Starke Ideen - zu wenig Wucht

Was UFC 2 besser macht als andere Sport-Spiele

von Robin Schulz am 30.03.2016 um 09:43

Die Bandbreite von EA Sports-Spielen ist ziemlich umfangreich, und nachdem der Entwickler die hauseigene Boxserie Fight Night vorerst auf Eis gelegt hatte, erschien nun UFC 2. Ultimate Fighting Championship hat in Deutschland keinen besonders guten Ruf, der digitale Ableger macht dafür aber vieles richtig. Einiges davon könnten auch andere Sportspiele gut vertragen.

In welchen Bereichen leistet UFC 2 Pionierarbeit?
In welchen Bereichen leistet UFC 2 Pionierarbeit?
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Die Karriere in UFC 2 beginnt in klassischer Tutorial-Manier: In einem schier endlosen Trainingsmodus werden dem Spieler die unzähligen Kampf-Möglichkeiten erklärt und beigebracht. Ungeübte Spieler könnten hier bereits an ihre Schmerzgrenze stoßen. Jedes einzelne Element wird dabei sehr detailliert erklärt und mit passenden Praxis-Übungen versehen. Auch wenn dieses Prozedere zu Spielbeginn eher anstrengend als spaßig erscheint, geht man somit auf keinen Fall ahnungslos ins Oktagon. Hier ist UFC 2 anderen Sport-Titeln wie beispielsweise FIFA weit voraus. Umfangreiche Tutorials in verschiedenen Schwierigkeiten vermitteln das tatsächliche Spielgeschehen deutlich besser als belanglose Skillspiele, in denen kontextlose Spielsituationen runtergespult werden. UFC erklärt einzelne Mechaniken ziemlich genau und steigert dabei sinnvoll die Komplexität. Dies ist zwar langatmig, aber lehrreich.

Auch die spätere Inszenierung der Kampagne gelingt UFC 2 deutlich charmanter. So findet sich der Spieler, der zuvor einen eigenen Charakter im komplexen Editor gestalten kann, in der fiktiven Casting-Show "The Ultimate Fighter" wieder, in der er sich im K.o.-System gegen andere aufstrebende Kämpfer beweisen muss. Mit jedem Match und jedem Einlauf der eigenen Spielfigur wächst die Verbundenheit mit dem eigenen Charakter. Er kämpft sich langsam an die Spitze und die eigene Laufbahn lässt sich gut gestalten und nachverfolgen. Das virtuelle Prestige wächst und wächst.

Volle Identifikation mit dem eigenen Kämpfer

Vergleicht man dies erneut mit der Karriere in FIFA, klafft eine gewaltige Lücke. Der eigene Charakter geht in den Mannschaften der Liga unter, wirkt einfach nur wie ein weiterer Spieler und von einer richtigen Laufbahn oder Entwicklung fehlt jede Spur. Dass ein einzelner UFC-Kämpfer natürlich viel mehr im Mittelpunkt steht, als einer von elf Fußballern, ist verständlich. Dennoch wirkt die Präsentation des eigenen Abbildes deutlich besser. Die NBA-Spiele von 2K sind hier schon deutlich näher dran, schaffen dies aber ebenfalls nicht auf dem UFC-Level.

Was sich das Spiel aber von FIFA abgeguckt hat, ist die Integration der weiblichen Kämpfer. Diese wirken extrem gut, haben ihren eigenen unverkennbaren Stil und sind ernsthafte Alternativen bei der Kämpfer-Auswahl.

Neben Ronda Rousey haben es auch noch weitere Frauen ins Spiel geschafft!
Neben Ronda Rousey haben es auch noch weitere Frauen ins Spiel geschafft!
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Ein weiterer wichtiger Punkt ist die spielerische Entwicklung des Kämpfers. Und spätestens hier schickt UFC 2 jedes andere Sportspiel auf die Bretter. In Simulationen zu diversen Ballsportarten muss dem eigenen Abbild meistens, den Regeln geschuldet, eine feste Position zugeordnet werden. Im Basketball mag dies der Shooting Guard und im Fußball der Stürmer sein. Dadurch ist die Entwicklung bereits klar vorgegeben und wird in eine Richtung gelenkt. Bei UFC 2 lässt sich zu Beginn zwar ein gewisser Stil auswählen, den Rest entscheidet der Spieler ab selbst. Da sich im Trainingsmodus alles nach Belieben weiterentwickeln lässt, kämpft man nur wenige Stunden später mit genau den Schlägen und Tritten, mit denen man am besten umgehen kann. Dadurch werden diese verbessert und der eigene Stil festigt sich. In kaum einem anderen Spiel wirkt sich der Spielstil so stark auf die spätere Entwicklung aus, wie in UFC 2 und das vermittelt das Gefühl von einer echten individuellen Laufbahn.

Dem Gameplay fehlt die Wucht

Separat betrachtet ist UFC 2 aber momentan natürlich konkurrenzlos. Während der erste Teil bereits durchweg positiv aufgenommen wurde, versucht sich UFC 2 an größerem Inhalt und besserem Kampfgeschehen. Leider ist hier auch bereits der größte Kritikpunkt zu finden. Während Inszenierung und Aufmachung überzeugen und im Sport-Portfolio von EA einen Spitzenplatz einnehmen, fehlt dem eigentlichen Gameplay die Wucht. Tritte und Schläge sind zwar einwandfrei animiert, geben aber kaum Feedback. Ein weithergeholter Vergleich sind die Batman-Spiele der Rocksteady Studios, bei denen einem jeder Gegner nur leidtun kann, wenn er vom Fledermaus-Mann getroffen wird. Die Kraft der UFC-Athleten spürt man im digitalen Achteck leider überhaupt nicht. Selbst noch so starke Aktionen scheinen am gegnerischen Polygon-Model zu verpuffen.

Live-Wetten

Obwohl das Kern-Element leider nur befriedigend abschneidet, ist die Verpackung umso besser. Die Menüführung erinnert zwar an die anderen EA-Spiele, hat aber erneut ein paar Extratricks parat. So lassen sich die Ergebnisse echter anstehender UFC-Kämpfe tippen. Schafft man es danach noch, den getippten Ausgang nachzuspielen, winken weitere Belohnungen im Spiel. Auch dies wäre eine hervorragende Erweiterung für FIFA. Dort lassen sich zwar bereits echte Spielsituationen vergangener Partien nachspielen, aber die Ergebnisse der Bundesliga zu tippen, diese mit den Freunden zu vergleichen und dann selbst nachspielen, wäre auch für FIFA eine sinnvolle Neuerung.

UFC Ultimate Team

Der äußerst beliebte Ultimate Team Modus, den EA im Laufe der Zeit in nahezu alle seine Sportspiele integriert hat, findet auch in UFC 2 Einzug. Hier entsprechen die einzelnen Karten, die sich aus Paketen ziehen lassen, keinen Footballern oder Fußballern, sondern speziellen Attacken, die sich für die eigenen Kämpfer ausrüsten lassen. Dies ist zwar eine neue Art und Weise den Ultimate Team Modus anzufassen, wirkt aber in vielen Bereichen eher etwas ratlos hinzugefügt, als sinnvoll integriert. Die Ultimate Team Modi machen durch Mikrotransaktionen seit Jahren einen enormen Umsatz und so ist es nicht verwunderlich, dass EA ihn weiter in kommende Spiele einbauen wird. Trotzdem stimmt die Synergie nicht ganz.

Alles in allem ist UFC 2 zwar eine sinnvolle Weiterentwicklung, die mit vielen interessanten und wichtigen Features aufwartet, aber in letzter Konsequenz die Hauptkompetenz außer Acht lässt: Die Action im Octagon. Obwohl die visuelle Darstellung erneut hervorragend ist, haben die Treffer jeglicher Art nicht den Impact, den man erwartet. Dennoch zeigt das Spiel, welche Möglichkeiten es für zukünftige Sportspiele gibt.

 

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