Hohes Preisgeld bei der WM in Nashville

Pokémon - der unterschätze eSport

von Holm Kräusche am 17.08.2018 um 14:47

Das heutige Pokémon ist Schach mit niedlichen Monstern. Hochtaktisch spielen Teilnehmer aller Altersklassen in Nashville bei der Weltmeisterschaft um einen Preispool von 500.000 US-Dollar - das ist mehr als beim FeWC.

Auf den ersten Blick sieht Pokémon nach Kinderunterhaltung aus. Hinter der bunten Grafik versteckt sich aber ein handfester eSport, der einiges anders macht.
Auf den ersten Blick sieht Pokémon nach Kinderunterhaltung aus. Hinter der bunten Grafik versteckt sich aber ein handfester eSport, der einiges anders macht.
© Pokémon CompanyZoomansicht

"Pikachu Du bist dran!" Dieser Satz dürfte sowohl jungen, als auch älteren Videospielfans etwas sagen. Das ruft Ash, der Protagonist des Pokémon-Animes in nahezu jedem Kampf und auch die Handheld-Spiele adaptieren diesen Ruf. Aber Pokémon, das ist mehr als niedliche Monster für Kinder und mehr als das nach wie vor populäre Pokémon GO. Die kleinen Taschenmonster können auch eSport und das schon sei vielen Jahren. Dabei macht die Disziplin vieles anders, als bekanntere eSport-Arten.

Weltmeisterschaften in Nashville

In etwa einer Woche, vom 24. bis zum 26. August werden in Nashville in den USA die Weltmeisterschaften ausgetragen. Mitmachen darf nur, wer über die Saison verteilt ordentlich Punkte in Turnieren gesammelt hat, es ist also beileibe nicht einfach, sich für den Wettbewerb zu qualifizieren. Gespielt wird dort insgesamt um 500.000 US-Dollar Preisgeld, das ist nicht nur für einen eSport-Wettbewerb der fernab vom Mainstream funktioniert viel, sondern auch für Nintendo ungewöhnlich: Der Spieleentwickler schüttet normalerweise gar kein Preisgeld aus.

Drei unterschiedliche Disziplinen

Pokémon hat drei Disziplinen, einerseits das Sammelkartenspiel, das im Prinzip ähnlich wie Hearthstone, Magic und Yu-Gi-Oh funktioniert. Außerdem wird in Nashville eine Switch-Version gespielt und letztlich die Handheld-Version: Maßgeblich in diesem Jahr sind die neusten Spiele Ultrasonne und Ultramond.

Hochkomplexe Strategien

Geht es ins Turnier, erinnert Pokémon eSport ein wenig an eine Kombination aus Schach und Comicbuch. Die Optik täuscht allerdings darüber hinweg, dass die Spieler jede Menge Wissen benötigen sowie hochkomplexe Vorgänge in kürzester Zeit begreifen und darauf reagieren müssen. "Pokémon ist ein rundenbasiertes Spiel, bei dem man trotzdem gleichzeitig agiert. Da gibt es nur sehr wenige Spiele, die ein ähnliches Prinzip haben und keines, bei dem das Kampfsystem so einfach ist, die dahinterstehenden Strategien aber gleichzeitig so komplex sind", sagt Markus '13Yoshi37' Stadter. Der 23-Jährige spielt seit zehn Jahren aktiv Pokémon und gilt als einer der bekannteren deutschen Vertreter der eSportart. Stadter errang bereits die Bronzemedaille 2016. Wie im Schach geht es also darum, vorherzuahnen, was der Gegner mit seinen zwei Figuren als Nächstes tun wird und eine wirkungsvolle Strategie dagegen zu entwickeln.

Im Pokémon eSport tritt jeder Spieler mit insgesamt vier Monstern an, die er zu Kampfbeginn aus seinem Team aus sechs auswählt. Immer zwei Pokémon jedes Spielers sind gleichzeitig auf dem Feld und jedes Monster darf eine Aktion pro Runde ausführen. Wann welches in der Runde agiert, errechnet sich aus unterschiedlichen Werten. Aus dieser Spielform ergeben sich unzählige taktische Möglichkeiten und die Spieler müssen für alles gewappnet sein, Attacken und Verteidigungen kennen und sie schlau und schnell einsetzen. Jeder Spieler hat pro Zug nämlich nur 45 Sekunden Zeit.

Pokémon funktioniert seit 22 Jahren

Die allererste Edition kam 1996 in den Handel, damals noch auf dem ersten Gameboy. Seitdem ist viel passiert, heute findet das Spiel in 3D und nicht mehr in Draufsicht von oben statt. Anthony Cornish, Marketing Director der Pokémon Company erklärt, warum sich das Spiel bis heute hält: "In den letzten zwei Jahrzehnten, haben die Entwickler in Japan die Essenz beibehalten können, während sie gleichzeitig neue Generationen von Pokémon ins Spiel gebracht haben und neue Wege das Spiel zu spielen. Die Welt von Pokémon kann definitiv als magisch oder verzaubernd beschrieben werden."

Hochkonzentriert geben die Kontrahenten ihre Züge ein. Dabei hat jeder nur 45 Sekunden Zeit pro Runde
Hochkonzentriert geben die Kontrahenten ihre Züge ein. Dabei hat jeder nur 45 Sekunden Zeit pro Runde
© Pokémon CompanyZoomansicht

eSport gibt auch den ganz jungen eine Chance

Für den eSport hat Cornish vor allem den anderen Ansatz ausgemacht, mit dem die Pokémon Company an die Turniere herangeht: Es gibt drei unterschiedliche Altersstufen, in denen gespielt wird: "Das ermöglicht es jüngeren Spielern an Turnieren und Events teilzunehmen, ohne sich eingeschüchtert zu fühlen, wenn sie gegen ältere Spieler oder solche mit viel mehr Erfahrung antreten müssen." In der Junior-Divison treten Kinder bis maximal 10 Jahre an, alle zwischen 11 und 14 Jahren spielen in der Senior-Division und alle, die älter als 15 sind, kämpfen als Masters gegeneinander.

10.000 US-Dollar, 72 Booster Packungen für das Sammelkartenspiel und eine Einladung zur nächsten Weltmeisterschaft steckt der Gewinner jeder Division neben dem Titel ein. Die jüngeren können für ihren Gewinn ab 5.000 Dollar zwischen einem Stipendium oder einer Prepaid Kreditkarte wählen, ab 18 Jahren kann der Gewinn auch ausgezahlt werden.

In der kommenden Woche beschäftigen wir uns anlässlich der Weltmeisterschaft noch etwas detaillierter mit Strategien, der Faszination des eSports und der deutlich jüngeren Zielgruppe, als in anderen eSport-Titeln.

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