Ewig lange Mängelliste

Das Dota-Desaster von Shanghai

von Robin Schulz am 03.03.2016 um 12:56

Es sollte eines der vier Großevents im Dota 2-Turnierkalender werden: Das Shanghai Major. Ein Turnier, welches offiziell von Valve in Zusammenarbeit mit Perfect World ausgetragen wird. Doch was aktuell im chinesischen Shanghai passiert, hätten sich selbst die kühnsten Pessimisten nicht ausmalen können. Stundenlange Verzögerungen, Übertragungen ohne Ton, VIP-Räume mit kaum Plastikstühlen und Hardware, die einfach verschwindet. Um die spielerischen Qualitäten der Teams geht es in der Dota-Community schon seit einigen Tagen nicht mehr.

Keinen Tisch zum Moderieren: Auch die russischen Caster wurden nicht verschont.
Keinen Tisch zum Moderieren: Auch die russischen Caster wurden nicht verschont.
© Rustam Mavliutov TwitterZoomansicht

Die Major-Turniere, von denen es im Jahr insgesamt drei geben soll, enden im Sommer mit dem vierten Großevent, dem International, welches gemeinhin als Weltmeisterschaft tituliert wird. Nach der erfolgreichen ersten Major-Ausgabe im vergangenen Jahr in Frankfurt, stand nun China als Gastgeber auf dem Plan und so wurde die Mercedes-Benz Arena in den letzten Tagen zum Austragungsort des nächsten Dota-Meilensteins. Valve führte diese Turniere ein, um mehr Ordnung in die Szene zu bringen - sie wollten vier regelmäßige professionelle Stützpfeiler für Zuschauer und Spieler pro Jahr schaffen. Zumindest das Vorhaben ist bereits jetzt gnadenlos gescheitert.

Da Valve nicht die Kapazitäten hat, um die Events komplett aus eigener Hand zu produzieren, engagieren sie für die einzelnen Ausgaben diverse Produktionsfirmen. Für Frankfurt war dies die bekannte ESL und für Shanghai sind dies Perfect World, die eher das chinesische Äquivalent zu Valve sind sowie die Produktionsfirma KeyTV.

Unstimmigkeiten vor dem Eröffnungsspiel

Bereits im Vorfeld lief im Land der aufgehenden Sonne einiges schief. Der Kapitän des Weltmeister-Teams Evil Geniuses, Peter 'ppd' Dager, ließ vor dem Turnierstart verlauten, dass die Veranstalter die falschen Monitore bereitstellten. Man hätte sich vor vielen Monaten auf eine bestimmte Monitor-Spezifikation geeinigt, die seitdem auf allen Turnieren eingesetzt wird. In Shanghai wurden den Spielern allerdings andere vorgesetzt. Dieses Problem konnte zwar relativ schnell behoben werden, ließ sich aber bereits als Omen für die Katastrophe sehen, die danach folgte.

Als die ersten Gruppenspiele in der vergangenen Woche starten sollten, mussten die Zuschauer bereits mit mehreren Stunden Verzögerung und vielen Ton-Problemen klarkommen. Der Host James '2GD' Harding, der diese Unannehmlichkeiten so gut es ging und mit seiner bekannten derben Art zu überspielen versuchte, wurde daraufhin direkt gefeuert. Mit ihm das gesamte Produktionsteam KeyTV, da Valve das Ausmaß der Probleme anscheinend früh erkannte. Bis zum Hauptevent wurde aber Verbesserung gelobt.

Am Mittwoch fanden die ersten sechs Spielserien des Hauptevents statt - oder zumindest standen sie auf dem Plan. Nach weiterer stundenlanger Verzögerung waren gerade einmal drei Serien gespielt, ehe die Zuschauer vor Ort gebeten wurden, die Location zu verlassen. Die restlichen Partien wurden dann bis tief in die Nacht ausgetragen. Eine Partie musste verschoben werden, da die Organisatoren vor Ort die Tastatur eines Spielers verloren hatten.

Ansonsten häufen sich die Meldungen von weiteren Problemen: Die russischen Caster berichten, dass sie nicht einmal einen Tisch zum Moderieren haben. In den VIP-Räumen gibt es lediglich ein paar Plastikstühle, die Spieler haben keine Trainingsräume und am Ende des Tages fehlten sogar die Shuttles, um alle wieder ins Hotel zu bringen. Zu guter Letzt sind die Spielerkabinen auf der Hauptbühne nicht schalldicht und beide Teams können die chinesischen Moderatoren laut und deutlich hören. Darüber hinaus sollen die Kabinen enorm nach Klebstoff riechen, weshalb die Partie zwischen OG und Secret mehrmals unterbrochen werden musste, da ein Spieler Probleme mit brennenden Augen hatte.

Der englische Host Dakota 'KotLguy' Cox, der für den gefeuerten '2GD' einsprang, erklärte, dass sich die Zustände am zweiten Tag gebessert haben und er hofft, dass es spätestens zum Finale auf einem adäquaten Level für Caster, Spieler und Zuschauer ist.

Spielerisches Niveau so hoch wie nie

Die ersten Spiele wurden trotz großer Probleme bereits ausgespielt.
Die ersten Spiele wurden trotz großer Probleme bereits ausgespielt.
© ValveZoomansicht

Obwohl ein Reddit-User mit den Worten "Ich interessiere mich gar nicht mehr für Spiele, ich will nur noch wissen, was die Leute in China als nächstes falsch machen" vermutlich einer Menge frustrierter Fans aus der Seele spricht, liefern die teilnehmenden Teams momentan ein enorm hohes spielerisches Niveau ab. Lediglich die Gastgeber hatten einen schweren Einstieg und mussten bereits das Ausscheiden ihrer Nationalteams CDEC Gaming, Vici Gaming und EHOME hinnehmen.

Team Liquid bugsierte sich bereits mit einem starken 2:1 gegen Alliance ins Halbfinale des Upper-Brackets und tritt dort gegen MVP Phoenix an, die überraschend LGD Gaming schlagen konnten. Secret fand hingegen zur alten Form zurück und setzte sich souverän gegen OG durch. Ihr nächster Gegner lautet Evil Geniuses, die zuvor mit scheinbarer Leichtigkeit gegen Fnatic siegten.

Einige Teams müssen im Lower-Bracket noch eine schwierige Best-of-1-Phase überstehen, bevor sie im Best-of-3-Modus spielen können.

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