eSport-Filmemacher Lewis Farley im Interview

Hinter den Kulissen - Jobs im eSport: Der Filmemacher

von Kristin Banse am 28.12.2017 um 14:15

Der eSport wächst und immer mehr Leute träumen von einem Job zwischen Profimannschaften und großen Turnieren. Eine Handvoll davon stellen wir in unserer Reihe "Hinter den Kulissen - Jobs im eSport" vor. Organisationen brauchen Filmemacher, die in der Lage sind, die Geschichten einer Mannschaft zu erzählen. Einer davon ist Lewis Farley. Im kicker eSport-Interview spricht er über den Zauber seiner Arbeit und warum er Reisen gar nicht mehr so wichtig findet.

Lewis Farley ist Filmemacher im eSport und hat schon für Konami oder G2 Esports gearbeitet.
Lewis Farley ist Filmemacher im eSport und hat schon für Konami oder G2 Esports gearbeitet.
© Lewis FarleyZoomansicht

Lewis Farley ist gerade einmal 24 Jahre alt und hat sich in der eSport-Szene bereits einen Namen gemacht. Als Filmemacher produzierte der Brite bereits Dokumentationen für die eSport-Organisation Misfits und Videos für Konami, Red Bull oder G2 Esports. Regelmäßig fliegt er um die Welt: Allein in diesem Jahr war er unter anderem in Südkorea, China, Südafrika, Vietnam und Spanien. Hat er die Dreharbeiten abgeschlossen, muss er das Material noch sichten und schneiden. Die meisten Werke produziert er alleine - viel Freizeit bleibt da nicht. Trotzdem hat er sich die Zeit genommen, um mit uns über seine Karriere, seine Leidenschaft und die eSport-Szene zu sprechen.

kicker eSport: Wie kam es dazu, dass du Filmemacher wurdest?
Lewis Farley: Es ist ein bisschen ungewöhnlich, wie ich angefangen habe. Ich habe von 2008 bis 2011 Call of Duty (CoD) kompetitiv gespielt und gleichzeitig versucht, meine besten Clips zusammen zu schneiden. Nach einer Weile war ich ziemlich gut und andere Spieler haben mich gefragt, ob ich so was nicht auch für sie produzieren könnte. Meine Call of Duty-Karriere nahm ein Ende, aber ich hatte Spaß am Cutten und wollte deswegen Filmemacher werden.

Vom Glas-Abräumer zum Filmemacher

kicker eSport: Wie ging es dann weiter?
Lewis Farley: Dann bewarb ich mich bei ein paar Unis. Ich habe aber nie was anderes als Call of Duty-Clips gemacht und meine Noten in Game Design waren so mies, dass ich letztlich auf eine der schlechtesten Unis des Vereinigten Königreichs ging. Als ich meinen Studienkredit erhielt, habe ich mir eine eigene Kamera gekauft und mir alles selbst beigebracht. Ein Jahr später wurde mir ein unbezahlter Job auf einem CoD-Event in London angeboten: Ich sollte eine Montage von dem Event erstellen. Die wurde sogar ganz ordentlich. Danach nahm alles seinen Lauf und seitdem habe ich für unterschiedlichste Klienten wie Misfits, G2 oder Monster Energy gearbeitet.
kicker eSport: Wie ist es für große Unternehmen zu arbeiten?
Lewis Farley: Es fühlt sich gut an zu wissen, dass sie meine Arbeit genug mögen, um mich zu buchen. Vor gerade einmal vier oder fünf Jahren habe ich in einer Bar als Glas-Abräumer gearbeitet und mein Leben gehasst. Deswegen kann ich es kaum glauben, dass meine Arbeit jetzt von solch großen Unternehmen veröffentlicht wird.

Warum Reisen gar nicht mehr so toll ist

Mit 24 Jahren gehört Lewis Farley schon zu den beliebtesten Filmemachern der eSport-Szene.
Mit 24 Jahren gehört Lewis Farley schon zu den beliebtesten Filmemachern der eSport-Szene.
© Lewis FarleyZoomansicht

kicker eSport: Du hast auch die Worlds-Dokumentation vom League of Legends-Team Misfits produziert. Wie lange hat das gedauert?
Lewis Farley: Bevor ich zu ihnen ins Trainingslager gefahren bin, habe ich knapp sieben Tage mit der Planung verbracht: Ich habe mir Interviewfragen überlegt und bin im Kopf die unterschiedlichen Resultate von Misfits bei Worlds durchgegangen. Außerdem habe ich mir verschiedene Dokumentationen und Filme als Inspiration angeguckt. Dann habe ich nicht einmal eine Woche mit dem Team in Südkorea verbracht und habe die Mannschaft im Trainingslager gefilmt. Danach waren es drei Wochen in China für Worlds selbst und nochmal drei bis vier Wochen Postproduktion. Gut zwei Monate meines Lebens stecken also in dieser Dokumentation.
kicker eSport: Was magst du am meisten an deiner Arbeit?
Lewis Farley: Am Anfang hätte ich Reisen gesagt, aber das lässt nach einer Weile nach. Jetzt sage ich, dass ich die Höhen und Tiefen eines eSport-Teams miterleben und dokumentieren kann. Das ist ziemlich cool. Vor allem wenn du darauf zurückschauen kannst, wie sich eine Mannschaft weiterentwickelt hat, und was sie alles erreicht haben.

Sei kein ArschlochLewis Farley

kicker eSport: Was ist für dich die größte Herausforderung?
Lewis Farley: Eine Balance zwischen der Arbeit und der Freizeit zu finden. Ich arbeite größtenteils alleine und muss alles selbst planen. Dann fliege ich in irgendein Land, filme und führe Interviews, fliege nach Hause und sitze dann an meinem Computer, bis alles fertig ist. Normalerweise habe ich, wenn ich Glück habe, einen Tag frei bevor ich zum nächsten Projekt fliegen muss. Da brennt man ziemlich schnell aus, wenn man nicht aufpasst.
kicker eSport: Hast du einen Rat für zukünftige Filmemacher im eSport?
Lewis Farley: Sei kein Arschloch. Niemand will mit jemandem zusammenarbeiten, der Probleme mit seiner Einstellung oder ein zu großes Ego hat. Versuch außerdem Inspirationen außerhalb des eSports zu finden und versuche von jedem etwas zu lernen.

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