Ausbildung neben dem Profi-Leben

ad hoc gaming vereint eSport und Berufsleben

von Christian Mittweg am 12.04.2018 um 13:46

Häufig stehen eSportler nach ihrer Karriere ohne Studium, Ausbildung oder gar Schulabschluss da. Damit sich die Athleten des 21. Jahrhunderts später problemlos in die Arbeitswelt einfügen können, hat ad hoc gaming ein neues Projekt unter dem Namen "Duales Gaming" ins Leben gerufen.

Halber Tag eSport, halber Tag Arbeit, so sieht der Plan von ad hoc gaming aus.
Halber Tag eSport, halber Tag Arbeit, so sieht der Plan von ad hoc gaming aus.
© kicker eSportZoomansicht

Ziel des Programms ist, den semiprofessionellen eSport in Deutschland auszubauen. "Wir möchten jedem die Chance geben, sein Hobby zum Beruf zu machen", sagt Markus Bonk, Leiter Marketing und PR bei ad hoc gaming und Gründer der Mysterious Monkeys. Zurzeit ist es für viele nationale Spieler schwierig, vom eSport zu leben. Irgendwann kommt immer die Frage auf: Versuche ich mich im eSport durchzusetzen oder muss ich aufhören, um ein Studium oder eine Ausbildung zu beginnen?

Als mögliche Lösung präsentiert ad hoc gaming das "Duale Gaming". Das hört sich nicht nur so ähnlich an wie "duales Studium", sondern verfolgt auch das gleiche Grundprinzip. Denn der Kernpunkt des Programms ist, dass halbtags im Unternehmen geschuftet und der Rest der Arbeitszeit trainiert wird. Noch handelt es sich beim "Dualen Gaming" allerdings nicht um eine Ausbildung. Die wird es erst in circa anderthalb Jahren geben. Die ersten Spieler nehmen daher einzig die Berufserfahrung aus ihren Halbtagsjobs bei ad hoc mit.

Arbeit, aber was?

Laut Bonk bietet ad hoc derzeit ausschließlich Stellen im Dienstleistungssektor an. Die Spieler werden in der Beratung und Buchhaltung des Mutterkonzerns ad hoc best services als kaufmännische Sachbearbeiter arbeiten. Bonk kündigt aber an, dass in Zukunft auch Positionen im Marketing und Social-Media hinzukommen werden. Dies wäre laut des PR- und Marketingleiters passend, da sich eSportler in der Regel sowieso vermehrt mit den sozialen Netzwerken auseinandersetzten.

Dennoch bleiben Bedenken bei den Plänen von ad hoc. Werden die Spieler einen Beruf wählen, der ihnen gefällt und den sie auch für längere Zeit ausüben wollen? Oder machen sie nur mit, um weiterhin eSportler sein zu können? "Das Risiko besteht natürlich", sagt Mathias Büchling. Der Geschäftsführer von ad hoc Gaming möchte diese Gefahr allerdings möglichst gering halten. Deswegen sucht Büchling bereits nach Partnerfirmen, um mehr Arbeitsmöglichkeiten anzubieten.

Schulischer Abschluss nicht nötig

Zum Beginn des Programms am 1. Juni werden fünf Spieler im Alter von 18 bis 24 Jahren für ein League of Legends-Team gesucht. Zusätzlich ist geplant, einen Manager, Trainer und Social-Media-Verantwortlichen einzustellen. Auch sie werden halbtags im Unternehmen arbeiten. Für den Anfang will sich ad hoc gaming dabei auf erfahrene Spieler konzentrieren. Ein schulischer Abschluss ist dagegen keine Voraussetzung. Zum Gehalt will Bonk nichts Genaues verraten: "Es wird gut bezahlt", und "weit über 450 Euro im Monat" ist alles, was er dazu verlauten lässt.

Arbeits- und Trainingsplatz der dualen Gamer ist der ElsterCube in Gera.
Arbeits- und Trainingsplatz der dualen Gamer ist der ElsterCube in Gera.
© ElsterCubeZoomansicht

Der Plan von ad hoc gaming ist langfristig angelegt. 2019 will das Unternehmen nicht nur Arbeitsstellen, sondern auch Ausbildungsplätze mit IHK-Abschluss anbieten. Dann möchte Bonk auch Nachwuchstalente anstellen und nicht mehr nur auf die erprobten Spieler vertrauen. Zudem wird es ein Internat geben, in dem die dualen Gamer leben können. Geschäftsführer Büchling ist sich aber schon jetzt sicher: "Mit all dem, was wir gerade jetzt haben, bieten wir den Jungs ein gesichertes Einkommen und gleichzeitig können sie ihrer Passion nachgehen und sich im eSport weiterentwickeln."

Wie das Programm konkret aussehen wird, steht noch nicht fest. Es ist daher noch fraglich, ob alles nach Plan läuft oder ob sich das Projekt letztlich nur als guter Ansatz herausstellt. Bonk geht das Unterfangen daher langsam an: "Jetzt am Anfang versuchen wir in Zusammenarbeit mit den Spielern festzustellen, wie alles funktioniert und da Prozesse entwickeln, die wir dann auch bei der Ausbildung nutzen können." Dann ist das "Duale Gaming" in zwei Jahren eventuell der beste Weg, um Arbeitswelt und eSport miteinander zu vereinen. Bis dahin ist es, zumindest mit Hinblick auf später notwendige Berufserfahrung, als bezahltes Langzeitpraktikum zu verstehen, das das eigene Hobby ermöglicht.

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