Hearthstone-Vorlage bekommt Computerspiel

Magic: The Gathering - Nach 25 Jahren in den eSport

von Holm Kräusche am 11.07.2018 um 16:03

Hearthstone ist der ultimative Genrevertreter für Kartenspiele im eSport. Dabei ist Blizzards Titel nur eine Kopie des allerersten Sammelkartenspiels: Magic: The Gathering. Und genau dieser Genre-Dino drängt jetzt in den eSport, unterstützt von einem chinesischen Konzernriesen. Konkurrenz für Blizzard?

Bekommt Hearthstone durch die eigene Vorlage bald Konkurrenz?
Bekommt Hearthstone durch die eigene Vorlage bald Konkurrenz?
© Wizards of the Coast/Victor AdameZoomansicht

Wer heutzutage mit virtuellen Karten im eSport antreten möchte, der muss fast zwangsläufig zu Blizzards Hearthstone greifen. Zu übermächtig und zu lang dabei ist das Spiel, als das Mitbewerber eine Chance hätten. Schon vier Jahre hat Hearthstone auf dem Buckel, da kann kein Gwent und kein Smite Tactics mithalten. Mindestens 70 Millionen registrierte Spieler sind weltweit dabei, wie viele davon tatsächlich aktiv sind, darüber schweigt Blizzard allerdings.

Vier Jahre und knapp 1.600 unterschiedliche Karten - Das sind beeindruckende Zahlen, erst recht im schnelllebigen eSport. Fast scheint es, als sei Blizzards Kartenspiel schon immer da gewesen. Dieser Schein trügt allerdings, denn auch das weltweit größte eSport-Kartenspiel ist eigentlich nur eine Kopie: Magic: The Gathering wurde schon 1993 entwickelt und existiert damit ganze 21 Jähre länger als Hearthstone. "MTG" war tatsächlich das allererste Sammelkarten-Spiel dieser Art, noch vor Pokémon und Yu-Gi-Oh. Richard Garfield und Wizards of the Coast hatten früh in den neunziger Jahren die zündende Idee für Magic: The Gathering, die heute noch massenhaft Spieler begeistert, online wie offline.

14.000 Karten

Schaut man sich die Karten an, ist der Unterschied zu Hearthstone gar nicht groß: Jede Karte kostet Mana, hat ein Bild, einen Text, in dem in der Regel steht, was die Karte kann, und für Monster einen Angriffs- und Verteidigungswert am unteren Rand. Auch bei der Kartenanzahl zeigt der Genre-Dino seine Komplexität: Hearthstone besitzt 1.600 Karten, Magic über 14.000. Natürlich werden davon längst nicht mehr alle gespielt, aber allein die schiere Masse an unterschiedlichen Karten ist schwer zu erfassen. Noch immer gibt es eine große und aktive Szene, in der auch Turniere ausgetragen werden. Präsentiert werden die ganz im Stile eines eSport-Titels: auf Twitch und mit Live-Kommentatoren. Nur sitzen sich da zwei Spieler gegenüber und spielen Karten. Aus der unscharfen Draufsicht von oben ist das schwierig zu verfolgen, große Unterschiede zu Hearthstone gibt es allerdings nicht.

Auch die elektronische Variante lässt klar die Vorlage für Hearthstone erkennen.
Auch die elektronische Variante lässt klar die Vorlage für Hearthstone erkennen.
© MTG ArenaZoomansicht

MTG Arena zusammen mit Tencent

Nun schickt sich Magic an, mit einer eigenen elektronischen Ausgabe an den PC zu gehen. "MTG Arena" ist seit Ende 2017 in der Beta-Phase und sollte eigentlich schon längst öffentlich zugänglich sein. Aber anscheinend hat das Spiel noch so seine Probleme und mit einem Hearthstone am Markt testet Wizards of the Coast lieber etwas länger. Gerade im April erst hat der Kartenhersteller eine Partnerschaft mit dem Technologieriesen Tencent bekanntgegeben. Der chinesische Gigant steht unter anderem hinter Riot Games (League of Legends) und Epic Games (Fortnite), sowie hinter dem in Asien beliebten Chatdienst WeChat. Tencent wird das gesamte Publishing in Asien und Indonesien übernehmen sowie die geplante Turnierserie ausrichten und streamen.

Kein Veröffentlichungsdatum in Sicht

Der Genre-Dino tritt also auf die multimediale Bühne und mit einem Engagement von Tencent kann man auch davon ausgehen, dass es dem Kartenspiel ernst ist. Ob das Spiel allerdings gegen die einfach zu erlernende Kopie von Blizzard bestehen kann, wird erst ein umfassender Test des fertigen Spiels zeigen.

Eine Mechanik die Hearthstone nicht von Magic übernommen hat, sind beispielsweise die Spontanzauber, die im physischen Kartenspiel auch während des gegnerischen Zugs gespielt werden können. Diese Eigenheit wird nicht leicht zu implementieren sein, da sie die Geschwindigkeit aus dem Spiel nehmen könnte und weitere Komplexität hinzufügen würde.

25 Jahre gibt es Magic: The Gathering nun schon. Mit Tencent an der Seite macht sich der Dino nun auf, seinem geistigen Kind Hearthstone Marktanteile abzunehmen. Kann das gut gehen? Wir werden sehen. Allzu bald wird das Spiel allerdings nicht erscheinen. Einen Termin für eine Open Beta konnte uns auf Anfrage nicht genannt werden.

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