Teil zwei des Interviews mit dem PES-Profi

PES-Profi "Lutti-1" über Cheater, Preisgelder & Co.

von Holm Kräusche am 13.04.2017 um 18:04

Matthias 'Lutti-1' Luttenberger ist schon seit 20 Jahren aktiver eSportler. Zwar wagte der Österreicher einen kurzen Ausflug zu FIFA, kehrte aber schnell zu seinen Wurzeln zurück. In der derzeit laufenden PES League hat er sich bereits für die Weltmeisterschaft in Cardiff qualifiziert. Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir mit dem Vize-Weltmeister von 2015 über die Liga, ihre Vorzüge und Schattenseiten, wie es ist ein Finale zu verlieren und die Probleme mit Cheatern.

'Lutti-1' spielt erfolgreich in der PES League. Im Interview spricht er über die Liga und Cheater.
'Lutti-1' spielt erfolgreich in der PES League. Im Interview spricht er über die Liga und Cheater.
© kicker eSportZoomansicht

kicker eSport: Beschreib bitte, wie die PES League funktioniert.
Matthias 'Lutti-1' Luttenberger: Die PES League ist dieses Jahr in zwei Saisons aufgeteilt. 16 Spieler qualifizieren sich weltweit für die WM in Cardiff. Die Ligen sind in diverse Regionen oder Länder aufgeteilt. Dort lösen der oder die nationalen Gewinner ein Ticket für die Regional Finals. Von da können sich dann jeweils vier Spieler für die WM qualifizieren.

kicker eSport: Wie gefällt Dir das System der PES League und wo gibt es Verbesserungsbedarf?
Luttenberger: Eine weltweite Liga wie die PES League ist natürlich elementar für die Professionalisierung des eSports. Leider sind die Spielehersteller oft nicht interessiert, die "weltbesten" Spieler zu ermitteln, sondern es wird schnell ein Qualifikationsmodus gestaltet, der einfach zu organisieren ist. Das erleben wir gerade in der Season 2. In einigen Ländern fährt direkt der Erstplatzierte zu den Regional Finals und es finden keine nationalen Meisterschaften statt. Diese Entwicklung können wir als eSportler nur auf das Schärfste kritisieren.

kicker eSport: Wohin wird sich der Wettbewerb Deiner Meinung nach entwickeln?
Luttenberger: Das können wir Spieler schwer abschätzen. Alleine wenn wir diese Saison betrachten. Das Preisgeld wurde mehr als verzehnfacht. Die mediale Resonanz wird auch immer größer. Spieler treten im TV auf und geben Interviews. Des Weiteren werden unzählige Dokumentationen über den eSport produziert.

kicker eSport: Die PES League dominiert die eSport-Szene. Wären mehr Events wünschenswert?
Luttenberger: Natürlich hätten wir Spieler gerne öfter im Jahr die Möglichkeit uns zu duellieren.


Es sollten strengere Strafen eingeführt werden.'Lutti-1' über Cheater in der PES League.

kicker eSport: Du hast Cheaten in der PES League erwähnt. Wie wird betrogen?
Luttenberger: Mit diesem Online-Qualifikationsmodus versuchen befreundete Spieler sich gegenseitig zu finden, um den anderen einen hohen Sieg zu schenken, da am Ende der Saison mehrere Spieler die maximale Punkteanzahl erreichen und dann letztendlich das Torverhältnis entscheidend wird. Des Weiteren gibt es auch die Möglichkeit die Internet-Verbindung so zu beeinflussen, dass Spiele abgebrochen werden und nicht in das Ranking einfließen. Die PES League hat dabei zwar in der ersten Saison einige namhafte Spieler gesperrt, nur können diese auch wieder in der zweiten Saison mitspielen. Hier sollten strengere Strafen eingeführt werden, da sicherlich der eine oder andere unsaubere Spieler dabei durchrutscht.

kicker eSport: In Barcelona hast Du einen der beiden deutschen Teilnehmer rausgekickt. Wie war dieses Spiel?
Luttenberger: Dieses Spiel war sehr emotional und umkämpft. Matthias Winkler war richtig gut vorbereitet auf das Turnier und das Spiel war sicherlich eines der interessantesten Spiele bei den Regional Finals. Ich musste insgesamt fünf Mal einem Rückstand hinterher rennen, konnte aber dennoch das Spiel mit 7:6 für mich entscheiden. Das passiert anscheinend nur beim virtuellen Fußball, dass wir Österreicher einmal die Deutschen schlagen.

kicker eSport: Gegen den späteren Gewinner hast Du dagegen deutlich verloren, wie schätzt Du Deine Chancen für Cardiff ein?
Luttenberger: Vier Tage vor Turnierbeginn wurden wir unterrichtet, dass wir keine Teams wie Real Madrid verwenden dürfen und nur original lizenzierte Teams erlaubt sind. Ich konnte dann erst in Barcelona meine ersten Trainingseinheiten gegen Mike Linden und Matthias Winkler spielen. Ich fand am gesamten Wochenende nicht in mein Spiel und muss mich somit mit dem vierten Platz zufrieden sein. Nun habe ich genug Zeit um mich mit Barcelona vorzubereiten. Die Karten werden dann in Cardiff neu gemischt.

kicker eSport: In Barcelona hast Du immerhin schon 4.000 US-Dollar gewonnen. Was machst Du überhaupt mit dem ganzen Preisgeld?
Luttenberger: Brav anlegen.

Beim WM-Finale 2015 stand 'Lutti' (re.) kurz vor dem Weltmeistertitel.
Beim WM-Finale 2015 stand 'Lutti' (re.) kurz vor dem Weltmeistertitel.
© Matthias LuttenbergerZoomansicht

kicker eSport: Beim WM Finale hast Du vor einer Menge Publikum gespielt. Was ändert sich, wenn Du auf einer Bühne spielst zum Zocken vor der heimischen Konsole?
Luttenberger: Ich genieße diese Atmosphäre. Nach dem WM Finale 2015 durften wir anderthalb Stunden vor Anpfiff des UEFA Champions League Finales im Berliner Olympiastadion spielen. Diese Erfahrungen und Erinnerungen sind einfach unbezahlbar. Mein schönster und zugleich traurigster Moment war sicher genau dieses Finale, als ich beim Stand von 2:1 einen Pfostentreffer hatte und direkt im Gegenzug den Ausgleich kassierte und das Spiel auch noch verloren habe.

kicker eSport: Wie verarbeitet man das mental?
Luttenberger: Direkt nach dem Finale war ich noch voller Adrenalin und hatte keine Zeit darüber nachzudenken. Nachdem ich in den darauffolgenden Tagen das Final-Video gesehen habe, war ich schon sehr enttäuscht, weil ich einfach so knapp daran gescheitert bin. Trotzdem zähle ich meine mentale Stärke zu den wichtigsten Aspekten meines Spiels. PES ist für mich ein unglaublich schönes Hobby geworden, dennoch zählen im Leben andere Dinge wie Familie, Freunde und Gesundheit viel mehr als ein "blödes" Spiel.

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