Software und Talente - SAP drängt in den eSport

SAP will Team Liquid mit KI-Technologie unterstützen

von Holm Kräusche am 12.04.2018 um 17:44

SAP steigt in den eSport ein und sponsert ab sofort Team Liquid. Das gab SAP Mitte April in einer Meldung an die Presse bekannt. Man wolle die über 70 Spieler Liquids mit den SAP-eigenen Technologien unterstützen und sich gleichzeitig im eSport-Markt etablieren, teilte das Unternehmen mit.

Der Softwarehersteller SAP sponsert Team Liquid und unterstützt die Organisation mit Technologie.
Der Softwarehersteller SAP sponsert Team Liquid und unterstützt die Organisation mit Technologie.
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Für Team Liquid ist der neue Sponsor ein Glücksfall, denn SAP kann genau das gut, wofür der Firmenname steht: "Systeme, Anwendungen und Produkte (in der Datenverarbeitung)". Seit 1972 entwickelt der weltweit viertgrößte Softwarehersteller aus Deutschland Programme, die die Geschäftsführung von Unternehmen erleichtern. Darunter zählen zum Beispiel Buchhaltung, Personalwesen oder Lagerhaltung.

Mit den "Systemen und Anwendungen" kann man also besonders gut Daten analysieren und auswerten - etwas, das im professionellen eSport längst unentbehrlich geworden ist. League of Legends wertet in den Übertragungen ohnehin schon jede Menge Statistiken aus, die Mannschaften gehen noch einen Schritt weiter und analysieren die Leistungen der einzelnen Spieler bis ins Detail und optimieren, wo sie können.

Kommt die Liquid-KI?

SAP sicherte nun zu, ganz bestimmte Software zur Verfügung zu stellen. So war unter anderem die Rede von HANA, "gemacht für analytische Anwendungen, die sich in schneller Geschwindigkeit umsetzen lassen", wie SAP schreibt. Das Tool ist die Antwort von SAP auf Big Data und soll die Basis des Sponsorings für Liquid bilden. Allerdings prüfe man auch, ob Technologien wie "vorausschauende Analysen und maschinelles Lernen zum Einsatz kommen werden", schreibt SAP.

Das ist nichts anderes als die Fachbezeichnung von künstlicher Intelligenz, die in Zukunft Team Liquid zunächst einmal exklusiv beraten könnte. SAP und Liquid wollen zusätzlich zum Sponsoring gemeinsam Lösungen für präzise Datenauswertung entwickeln und sich auf die Bereiche Leistungsanalyse und -Optimierung sowie Talentsuche konzentrieren.

Victor Goossens, Co-CEO von Liquid weiß um die Bedeutung dieses Sponsorings: "Mit intelligenten Technologien und Daten sind wir bestens gerüstet, unsere Leistung zu analysieren und zu verbessern." SAP sei der perfekte Partner, so Goossens weiter. "Gemeinsam möchten wir Tools und Lösungen entwickeln, die dem Team helfen, Wettbewerbserfolge zu erzielen."

SAP mit knallharten Interessen

SAPs stellt allerdings auch die eigenen Ziele glasklar in der Mitteilung dar. Hier geht es nicht um das Sponsoring einer Mannschaft, die der CEO von SAP gut findet, sondern um die Zukunft: "SAP möchte sich langfristig als globaler Partner in der eSports-Welt aufstellen und gezielt eine junge und technisch begeisterte Community ansprechen."

Das Liquid Tools zur Leistungsanalyse und -Optimierung bekommt, ist also nur der erste Schritt und auch das reicht SAP noch nicht. So soll die Branche nicht nur mit Technologielösungen versorgt werden, sondern der deutsche Konzern sucht auch nach neuen Mitarbeitern. Stefan Ries, Personalchef und Vorstandsmitglied von SAP: "Durch die Zusammenarbeit im eSport haben wir die Möglichkeit, eine technisch versierte, hoch qualifizierte Zielgruppe anzusprechen, unter der sich auch potenzielle neue Talente für die SAP befinden. SAP ist insbesondere an Talenten interessiert, die Teamgeist und Ausdauer mitbringen und anhand von Fakten schnell kontextbezogene Entscheidungen treffen." So vereint, das hat SAP haarscharf analysiert, in eSportlern.

Idee ist nicht neu und nicht ohne Risiken

Die Idee Analyse-Software zur Verfügung zu stellen ist freilich nicht neu. Programme wie RiftAnalyst leisten das längst, jedoch nicht mit der jahrzehntelangen Erfahrung und der finanziellen Kraft von Europas größtem Softwarehersteller. Wie gut die Zusammenarbeit funktionieren wird, muss sich noch zeigen. Denn dass das mitunter auch schiefgehen kann, hat IBM bewiesen.

Das Technologieunternehmen hatte eine Partnerschaft mit dem StarCraft-Team Dead Pixels und wollte deren Matches analysieren. Wie kicker eSport erfuhr, ging diese Zusammenarbeit wegen Abstimmungsschwierigkeiten in die Brüche. SAP hingegen habe, nachdem man sich entschieden habe Sponsor zu werden, "zunächst den Markt und das Umfeld beobachtet und analysiert." Insofern ist zu erwarten, dass das Engagement langfristiger funktioniert als bei IBM. Der Sponsorenvertrag zwischen SAP und Liquid ist zunächst auf drei Jahre angelegt.

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