Koreanischer Underdog siegt in Kroatien

Dota Pit League: MVP Phoenix nutzt Gunst der Stunde

von Robin Schulz am 22.03.2016 um 10:24

Die Dota 2-Szene kommt gerade erst aus China zurück, nachdem in Shanghai das vergangene Major-Turnier ausgetragen wurde, da kämpfen die Teams in Kroatien schon um den nächsten Titel. In der beschaulichen Stadt Split wurde das Finale der vierten Dota Pit League Saison ausgetragen und neben den Shanghai-Champions Team Secret war auch der amtierende Weltmeister Evil Geniuses vor Ort. Den Titel holte sich aber ein anderes Team: Das südkoreanische MVP Phoenix.

MVP Phoenix schlägt EG im Dota Pit-Finale klar und deutlich mit 3:0.
MVP Phoenix schlägt EG im Dota Pit-Finale klar und deutlich mit 3:0.
© Dota PitZoomansicht

Es war das Wochenende der Dota-Underdogs. Sowohl OG, die das Major in Frankfurt gewannen, als auch Team Secret, die vor Kurzem erst das Shanghai Major für sich entschieden, mussten bereits in der ersten Runde die Segel streichen. Secret gegen das wieder erstarkte Natus Vincere, die mit geballter Rückendeckung des Publikums ins Halbfinale rückten, und OG gegen die Südkoreaner von MVP Phoenix. Dass vor allem Secret so früh ausschied, verwunderte viele Fans. Für den compLexity-Spieler Kyle 'swindlemelonzz' Freedman ist dies aber keine große Überraschung: "Ich weiß, dass denen Dota aktuell einfach egal ist. Die haben das Major gewonnen und 'w33ha' hat mir gesagt, dass er seitdem überhaupt nicht gespielt hat".

Secret im Urlaubs-Modus

Dass OG hingegen MVP unterlag, hatte weniger mit der spielerischen Schwäche der Frankfurt-Sieger zu tun, sondern mehr mit dem immer besser werdenden koreanischen Team. Bei der Weltmeisterschaft 2015 belegten sie noch den siebten bis achten Platz. In Shanghai sicherten sie sich schon einen enorm starken vierten Platz und in Split schickten sie sich an, die gesamte Dota-Welt auf den Kopf zu stellen.

Natus Vincere kommt langsam wieder in Form. Sie scheiterten nur knapp an EG.
Natus Vincere kommt langsam wieder in Form. Sie scheiterten nur knapp an EG.
© Natus Vincere TwitterZoomansicht

EG musste in der ersten Runde gegen Team Empire antreten und entging nur knapp dem Schicksal, dass bereits OG und Secret erlitten. In einem äußerst engen dritten Spiel schafften sie es allerdings schlussendlich Empire niederzuringen. Im Halbfinale hieß ihr Gegner Natus Vincere, die nach dem Aus der russisch-ukrainischen Teams Virtus.Pro und Empire das gesamte kroatische Publikum hinter sich hatten. Das Team schwächelte bereits seit über einem Jahr und die Hoffnungen, dass der einstige Publikums-Liebling und erster Dota 2-Weltmeister wieder zur alten Stärke findet, tendierten gegen Null. Mit ihrem Sieg über das träge Team Secret hauchten die Spieler der Marke Na'Vi wieder neues Leben ein und sie präsentierten sich gegen Evil Geniuses in absoluter Top-Form. Nachdem sie dem Weltmeister sogar das zweite Spiel im Best-of-3 abnehmen konnten, trauten die Fans ihren Augen nicht. Das entscheidende Match entwickelte sich zur vielleicht spannendsten Partie des Wochenendes, aus der letztendlich aber EG mit kühlem Kopf und gewohnter Routine siegreich hervortrat. Was sie allerdings im Finale erwarten würde, hatten sich die Amerikaner nicht ausgemalt.

MVP überrumpelt EG

Der Werdegang von MVP Phoenix erstreckt sich bereits über mehrere Jahre und in ihrem Heimatland Südkorea hat die Mannschaft nahezu alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Ernsthafte Konkurrenz für Europa, Amerika oder China war die Region allerdings bislang nicht. Obwohl Südkorea in League of Legends und StarCraft als absolute Vorzeige-Nation gilt, war sie in Dota 2 nur selten mit von der Partie. Nun hatte aber ihre Stunde geschlagen. Bereits in Shanghai überzeugte MVP mit einem eindrucksvollen Niveau, scheiterten schlussendlich aber an Evil Geniuses. Dass nahmen die Amerikaner möglicherweise als Einladung, sich auch im Dota Pit-Finale etwas zurückzulehnen.

MVP Phoenix ließen EG im Finale nicht den Hauch einer Chance.
© MVP Phoenix facebook

EG setzte im ersten Spiel mit Earthshaker, Visage und Natures Prophet auf ein sehr konservatives Line-Up, während MVP vor allem mit der starken Invoker-Slark-Kombination für gewohnt viel Druck sorgte. Obwohl sie auf dem Papier die deutlich schlechteren Chancen hatten, setzte MVP auf ihre gewohnte Aggression und gewann elementare Teamkämpfe. Eindrucksvoll knackten sie den Weltmeister und gingen im Best-of-5 in Führung.

Mit dem Rückenwind aus der ersten Partie wurden die Koreaner mutiger und setzten auf ein noch aggressiveres Line-Up mit dem auch das zweite Match schnell entschieden war. EG pickte erneut Natures Prophet und Death Prophet. Razor als eher ungewöhnlicher Last-Pick schaffte es aber nicht, sein Potenzial zu entfalten und nach 33 Minuten stand es bereits 2:0 für MVP. Für das Matchball-Spiel musste EG-Kapitän Peter 'ppd' Dager erneut eine Geheimwaffe aus dem Hut ziehen und die hieß Treant Protector - ein Support-Held, der bereits seit langer Zeit nicht mehr im professionellen Dota auftauchte. Dennoch ging die Kombination nicht auf und EG schaffte es trotz guter Koordination nicht, die extrem aggressiven und gleichzeitig äußerst fokussierten Koreaner zu stoppen. Nach 31 Minuten warfen die Weltmeister das Handtuch und MVP Phoenix siegte mit einem glatten 3:0.

Korea und Dota

Obwohl beim Dota Pit-Finale nicht alle aktuell stärksten Teams dabei waren und Mannschaften wie Liquid fehlten, ist der Sieg für MVP ein enormer Erfolg. Ein Turnier zu gewinnen, an dem EG und Secret antreten, ist in den vergangenen Monaten kaum einer anderen Mannschaft gelungen. Zusammen mit der aktuellen Schwäche von China, könnte sich Korea so zu einer der stärksten Dota-Regionen mausern und aus dem chinesischen Schatten treten. "Jetzt können wir die nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen. Sie nehmen das verdammt ernst - ich habe selten ein Team getroffen, das es so sehr versucht, wie MVP", erklärte Kyle 'swindlemelonzz' Freedman nach dem Finale.

Dass MVP nach dem Dota Pit-Finale und Shanghai Major eine direkte Einladung zum kommenden Manila Major sicher hat, scheint äußerst wahrscheinlich. Hausaufgaben hat aber definitiv Evil Geniuses aufbekommen - denn obwohl sie in diesem Jahr bereits in drei großen Endspielen waren, konnten sie keine einzige Map gewinnen. Alliance bei der Starladder, EHOME bei der MarsTV Dota 2 League und nun MVP im Dota Pit-Finale - sie alle siegten zu Null gegen EG, denen von der Community bereits ein Final-Fluch zugesprochen wird.

Dota Pit League Saison 4:
Platzierung, Team, Preisgeld
1. MVP Phoenix, 97,407 USD
2. Evil Geniuses, 46,755 USD
3.-4. complexity Gaming & Natus Vincere, 25.326 USD
5.-8.Virtus.Pro, OG, Team Secret & Team Empire, 0 USD

 

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