Falsche Identität in der Contenders-Liga

Overwatch: Second-Wind-Neuzugang war keine Frau

von Lars Becker am 07.01.2019 um 15:29

Wie kann jemand ein Team und einen Großteil der kompetitiven Szene derart hinters Licht führen? Das fragt sich derzeit die Overwatch-Gemeinschaft. Denn es stellte sich heraus: Der weibliche Neuzugang von Second Wind war gar keine Frau und hätte nie spielen dürfen.

'Ellie' vom Overwatch Contenders-Teilnehmer Second Wind ist aufgeflogen.
'Ellie' vom Overwatch Contenders-Teilnehmer Second Wind ist aufgeflogen.
© BlizzardZoomansicht

Begonnen hatte die Posse um 'Ellie' am 21. Dezember, als ein teilnehmendes Team der Overwatch Contenders-Liga, Second Wind, einen Neuzugang verkündete. Es handelte sich dabei um die angeblich 17-jährige weibliche Spielerin 'Ellie'. Unmittelbar nach dem Sprung in die zweithöchste Overwatch-Spielklasse sah sich 'Ellie' jedoch mit Betrugsvorwürfen konfrontiert. So hatte sie ein hohes Ranking, aber ein niedriges Account-Level. So etwas erreichen in der Regel nur Profis mit Zweit-Accounts. Zudem machte sie nie ihren bürgerlichen Namen öffentlich. Am zweiten Januar dann die überraschende Nachricht: Der Neuzugang verlässt noch vor dem ersten Spieltag am 11. Januar gegen First Generation das Team.

Im Namen der Wissenschaft?

Second Wind-Boss Justin Hughes klärte auf und betonte, die hohe Erwartungshaltungen sowie Zweifel an der weiblichen Identität der Spielerin hätten sie zum vorzeitigen Karriereende bewegt. "Es scheint, dass die OW-Community nicht bereit ist, einen Spieler nur als einen Spieler anzusehen. Wir wollten einen Spieler, aber es schien, als wollten die Fans etwas anderes." Das schien vorerst eine glaubwürdige Antwort zu sein, haben doch Frauen im eSport immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen.

Zwei Tage später behauptete die Overwatch-Streamerin von Cloud9 Becca 'Aspen' Rukavina, ein Spieler namens 'Punisher' habe 'Ellie' bloß für "eine Art soziales Experiment" erfunden. Es ginge darum, auf Hürden für weibliche Spieler im Profigeschäft aufmerksam zu machen. Diese Äußerung schlug hohe Wellen und seitdem rätselt man über die Overwatch-Community hinaus, wie die Person es überhaupt in den Second Wind-Kader schaffte.

Das sagt Blizzard

Mittlerweile meldete sich auch Blizzard als Veranstalter des Wettbewerbs zu Wort. "Nach der Untersuchung der Angelegenheit haben wir festgestellt, dass 'Ellie' eine gefälschte Identität und ein Smurf-Account ist", hieß es. Ein Smurf-Account ist ein Konto, das Profis aus vielerlei Gründen erstellen, um unerkannt in der Online-Rangliste zu spielen. In diesem Fall sei das Konto von einem "erfahrenen Spieler" erstellt worden, um seine Identität zu verbergen. Blizzard stellt zudem klar, dass Second Wind diesen Neuzugang nie offiziell nominierte und dieser noch kein Pflichtspiel absolvierte. "Wir führen Background-Checks durch, um sicherzustellen, dass die Spieler diejenigen sind, für die sie sich ausgeben." Unwahrscheinlich ist deshalb, dass 'Punisher' jemals eine offizielle Partie bestritten hätte.

Fragezeichen wirft allerdings das Verhalten des Teams auf. Die Führung habe von alledem nichts gewusst. "Da wir keinen physischen Kontakt zu unseren Spielern haben, wollten wir zwar ihre Identität überprüfen, aber auch ihre Privatsphäre respektieren", teilte die Organisation mit. 'Punisher' ließ laut verschiedenen Medienberichten stets eine weibliche Person für sich sprechen - auch während des Spielens. Ob Second Wind nun Konsequenzen drohen, erwähnte Blizzard in der Stellungnahme nicht. Immerhin sind noch zu viele Fragen zu den Rollen aller Beteiligten offen.

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