Bundestags-Analyse zur Anerkennung als Sport

Gewaltverherrlichende Spiele: Ein Problem für den eSport?

von Kristin Banse am 20.08.2017 um 19:45

Ist eSport eigentlich Sport? Dieser Frage ging im Juni die Analysestelle des Bundestags nach und kam zu einem Ergebnis, das durchaus für Kontroversen sorgen könnte. Denn um anerkannt zu werden, müsse man Spiele wie Counter-Strike verbieten, heißt es.

In einer Analyse des Bundestags wird vorgeschlagen, gewaltverherrlichende Spiele zu verbieten.
In einer Analyse des Bundestags wird vorgeschlagen, gewaltverherrlichende Spiele zu verbieten.
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Actionspiele sind tief im virtuellen Wettbewerb verankert: Bereits Counter-Strike 1.6 galt als Vorreiter und auch der neueste Ableger Global Offensive ist einer der erfolgreichsten eSport-Spiele. Die Valve-Titel sind nicht mehr aus der virtuellen Szene wegzudenken - und doch schlägt die Analysestelle des Bundestags nun in einer ausführlichen Untersuchung über den eSport vor, gewaltverherrlichende Spiele vom virtuellen Wettbewerb auszuschließen. Dies würde nicht nur Counter-Strike betreffen, sondern auch andere Actionspiele wie Halo oder Call of Duty - vielleicht sogar League of Legends und Dota 2, wo es ebenfalls um das Vernichten der Gegner geht.

eSport-Spiele von "gewaltverherrlichenden Inhalten geprägt"

Der Hintergrund ist folgender: Viele eSport-Spiele seien "von gewaltverherrlichenden Inhalten geprägt" und würden Werte wie die "Unverletzlichkeit der Person" ignorieren, heißt es in der Analyse. Dies widerspreche jedoch den Grundsätzen des Deutschen Olympischen Sport Bunds (DOSB). Deswegen wurde schon Paintball als offizielle Sportart abgelehnt.

Infolgedessen rät die Analysestelle des Deutschen Bundestags, dass der "eSport als Sportart zuerst einmal einzelne Spielarten verbieten oder aus ihrem Wettkampfprogramm streichen" müsse, um als richtiger Sport anerkannt zu werden. Dies bedeutet, dass alle gewaltverherrlichenden Spiele aus dem Line-Up des virtuellen Wettkamps verschwinden müssten.

Braucht der eSport die Anerkennung?

Dabei stellt sich jedoch die Frage nach dem "warum". Selbst bei den Olympischen Spielen werden Disziplinen wie Boxkampf, Bogenschießen und sogar Fechten ausgetragen. Auch hier treten reale Menschen gegeneinander an - wenn auch in einem sicheren Rahmen. Wieso könnte dies nicht auch beim eSport umgesetzt werden? Gerade in Verbindung mit möglicher Aufklärungsarbeit und Unterstützung der Spieler könnten mögliche Gefahren vorgebeugt und Sorgen aus dem Weg geschafft werden.

Die Anerkennung als offizieller Sport würde immerhin viele Vorteile mit sich bringen - so auch finanzielle Förderungen. Vielleicht wäre der DOSB auch zu einem Kompromiss bereit, nur Sportspiele wie FIFA oder Project Cars anzuerkennen. Titel wie Counter-Strike oder League of Legends könnten damit noch immer selbstständig agieren. Diese Co-Existenz findet auch bei anderen Sportarten statt und könnte auch beim eSport angewandt werden.

Letztlich stellt sich die Frage, ob der eSport tatsächlich für eine Ankernennung als Sport solche Umstände in Kauf nehmen will. Arne Peters, ehemaliger Vice President für Strategic Relations bei der ESL, meinte sogar im vergangenen Jahr, dass der virtuelle Sport diese offizielle Anerkennung überhaupt nicht bräuchte. Denn laut der Analysestelle des Bundestags scheint die Anerkennung des eSport aktuell ohnehin unwahrscheinlich. Ein gewaltiger Umbruch müsste also her.

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