Die Mutter aller eSport-Titel

Was ist StarCraft II?

von Robin Schulz am 24.10.2014 um 08:14

In Südkorea ist es schon fast Nationalsport, Profispieler bekommen bis zu sechsstellige Jahresgehälter. Darüber hinaus liegt der Ursprung von Titeln wie Dota 2 oder League of Legends in einer Karte des Klassikers StarCraft. Aber warum ist es so immens wichtig für den eSport und was steckt hinter dem Namen?

Spieler auf Popstar-Niveau: Das ist StarCraft II!
Spieler auf Popstar-Niveau: Das ist StarCraft II!
© Carl Oscar AaroZoomansicht

Die Ursprünge

Im März 1998 veröffentlicht Blizzard Entertainment das Echtzeit-Strategiespiel StarCraft, welches auf einem besseren technischen Gerüst als das Artverwandte Warcraft 2 aus dem Jahre 1995 lief - ebenfalls von Blizzard. Ende 1998, weniger als ein Jahr nach der Veröffentlichung, erschien mit StarCraft: Brood War die erste Erweiterung und wurde bis Anfang 2009 kontinuierlich mit Updates versorgt.

1999 fanden in Berlin die ersten Deutschen Meisterschaften der Computerspiele in StarCraft: Broodwar mit 400 Teilnehmern statt. Eines der ersten Events dieser Form auf deutschem Boden. Bereits im nächsten Jahr war es bei den World Cyber Games vertreten und ist neben FIFA der einzige Titel, der auf allen WCG bis 2013 gespielt wurde.

Knapp elf Jahre nach dem ersten Titel erschien 2010 der Nachfolger StarCraft II, der bis heute fester Bestandteil des eSport-Kalenders ist. Mittlerweile ist eine Erweiterung verfügbar und eine zweite befindet sich in der Entwicklung.

Das Spielprinzip

StarCraft II wird, im Gegensatz zu Dota 2 oder League of Legends, in den meisten Fällen im 1on1 gespielt - also ein Spieler tritt alleine gegen einen anderen Spieler an. Auch wenn der Titel durchaus andere Varianten bietet, hat es sich insbesondere durch das Kräftemessen zweier einzelner Athleten zu einer Besonderheit entwickelt. Dadurch ist das Geschehen bei einer Liveübertragung oftmals leichter zu verfolgen, als bei einem Teamspiel mit deutlich mehr Akteuren.

In einem Match befinden sich die Kontrahenten auf einer begrenzten Karte an zwei unterschiedlichen Punkten. Das Ziel ist es, die eigene Basis zu erweitern, Einheiten zu bauen und in der letzten Konsequenz die gegnerische Basis zu zerstören. Grundlegende Ressourcen sind Mineralien und Vespingas, welche zunächst abgebaut werden müssen. Damit lassen sich dann Gebäude und die besagten Einheiten erstellen, die der Spieler individuell steuern und befehligen kann.

Zergs und Protoss im Kampf um den Sieg
Zergs und Protoss im Kampf um den Sieg.
© Blizzard EntertainmentZoomansicht

Hat man seinen Gegner ausfindig gemacht und ist sich sicher, dass die eigenen Einheiten für einen Sieg reichen, kann ein Vorstoß gewagt werden. Im besten Fall merkt der angegriffene Spieler die Attacke rechtzeitig und kann aus seiner Basis rausrücken, um den Kampf in eben jener zu vermeiden. Dabei würden nicht nur die Einheiten, sondern womöglich auch wichtige Gebäude Schaden nehmen. In einigen Partien entscheidet eine einzige Schlacht über Sieg oder Niederlage. Die Position und Bewegung der agierenden Einheiten ist dabei immens wichtig. Eventuell trennen sich die Armeen der Kontrahenten wieder und ziehen sich zurück, um zu einem späteren Zeitpunkt und mit Verstärkung einen zweiten Versuch zu starten.

Die drei Rassen

Grundsätzlich unterscheidet sich diese Spielweise zu einem gewissen Teil von der ausgewählten Rasse - von denen es drei gibt: Terraner, Protoss und Zerg. Die grundlegenden Unterschiede sind vor allem die Stärken und Anzahl der Einheiten. Die Terraner kämpfen mit konventionellen Einheiten, die starke militärische Grundzüge haben. Mit ihnen lernen neue Spieler insbesondere einfache Spielprinzipien, vor allem weil sich die einzelnen Einheiten reparieren lassen. Um mit ihnen aber auch auf einem höheren Spielniveau erfolgreich zu sein, erfordert es viel "Micromanagement" - das individuelle Kommandieren und Bewegen mehrerer Einheiten gleichzeitig.

Die Protoss sind hingegen etwas einfacher für Anfänger zu koordinieren, da sie weniger, dafür aber deutlich stärkere Einheiten haben. Darüber hinaus besitzen sie ein Schild, was einen gewissen Teil des erlittenen Schadens abfängt und sich später wieder auflädt. Die Zerg haben hingegen im Durchschnitt die meisten Einheiten, welche allerdings einzeln betrachtet sehr schwach sind. Eine beliebte Strategie, dessen Name mittlerweile im eSport-Jargon etabliert ist, ist der Zerg Rush. Ein Angriff mit vielen kleinen Einheiten, der den Gegner in einer frühen Phase des Spiels überraschen soll.

Die Profispieler konzentrieren sich in den meisten Fällen sehr früh auf eine Rasse, die sie auf Turnieren spielen - eine große Überraschung gibt es bei einem Aufeinandertreffen also nicht. Blizzard ist stets bemüht, die Balance der drei recht unterschiedlichen Rassen immer aufrecht zu halten. Gerade weil es ihnen über lange Strecken immer wieder gelingt auf dem schmalen Grat zwischen fair und unfair zubleiben, hat StarCraft II so ein enormes eSport-Potential.

Nationalsport in Süd-Korea

Besonders große Aufmerksamkeit bekommt das Strategiespiel in Süd-Korea, wo die Akzeptanz und das Ansehen auf einem unvergleichbar hohen Level sind. Mit OGN gibt es sogar einen eigenen Fernsehsender, der sich ausschließlich auf die Berichterstattung und Übertragung von eSport-Events spezialisiert hat. Darüber hinaus ist der gesellschaftliche Stand eines professionellen Spielers deutlich höher. Das öffentliche Ansehen ist nicht nur ähnlich mit dem eines Popstars, sondern auch die jährlichen Gehälter können bei Top-Spielern bis in sechsstellige Bereiche gehen.

Wird in seinem Heimatland Süd-Korea gefeiert wie ein Star: Choi "Bomber" Ji Sung bei den WCS 2013 Finals.
Wird in seinem Heimatland Süd-Korea gefeiert wie ein Star: Choi "Bomber" Ji Sung bei den WCS 2013 Finals.
© Helena KristianssonZoomansicht

Sogar die Air Force, bei der junge Koreaner zwei Pflichtjahre absolvieren müssen, bot eine Zeit lang ein eSport-Programm an. Dort konnten junge eSportler trotz des Militärdienstes weiter trainieren, um nicht aus der Übung zu kommen.

300 Anschläge in der Minute

Ein weiterer Aspekt ist der hohe physische Anspruch an professionelle StarCraft II Spieler, der mit anderen Spielen ebenfalls kaum zu vergleichen ist. Um ein gutes Management der eigenen Einheiten zu gewährleisten, sind gute Reflexe und eine schnelle Bedienung gefragt. Während bei League of Legends oder Dota 2 die Tastaturanschläge und Mausklicks eher durchschnittlich sind, liegen sie bei StarCraft II stellenweise über 300 APM (actions per minute). Das heißt, dass die Spieler über 300 Tastendrücke und Mausklicks in einer Minute tätigen, um ihre Basis und die Einheiten zu steuern.

StarCraft II in Europa

Obwohl es durchaus einige hochkarätige europäische und sogar deutsche Teams wie "mousesports", "Team Acer" oder "XMG" gibt, ist StarCraft II hierzulande vergleichsweise unterrepräsentiert. Die Turniergelder befinden sich allerdings stellenweise auf einem Level mit denen von beliebteren eSport-Titeln. Der große Unterschied ist vor allem, dass das Preisgeld bei einem Sieg nicht auf fünf Mitglieder aufgeteilt wird. Der Preispool der letzten StarCraft II World Championships lag bei 250.000$ - die Fünfer-Teams bei der letzten League of Legends-Weltmeisterschaft teilten sich insgesamt etwas über 2.000.000$.

Die nächste Station im StarCraft II-Kalender ist die World Championship Series im November, bei der die 16 besten Spieler der Welt antreten werden. Entschieden wird hierbei nach der globalen Rangliste, in der die ersten 16 Plätze aktuell ausschließlich von Süd-Koreaner belegt sind.

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