Kaum Schwächen bei der neuen Konami-Version

Besser als FIFA? PES 2019 im Test

von Holm Kräusche am 29.08.2018 um 22:21

Am 30. August erscheint PES 2019, die Fußballsimulation von Konami. Das Spiel kommt mit kaum Schwächen daher und wäre eigentlich ein würdiger Konkurrent für FIFA, der sogar vieles besser macht als der Branchenprimus. Eigentlich.

Konami packt in puncto Realismus nochmal eine Schippe oben drauf.
Konami packt in puncto Realismus nochmal eine Schippe oben drauf.
© KonamiZoomansicht

Wer PES 2019 in die Konsole packt, erlebt zunächst einmal eine Überraschung: Keine stundenlange Wartezeit, die mit Ronaldo-Freistößen überbrückt werden muss, wie beim Konkurrenten FIFA letztes Jahr. Das Spiel startet, nach Download des 800-MB-Day-One-Patch, sofort. Dann leuchtet in großen Lettern "The Pitch is Ours" auf, der Leitspruch von Pro Evolution Soccer. Übersetzt bedeutet das: "Der Platz gehört uns", und das ist nicht nur das Motto des Spiels, sondern auch das vorgezogene Fazit unseres Tests: Auf dem Platz ist PES unschlagbar, daneben allerdings keine Konkurrenz für Branchenprimus FIFA. Wirklich viel neue Erkenntnisse brachte unser intensiver Test zur Vorab-Preview allerdings nicht. Konami hatte beim Termin in der Veltins-Arena also keine großen Features in der Hinterhand gehalten, sondern schon das quasi fertige Spiel präsentiert.

Hervorragende Optik

Fangen wir mit den positiven Seiten an: PES sieht atemberaubend aus - besonders in den Zwischensequenzen vor einem Spiel und in Wiederholungen. Sind die Spieler von Konami eingescannt worden, leiden, freuen und schwitzen sie authentisch. Die Stadionatmosphäre ist hervorragend, auch wenn die Wiederholungen zeigen, dass das Publikum etwas hölzern daherkommt. Der Rasen wirkt zwar immer noch ein wenig künstlich, aber dieses Kritikpunktes hat sich Konami angenommen und am Grün nachgebessert. Der gesamte Spielverlauf einer Partie wirkt überragend viel realistischer als beim Konkurrenzprodukt. Damit sind wir auch bei der zweiten großen Erkenntnis unseres Tests: FIFA und PES entwickeln sich stärker auseinander. Beide Titel haben im Vergleich zu ihrer Vorgänger-Version nur wenig zugelegt und eher an ihren Eigenheiten gefeilt.

Eigenheiten weiterentwickelt

FIFA ist das Arcade-Spiel mit schnell rennenden Männchen und zahlreichen Lizenzen, wo per Knopfdruck jeder Ball ankommt. PES versucht sich dagegen am Realismus. Hier müssen Pässe genau gespielt werden: Kommen sie im Rücken des Spielers an, stoppt der ganze Spielzug mit der Ballannahme, für die der Spieler dann Zeit und Extra-Bewegungen benötigt. Das ist realistisch. Auch die Bewegungen der Spieler, wie sie Bälle annehmen, verarbeiten und aufs Tor bringen, sieht sehr lebensnah aus. Spieler ermüden deutlich schneller als in FIFA und sind dann auf dem Platz nicht mehr zu gebrauchen, ganz anders also als die dauerrennenden Arcade-Fußballer beim Konkurrenten.

Kein Tiki-Taka mehr

Damit wirkt PES etwas langsamer als der Vorgänger, und es ist durchaus notwendig, hin und wieder das Spiel auf die andere Seite zu verlagern oder einen Extra-Pass zu spielen, um vor das gegnerische Tor zu kommen. Das Tiki-Taka hat Konami allerdings entschärft: Durch den verstärkten Realismus machen Spieler Fehler bei der Annahme und bekommen den Ball nicht gleich wieder los. Auch hier versucht sich Konami am Realismus: Sowohl die KI als auch der selbstgeführte Spieler leisten sich Schnitzer, ganz wie im echten Fußball, der seit jeher auch mit Unvorhersehbarkeit punktet.

Realistische Kicker

Ferner wirkt es, als hätten die einzelnen Kicker tatsächlich unterschiedliche Stärken. Ein Messi wetzt schnell über den Platz, mit Embolo kann man den Flügel stürmen oder dank Trickfertigkeit Gegenspieler auf sich ziehen, und ein Burgstaller steht oft richtig, um den Ball aufs Tor zu bringen. Naldo hingegen ist korrekt wiedergegeben auch offensiv unterwegs, bindet sich selbst oft ins Spiel ein und findet sich schon mal deutlich zu weit vorne wieder, wenn der Konter des Gegners rollt. Auch in den verschiedenen Modi von PES lässt sich kein Haar in der Suppe finden: Karrieremodus, Einzelspielerkarriere, Koop, Anstoß - alles ist ohne größere Schnitzer umgesetzt und macht Spaß, wenn man denn ein wenig Eingewöhnungszeit mitbringt.

Spiel für Taktiker

PES punktet auch mit Einstellungsmöglichkeiten, die der Konkurrent nicht hat: In der Karriere gibt es zum Beispiel ein überragend umfangreiches Training für die eigene Mannschaft und Jugendakademie und darüber hinaus diversen Optionen, um Einfluss auf den eigenen Verein zu nehmen. Das erinnert schon an ein Fußballmanager-Spiel. Auch die Teamtaktik ist umfangreich: Jeder Spieler kann auf dem Platz verschoben werden, sodass ganz neue Formationen möglich werden. Offensive, Defensive und das Mittelfeld lassen sich wie gehabt detailreich einstellen, um das Verhalten Eurer Akteure zu steuern. Darüber hinaus kann jeder Spieler zusätzlich mit eigenen Anweisungen versehen werden.

KI überfordert Spieler nicht

Ganz anders als bei der Konkurrenz verhält sich die Einstellmöglichkeit des KI-Gegners. Zwar haben beide Fußballspiele im Wesentlichen die selbe Schwierigkeitsunterteilung in sechs Grade, jedoch führt das in FIFA immer zu Frust. Sobald eine Stufe zu leicht ist und man höher stellt, wird man von der KI vernichtet. Im neuen PES fällt hingegen positiv auf, dass die KI nur ein wenig besser wird, bei der Anhebung beispielsweise von "Fortgeschrittener" zu "Profi". Das könnte aber auch dafür sorgen, das die KI nach längerer Spielzeit irgendwann zu leicht wird, da es keine nächsthöhere Stufe mehr gibt.

Koop bringt großen Spaß

Gerade mit dem Modus, den Konami stärker in den eSport rücken will, punktet PES. Mit drei Leuten an einer Konsole entsteht ordentlich Dynamik und keiner der Spieler kann sich zurücklehnen. Nur Teamwork führt zu Toren. Auch hier spielt PES eine weitere seiner Stärken aus: Wer Statistiken mag, wird PES lieben. Das Spiel zeichnet alle möglichen Werte auf und gibt diese detailliert in Grafiken und Tabellen aus. Und das nicht nur im Koop-Modus.

Altbekanntes Lizenzproblem

FIFA gefährlich wird das Spiel trotzdem nicht werden und wenn, dann nicht in Deutschland. Ohne Lizenzpaket könnt Ihr mit Schalke 04 nicht einmal in einer deutschen Liga antreten. Dafür werden also erneut externe Datenbanken herhalten müssen, wie auch schon in den Jahren zuvor. Mit Zenit St. Petersburg in der lizensierten russischen Liga anzutreten ist etwas gänzlich anderes als den HSV zurück in die 1. Bundesliga zu spielen, wie das in FIFA 19 möglich sein wird.

Menüs grauenhaft

Mit dem FC Barcelona hat sich Konami eine wichtige Partnerschaft gesichert.
Mit dem FC Barcelona hat sich Konami eine wichtige Partnerschaft gesichert.
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Der größte Kritikpunkt an PES 2019 ist aber definitiv die Präsentation und die Menüführung. Spieler monieren diesen Punkt schon seit Jahren und mit dem neuen Spiel wird es zwar besser, aber noch lange nicht gut. Die Menüs bleiben dröge, textlastig und wenig intuitiv. Diese graublauen Textmonster sind einem Spiel im Jahre 2018 nicht mehr angemessen. Auch sehr negativ fällt in Teilen die Führung durch diese Menüs auf. In der Karriere muss man schonmal einige Untermenüs tief, um Einstellungen vorzunehmen. Der Kreis-Knopf bringt einen aber nicht nur ein Fenster weit zurück, sondern gleich ganz an den Anfang. Dann muss erneut zweimal geklickt werden, um dort weitermachen zu können, wo man aufgehört hat.

In unserem Test fielen Tore auch vermehrt nach Fehlern des Gegners. Das mag auf Topniveau tatsächlich realistisch sein, jedoch fühlte es sich wenig zufriedenstellend an, wenn die meisten Treffer nach einem Bock vom gegnerischen Keeper fallen. Auch die Verteidigung gegen die KI wirkt zunächst noch sehr einfach. So reicht es, die X- und Sprint-Taste auf der PlayStation gedrückt zu halten, dann läuft der eigene Verteidiger den ballführenden Gegner perfekt an. Ein erneuter Druck im richtigen Moment, und schon habt Ihr den Ball. Immer nötig ist der Extraklick allerdings nicht. Da die Onlineserver erst am offiziellen Release-Tag verfügbar sind, konnten wir alle Online-Spielmodi, wie zum Beispiel MyClub, in diesem Test nicht berücksichtigen.

Fazit

Es ist kaum etwas an PES 2019 auszusetzen. Menüs und Lizenzen sind - immer noch - der Pferdefuß von Konamis Spiel und zumindest beim Interface erschließt sich nicht, warum der Entwickler dort nicht endlich eine Veränderung präsentiert. Lennart Bobzien, European PES Brand Manager, bestätigte uns, dass PES 2019 Teil eines dreijährigen Entwicklungszyklus' sei: Das erklärt die wenigen Neuerungen. Andererseits darf damit auch erst mit PES 2021 ein neues Menü erwartet werden. Abgesehen davon ist die Fußballsimulation eine sehr runde Sache, die viel Spaß bereitet und sich hervorragend spielt. Etwas Einarbeitungszeit muss jedoch mitgebracht werden, dann wird allerdings niemand einen Kauf bereuen.

Zusammengefasst: PES ist etwas für Taktikfüchse, Realismusfreunde, Statistiknerds und solche, die Koop spielen wollen. Vor allem ist es aber ein Spiel für Fußballliebhaber. Wer schnelle Action mag, nicht viel lernen will und in Bundesliga, Ligue 1 und englischer Premier League Tore schießen will, der greift zu FIFA. Der Konkurrent von EA ist definitiv das Spiel mit der größeren Benutzerfreundlichkeit, aber der Platz, der gehört PES 2019.

Wie groß ist der Unterschied?
PES 2019 vs. PES 2018: Der große Gesichtsvergleich
Demo gibt Aufschluss

Die Demo zu Pro Evolution Soccer 2019 ist seit einigen Tagen spielbar. Mit der Probeversion bekommt Ihr auch schon mal einen ersten Blick auf die Grafik und natürlich auch auf die Gesichter. Wer sieht in PES 2019 seinem realen Vorbild wie aus dem Gesicht geschnitten aus und wie ist es im Vergleich zu PES 2018?
© Konami

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