Professionelle CS:GO-Spielerin im Interview

'missharvey' über eSport: "Foren lesen zieht mich runter"

von Kristin Banse am 07.04.2017 um 11:04

Frauen haben im eSport noch immer mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. So auch die professionelle Counter-Strike: Global Offensive-Spielerin Stephanie 'missharvey' Harvey. Die Kanadierin hat schon einiges erlebt und spricht mit uns über ihre Erfahrungen.

Die professionelle CS:GO-Spielerin Stephanie 'missharvey' Harvey im Interview.
Die professionelle CS:GO-Spielerin Stephanie 'missharvey' Harvey im Interview.
© ESL / Helena KristianssonZoomansicht

Stephanie 'missharvey' Harvey ist eine der erfolgreichsten Counter-Strike-Spielerinnen aller Zeiten. Die mittlerweile 30-Jährige begann ihre Karriere 2005 und spielte unter anderem für die Damenmannschaft von SK Gaming. 2015 kam dann die Wende für die Kanadierin, als sie und ihr Team von der nordamerikanischen Organisation Counter Logic Gaming verpflichtet wurden. Als CLG Red treten die Damen bei verschiedenen Frauenturnieren an und zählen seither zu den besten Teams der weiblichen Counter-Strike-Szene. Dennoch hat sie als weiblicher Counter-Strike-Profi noch immer mit vielen Vorurteilen und Problemen zu kämpfen. Mit uns spricht 'missharvey' über genau diese Problematik.

kicker eSport: CLG Red ist eines der besten weiblichen Counter-Strike-Teams. Wie oft trainiert Ihr, um Eure Resultate zu erzielen?
Stephanie 'missharvey' Harvey: Gemeinsam als Team trainieren wir mindestens fünf Tage die Woche, sechs Stunden am Tag. Danach investieren wir alleine Zeit in das Spiel, um sicherzustellen, dass wir bezüglich Fähigkeiten und Strategien immer auf dem neuesten Stand sind. Ich persönlich versuche über acht Stunden am Tag zu spielen.

kicker eSport: Du arbeitest ja noch nebenbei als Gamedesignerin bei Ubisoft Montreal. Ist es für Frauen überhaupt möglich mit CS:GO den Lebensunterhalt zu verdienen?
'missharvey': Es ist möglich, aber es ist verdammt schwierig. Ich glaube, es gibt effektiv drei Frauen-Teams auf dieser Welt, die mit CS:GO ihren Lebensunterhalt verdienen. Ich persönlich stocke mein Gehalt auf, indem ich verschiedene weitere Jobs mache - unter anderem auch in der eSport-Szene, wo ich beispielsweise bei Konferenzen oder Ähnlichem auftrete. Meiner Meinung nach hilft es mir, mein Leben im Gleichgewicht zu halten und es bringt auch eine Menge Abwechslung.
kicker eSport: Was glaubst Du, wie sich die weibliche Counter-Strike-Szene über die vergangenen Jahre verändert hat?
'missharvey': Ehrlich gesagt nicht viel. Counter-Strike: Global Offensive ist vor ein paar Jahren explodiert, aber es gibt trotzdem nicht mehr weibliche Profis. Es gibt aber einen riesigen Unterschied auf Events: Deutlich mehr Frauen fahren als Zuschauerinnen zu Turnieren.

Wir können es den Leuten niemals recht machen.Stephanie 'missharvey' Harvey

kicker eSport: Frauen bekommen in der Counter-Strike-Szene viel Ablehnung zu spüren. Was ist für Dich das Schwierigste daran, ein weiblicher CS:GO-Profi zu sein?
'missharvey': Das Schlimmste ist die Gegenreaktion der Community. Wir können es den Leuten niemals recht machen: Egal, ob wir gegen Frauen oder Männer antreten, ob wir gut oder schlecht spielen. Foren lesen zieht mich runter, deswegen versuche ich sie weitestgehend zu meiden.

'missharvey' (2.v.r) und ihr Team CLG Red.
'missharvey' (2.v.r) und ihr Team CLG Red.
© ESL / Helena KristianssonZoomansicht

kicker eSport: Was sind denn für Dich die größten Unterschiede zwischen der männlichen und weiblichen Szene?
'missharvey': Meiner Meinung nach ist der größte Unterschied einfach der Talentpool. Wir müssen mit dem zurechtkommen, was wir haben. Männer können sich einfach die besten Spieler der Szene schnappen. Das macht es für uns besonders schwierig, sich als Team weiterzuentwickeln. Momentan haben wir aber fünf sehr solide Spielerinnen.
kicker eSport: Du hast auch schon in gemischten Teams gespielt. Was für Erfahrungen hast Du dort gemacht?
'missharvey': Bei einem reinen Frauen-Team bereiten wir uns gemeinsam auf das Turnier vor und analysieren hinterher zusammen, was wir falsch gemacht haben. Als ich in einem gemischten Team gespielt habe, kam hinterher nur: "Sie ist schlecht, weil sie eine Frau ist." Das Umfeld macht einen enormen Unterschied, was das eigene Verlangen nach Fortschritten angeht.

kicker eSport: Was sind Deine Wünsche für die Zukunft der weiblichen CS:GO-Szene?
'missharvey': Ich wünsche mir, dass die weibliche CS:GO-Szene einfach nur die CS:GO-Szene wird und dass wir nicht mehr in Frauenteams oder Frauenturnieren spielen müssen. Mir macht es genauso viel Spaß bei Events für Männer anzutreten, wie bei Events für Frauen. Deswegen hoffe ich, dass Frauenturniere bald nicht mehr notwendig sind.

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