entwickelten sie sich schnell zu den besten Spielern außerhalb Südkoreas.

Wegen ihrer großen Erfahrung und Stellung in der Szene gelten die Drei nicht mehr als Nachwuchstalente, sondern sind feste Größen und gar nicht mehr wegzudenken. Sotala überzeugt konstant mit herausragenden Leistungen, Sunderhaft konnte in Südkorea 2016 den KeSPA-Cup gegen die besten Profis der Welt gewinnen und Ogonowski gelang spätestens mit dem WCS-Titel in diesem Jahr der Durchbruch. Die Szene kann also vorerst getrost in die Zukunft blicken. Junge Spieler bestimmen schon jetzt die Turnierlandschaft, und die nächsten Nachwuchstalente stehen mit 'Clem' und 'Reynor' schon bereit.

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