DOSB-Hammer

Hintergründe und Folgen der DOSB-Positionierung

von Christian Mittweg am 31.10.2018 um 00:10

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich vom eSport distanziert, sowohl vom Begriff als auch von einem Großteil der Spiele. Einen Tag nach der Positionierung des Verbands blicken wir nochmal genauer auf die Stellungnahme und zeigen auf, welche weitreichenden Konsequenzen das haben könnte.

In einer Positionierung hat der DOSB den eSport als Begriff abgelehnt.
In einer Positionierung hat der DOSB den eSport als Begriff abgelehnt.
© kicker eSportZoomansicht

Am 29. Oktober veröffentlichte der DOSB die lang erwartete Stellungnahme zum eSport. Darin schreibt der Sportbund, wie er zukünftig mit dem eSport umgehen will - nämlich im Prinzip gar nicht. Der DOSB wird eSport nicht als Sport anerkennen und sich einzig auf Sportsimulationen - beispielsweise Virtual Tennis - konzentrieren, so gesehen als virtuelle Erweiterung. Eine "eigenständige sportliche Aktivität" sind aber auch Spiele wie FIFA oder PES nicht, zumindest für den DOSB.

Dass der DOSB diese Haltung einnimmt, ist generell sein gutes Recht und war zudem bereits abzusehen - auch wenn es gegen einen Gedanken von Zukunftsorientierung spricht. Zwar erkennt der Sportbund an, dass es sich bei League of Legends, Dota 2, Overwatch und Co. um "Jugend- sowie Alltagskultur handelt" und sehr wohl als Freizeitbeschäftigung dienen kann, auch in Sportvereinen. Das ist eine positive Anmerkung für den sonst so kritischen DOSB. Dennoch gab es nach der Positionierung vom DOSB einen Aufschrei in der deutschen eSport-Community - nicht ohne Grund.

Enttäuschung in der Community

Zu einem gewissen Maß spricht sicher auch die Enttäuschung aus den Worten von Hans Jagnow, Präsident den eSport-Bund Deutschland (ESBD), wenn er sagt: "Die Positionierung zeigt, dass es weiterhin kaum Verständnis über die eSport-Bewegung gibt. [...] Damit stellt man sich an der DOSB-Spitze deutlich gegen die junge eSport-Bewegung."

Insbesondere mit der Spaltung von eSport in die Begriffe "virtuelle Sportart" und "eGaming" hat sich der DOSB keinen Gefallen getan und einen Großteil der eSport-Fans gegen sich aufgebracht. Die fühlen sich nicht ernst genommen, denn das Wort eSport existiert in dieser Form bereits seit Jahrzehnten und ist international akzeptiert, auch in seiner Bedeutung. Hier nun einen Wechsel zu erzwingen, erscheint demnach wenig gewinnbringend. Das Wort "eGaming" ist daher auch eher als eine Art Arbeitstitel zu verstehen, der sich einzig in Regularien festsetzen wird.

Kritikpunkte am eSport

In seiner Positionierung führt der DOSB Punkte auf, die für die Ablehnung des eSports als Sportart gesorgt haben. Darunter fällt der Widerspruch zu den ethischen Grundsätzen des Sports an sich, womit der Sportbund auf die Gewalt in einigen eSport-Titeln anspielt. Zudem wurde vor Suchtgefahr gewarnt und der eSport als Beschäftigung ohne "sportartbestimmende Bewegung" dargestellt. Das sind alles Argumente, die zwar zur Diskussion stehen, eSport-Enthusiasten aber gerne schon vor zehn Jahren begraben hätten und beide Seiten weiter auseinandertreiben. Das genannte Risiko, dass "eGaming" marktorientiert ist und eine große Anzahl der eSport-Angebote wirtschaftlich begründet sind, ist dagegen nicht von der Hand zu weisen. Fußball gehört immerhin keiner Firma, League of Legends dagegen sehr wohl, nämlich Riot Games und Tencent. Und die versuchen natürlich Gewinn zu machen.

IOC: In der Vergangenheit versuchten sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) bereits dem eSport anzunähern.
IOC: In der Vergangenheit versuchten sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) bereits dem eSport anzunähern.
© IOCZoomansicht

Kein Olympia für eSport

Eine direkte Folge der DOSB Stellungnahme ist, dass deutsche eSportler ihre Olympiaträume fürs erste vergessen können. Im Prinzip hat sich aber nichts geändert: Die Anerkennung vom eSport gab es vorher nicht und ist auch jetzt nicht vorhanden. Indirekt wird die Positionierung aber wahrscheinlich noch große Wellen schlagen, denn schon im September schob die Bundesregierung die Verantwortung bei eSport-Thematiken weiter zum DOSB - und das nachdem man im Februar noch die Anerkennung des eSport im Koalitionsvertrag verankert hatte. Da die Positionierung des DOSB nun klar ist, existiert der von der Bundesregierung gewünschte Leitfaden. Bei zukünftigen Fragen rund um den eSport werden sie sich demnach wohl der Stellungnahme des DOSB vertrauen und sich danach richten. Problematisch dabei: Mit der DOSB-Stellungnahme hat die Bundesregierung nun eine fachliche Meinung, die jegliche Einstellung von Förderung in sportlicher Hinsicht legitimieren würde. Dann bliebe zunächst nur eine Förderung als Kulturgut.

Gemeinnützigkeit rückt in weite Ferne

Wie genau die Bundesregierung zukünftige eSport-Themen handhabt, ist selbstverständlich noch abzuwarten. Einen Präzedenzfall dafür könnte die Frage um die Gemeinnützigkeit von eSport-Vereinen bieten. Der ESBD sowie die Klubs wünschen sich eine Änderung der Abgabenordnung bereits seit geraumer Zeit. Der DOSB sagt in seiner Positionierung aber eindeutig, dass sie keinen Anlass sehen, die derzeitige Rechtslage zu ändern. So lautete zuletzt auch die Antwort der Bundesregierung.

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