Ein Blick auf Unternehmen im eSport

"Es ist leicht, Geld auf eSport und Gaming zu werfen"

von Christian Mittweg am 12.05.2018 um 20:01

Dass sich Firmen wie Audi, McDonald's oder Adidas im eSport engagieren, ist nichts Neues mehr. Der Markt boomt, und immer neue Unternehmen wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Wir haben mit den Großunternehmen gesprochen und Ambitionen und Hintergründe im Gespräch erörtert.

Verlockende Zielgruppe: Eine neue Riege an Unternehmen findet Gefallen am eSport.
Verlockende Zielgruppe: Eine neue Riege an Unternehmen findet Gefallen am eSport.
© kicker eSportZoomansicht

Vor zehn Jahren war die Sponsoren-Landschaft im eSport von Unternehmen geprägt, die in der Branche beheimatet sind. Computerteile, Gaming-Peripherie und Software wurde von den Teams vermarktet. Größter Ausreißer waren zu dem Zeitpunkt noch Energy-Drinks. Inzwischen hat sich dieses Bild jedoch gewandelt. Visa, Universal Pictures, Gazprom oder Snickers heißt die neue Riege an Unternehmen, die Gefallen am eSport gefunden haben.

Durch eSport in den Vordergrund

Gillette ist eine dieser zahlreichen neuen Firmen. Der Hersteller von Rasierapparaten unterstützt Sportvereine und Fußballer schon seit vielen Jahren. Die eigene Marke soll in die Welt herausgetragen werden, Interesse generieren und neue Kunden locken. Vor drei Jahren drängte sich das Thema Gaming verstärkt in den Blickpunkt des Unternehmens. "Es begann ernst zu werden mit dem Auftreten von eSport. In dem Moment war das Interesse geweckt, da eine Menge Gemeinsamkeiten zum Sportmarketing vorhanden sind", sagt Andras Papp, Brand Communications Leader bei Gillette Europe.

Witt-Gruppe mit FIFA-Turnieren

Die Begeisterung der Witt-Gruppe, einem Teil der Otto-Group, hingegen hat einen anderen Grund. Das Unternehmen vertreibt vor allem Textilien, macht aber auch E-Commerce. Rebecca Weih und Carolin Bischof, zuständig für Recruiting and Employer Branding, verrieten mehr: "eSport verbindet Spaß mit Herausforderungen, Gemeinschaft und persönlichem Weiterkommen. Nebenbei erlebt man einen lockeren Abend gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen und schließt neue Freundschaften." Aus dem Grund veranstaltet das Unternehmen schon seit zwei Jahren FIFA-Turniere für die Angestellten. Im Juni gibt es nun erstmals auch ein öffentliches Turnier.

Verlockende Zielgruppe

Gillette: Team SoloMid ist eines von zwei eSport-Mannschaften, die Gillette sponsert.
Gillette: Team SoloMid ist eines von zwei eSport-Mannschaften, die Gillette sponsert.
© Team SoloMidZoomansicht

Der Hauptantrieb bei Gillette allerdings ist wirtschaftlicher Natur: "Als wir die Anzahl der eSport-Fans und Spieler gesehen haben, war uns bewusst, dass es Sinn ergibt einzusteigen", sagt Papp. Doch es ist nicht nur die schiere Masse der Leute, die interessant ist. Es ist ebenso die spezielle Zielgruppe. Gillette will hauptsächlich junge Männer erreichen. Da der Großteil der eSport-Interessierten laut einer Studie von Deloitte 19 bis 34 Jahre alt ist, passt das perfekt.

In dem Alter nehmen die meisten Menschen ihren ersten Beruf auf und haben entsprechend plötzlich ein deutlich höheres Einkommen. Allzu häufig wird dieses direkt ausgegeben und macht jene Zielgruppe so für jegliche Firmen interessant. Das sorgte sogar dafür, dass Unternehmen Produkte eigens für eSport-Interessierte entwarfen. Zum Beispiel eine Tastatur, ein Rucksack oder Kleidung.

Witt-Gruppe mit Spaß bei der Sache

Die Produkte der Witt-Gruppe richten sich an Frauen ab 50. Eine Verbindung zum eSport scheint daher weit hergeholt, und natürlich werden beim hauseigenen Turnier junge Leute erwartet. Grund dafür ist neben dem Spaßfaktor noch ein weiteres Ziel: "Das Turnier bietet eine gute Möglichkeit für die Witt-Gruppe, Aufmerksamkeit zu generieren und sich bei potenziellen Bewerbern als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren." IT und E-Commerce werden zudem immer relevanter: "Da gehen Trends und Marktentwicklungen wie die Begeisterung für eSports natürlich nicht spurlos an uns vorbei!"

Werbung im Austausch für Inhalte

"Wenn du dir die Zahlen anguckst, ist es leicht, Geld auf eSport und Gaming zu werfen", bemerkt Papp. Allzu viele Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren im eSport engagiert. Deswegen war es das Ziel von Gillette, nicht nur Marketing-Budget in Teams zu stecken, sondern auch Inhalte zu produzieren und so einen Mehrwert für die Szene zu generieren. Das macht das Unternehmen nicht nur im eSport. Trick-Shot-Videos vom FC Barcelona werden kurzerhand umgemünzt in Highlight-Videos von eSport-Veranstaltungen oder Vorstellungen von Partnerteams. Papp hofft, dass Gillette dadurch in der Szene gut angenommen wird: "Ich glaube daran, dass wir etwas für die Community getan haben. Seien es Inhalte, sei es Wissen oder wie die Organisationen mit großen Unternehmen wie uns zusammenarbeiten können."

Was bringt die Zukunft?

eSport als vergnüglicher Zeitvertreib steht bei der Witt-Gruppe im Fokus.
eSport als vergnüglicher Zeitvertreib steht bei der Witt-Gruppe im Fokus.
© Witt-GruppeZoomansicht

Bei der Witt-Gruppe ist der eSport intern schon angekommen. Weih und Bischof konnten aber noch nicht sagen, ob es weitere Veranstaltungen nach dem Vorbild geben wird: "Der eSports Cup ist für uns ein Experiment - wir lassen uns einfach vom Erfolg der Veranstaltung überraschen und sehen dann, was die Zukunft bringt." Gillette ist da schon ein Stück weiter. Rund 16 Monate sind seit der ersten eSport-Partnerschaft vergangen. Papp zieht ein Zwischenfazit: "Im ersten Jahr haben wir versucht, verschiedene Strategien kennenzulernen und daraus gelernt." Das angeeignete Wissen soll auch in Zukunft Anwendung finden, denn Gillettes Pläne sind klar: Es geht weiter voran. "Wir sind immer noch am eSport interessiert und schauen uns stetig nach neuen Möglichkeiten um. Seien es Partnerschaften mit Teams oder einzelnen Spielern."

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