Das PES-Urgestein spricht über die Szene und die WM-Qualifikation

Winkler: "Ich fliege nicht als Tourist nach Liverpool"

von Nicole Lange am 26.04.2017 um 11:23

Dennis Winkler ist einer der besten und erfahrensten Pro Evolution Soccer-Spieler. Als Youngster dominierte er die deutsche Szene. Nach sechs Jahren Pause kehrte 'his_wideness' wieder auf den virtuellen Rasen zurück und konnte sich jetzt erneut an die Spitze der Welt spielen. Wir haben mit dem 28-Jährigen über seine Karriere und die WM-Qualifikation in Liverpool gesprochen.

Dennis Winkler ist einer der besten PES-Spieler Deutschlands. Bei der WM-Qualifikation in Liverpool kann der 28-Jährige wieder zur Weltspitze aufschließen.
© kicker eSportZoomansicht

Sein Name ist jedem PES-Fan ein Begriff: Dennis 'his_wideness' Winkler ist seit rund zehn Jahren in der PES-Szene verankert. Zusammen mit seinem Bruder Matthias Winkler war er einer der erfolgreichsten deutschen Spieler. Im April schaffte er zusammen mit Mike Linden die Qualifikation für das Regional Final der Season 2 in Liverpool. Eine Platzierung unter den letzten vier würde den 28-Jährigen wieder an die Weltspitze befördern.

kicker eSport: Hallo Dennis, erst mal herzlichen Glückwunsch zur Qualifikation für die Regional Finals in Liverpool. Wie wichtig ist dieser Erfolg für Dich?
Dennis 'his_wideness' Winkler: Es war ein weiterer Schritt zum großen Ziel, von daher bin ich natürlich glücklich, die Qualifikation für die Regional Finals geschafft zu haben.
kicker eSport: Du bist schon ein alter Hase in der PES-Szene und jetzt gehörst Du wieder zu den besten Spielern Europas. Ein Comeback, mit dem nicht jeder gerechnet hätte. Hättest Du gedacht, dass Du in Liverpool dabei bist?
Winkler: In meiner wirklich aktiven Zeit hat es bei sechs deutschen Finals dreimal zum Titel gereicht, zweimal wurde ich Dritter. Und da ich mich zum ersten Mal seit 2011 wieder richtig mit dem Spiel beschäftigt habe, wusste ich, dass ich auf jeden Fall gute Chancen habe, wieder ins Finale zu kommen. Von daher habe ich schon damit gerechnet.
kicker eSport: Wie wirst Du Dich für das große Finale vorbereiten?
Winkler: Ich werde die Tage über noch einige Spiele machen, einfach um im Spiel zu bleiben. Ansonsten viel mentale Vorbereitung, um den Fokus auf Samstag zu legen. Der Kopf entscheidet bei solchen Turnieren über Sieg oder Niederlage.

Die Qualifikation in Dortmund: Hier musste sich Dennis Winkler (re.) nur Mike Linden geschlagen geben. Für Liverpool hat es dennoch gereicht.
Die Qualifikation in Dortmund: Hier musste sich Dennis Winkler (re.) nur Mike Linden geschlagen geben. Für Liverpool hat es dennoch gereicht.
© German PES LeagueZoomansicht

kicker eSport: In der Qualifikation in Dortmund musstest Du gegen einige starke Gegner ran. Einer davon war Dein Bruder Matthias. Wie ist es gegen ihn zu spielen?
Winkler: Es ist immer hart gegen seinen Bruder antreten zu müssen. Wir kennen uns in- und auswendig, daher sind es extrem knappe Spiele. So war es dann auch in Dortmund. Im ersten Spiel war ich einen Tick besser, im zweiten Spiel Matze. Er hätte es genauso verdient gehabt.
kicker eSport: Und wie ist es mit der Rivalität zwischen Euch?
Winkler: Rivalität kann man das nicht wirklich nennen. Zwar gibt es kein Pardon, wenn wir gegeneinander spielen müssen. Aber außerhalb des Feldes sind wir wie Brüder eben so sind. Wenn der eine gewinnt, dann gönnt der andere ihm das auch von Herzen und auch sonst unterstützen wir uns, wo wir nur können.
kicker eSport: Auf Turnieren erlebt man Euch immer als eingeschworenes Team. Wenn Du gespielt hast, war Dein Bruder immer dabei und hat Dich angefeuert. Wie wichtig ist dieser Support für Dich und wird Matthias auch in Liverpool dabei sein?
Winkler: Matze wird mit dabei sein. Seine Unterstützung ist auch extrem wichtig. Manchmal sieht er Sachen im Spiel, die man nicht sofort sieht oder holt einen wieder runter, wenn es nicht so läuft. Ansonsten bin ich immer froh, wenn er dabei ist. Unsere Reisen, vor allem mit Mike (Linden) zusammen, sind immer cool. Daher wäre es schade gewesen, wenn er nicht mitgekommen wäre.
kicker eSport: Wie siehst Du die Chancen in Liverpool für die deutschen Spieler?
Winkler: Wenn Mike und ich die Form aus dem deutschen Finale mitnehmen, haben wir auf jeden Fall ernsthafte Titelchancen. Da bin ich mir sicher.

Wirklich zufrieden wäre ich nur mit dem Turniersieg. Ich fliege auf jeden Fall nicht als Tourist hin.Dennis Winkler

kicker eSport: Mit welcher Platzierung wärst Du in Liverpool zufrieden?
Winkler: Zuerst einmal will ich die Qualifikation für die WM in Cardiff klar machen, also mindestens das Halbfinale erreichen. Aber wirklich zufrieden wäre ich nur mit dem Turniersieg. Ich fliege auf jeden Fall nicht als Tourist hin.
kicker eSport: Mit welchem Team wirst Du in Liverpool antreten und wieso?
Winkler: FC Barcelona. Konami hat die Teamauswahl diese Saison leider nur auf lizenzierte Clubteams eingeschränkt, daher bleibt da keine andere Wahl. Sie haben im Vergleich zu PSG oder Arsenal einfach den besten Kader und vor allem die Spieler, die in engen Momenten den Unterschied ausmachen können.
kicker eSport: Deine generelle Einschätzung zum Teilnehmerfeld in Liverpool - welche Spieler sind für das Grand Final heiße Kandidaten?
Winkler: Es ist auf jeden Fall extrem hochkarätig besetzt und ich kann mich nicht erinnern, wann einmal so viel Qualität bei einem europäischen Finale dabei war. Von daher können sich die Zuschauer auf interessante Spiele freuen. Von 15 Spielern sind für mich 12 dabei, die das Zeug für den Sieg haben. Ich will mich da nicht auf Namen festlegen.
kicker eSport: In Dortmund ist der amtierende Meister und Schalke-Profi Lennart Albrecht schon früh rausgeflogen. Wie überraschend war das für Dich?
Winkler: Unsere Gruppe war ja die vermeintliche Todesgruppe und extrem schwer, von daher hätte es jeden treffen können. Dass es ihn als Titelverteidiger dann doch so früh erwischt hat, war auf jeden Fall die Überraschung des Turniers.

kicker eSport: Schalke ist nun auch in den PES-eSport eingestiegen. Ist das ein richtiger Schritt Deiner Meinung nach?
Winkler: Die Szene kann sich generell über jeden namenhaften Support freuen. Ob es jetzt ein Bundesliga-Team oder eine andere bekannte Organisation ist, spielt erst einmal keine Rolle. So bekommt Konami auch hoffentlich einen größeren Anreiz, den eSport weiter zu fördern und zu professionalisieren. Der Schritt war auf jeden Fall richtig und wichtig und ich hoffe, dass in der Hinsicht auch noch mehr passiert.
kicker eSport: Wenn Du die Wahl hättest, für welchen Verein würdest Du gerne als PES-Profi spielen?
Winkler: Da würden einige in Frage kommen, aber ein Verein wie der FC Barcelona wäre schon was. Wenn es schon als richtiger Fußballer nicht geklappt hat ...
kicker eSport: Hat sich die PES-Szene in den letzten Jahren stark verändert, Deiner Meinung nach?
Winkler: Leider ja und das eher in negativer Hinsicht. Wenn ich mich an die ersten Jahre meiner Karriere erinnere, wie viele Spieler und Events es gab oder wie groß der Wettbewerb generell war, dann ist das schon schade. Zwar sind einige Jungs dazugekommen, aber es gab die letzten Jahre eine sehr rückläufige Entwicklung. Ich hoffe, dass sich das die kommenden Jahre wieder ändert.
kicker eSport: Und als Abschlussfrage etwas für die Kristallkugel: Wird PES in den nächsten zwei Jahren FIFA in den Verkaufszahlen überholen?
Winkler: Das kann ich mir nicht vorstellen. Dafür investiert Konami im Vergleich zu EA einfach zu wenig ins Marketing. Aber wer weiß. Wenn das, was Adam Bhatti auf Twitter losgetreten hat, nicht nur heiße Luft war, dann kann sich das langfristig vielleicht wieder ändern.

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