Erfahrungen zweier Profi-Zockerinnen

Die weibliche CS:GO-Szene ist auf dem Vormarsch

von Kristin Banse am 04.04.2017 um 10:33

Die professionelle Counter-Strike-Szene wird nach wie vor von Männern dominiert. Doch es gibt sie - die weiblichen Profis. In Frauenteams treten sie gegeneinander an und machen die Weltmeister unter sich aus. Zwei Profi-Spielerinnen sprachen mit uns über ihre Erfahrungen.

Julia 'Juliano' Kiran (li.) und Lisa 'shifty' Catino (re.) aus der weiblichen Counter-Strike-Szene.
Julia 'Juliano' Kiran (li.) und Lisa 'shifty' Catino (re.) aus der weiblichen Counter-Strike-Szene.
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Die ESL One: Katowice 2014 sorgte für einen regelrechten Boom der Counter-Strike: Global Offensive (CS:GO)-Szene. Die Zahl der aktiven Spieler schoss in nur wenigen Tagen von 50.000 auf 160.000 und der Hype war nicht mehr zu stoppen. Trotzdem sind auf den Toprängen ausschließlich Männer zu finden. Es gibt sie zwar, die talentierten weiblichen Counter-Strike-Spielerinnen, doch die bleiben lieber unter sich. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine eigene Frauen-Szene mit exklusiven Teams und Turnieren, die nun ebenfalls vom Boom profitiert.

Lisa 'shifty' Catino und ihr Frauenteam.
Lisa 'shifty' Catino und ihr Frauenteam.
© Team expertZoomansicht

"Mit dem Hype wuchs auch die weibliche Szene weiter. Es entsteht mittlerweile immer mehr Nachfrage und die Preisgelder steigen ebenfalls", erklärt uns Lisa 'shifty' Catino. Die 26-Jährige ist Counter-Strike-Profi und machte bisher mit ihren vier Kolleginnen unter dem Namen Team Heaven auf sich aufmerksam. Im Oktober 2016 unterschrieben die Damen bei Team expert und überzeugen seither auf den internationalen Frauen-Turnieren. Davon leben kann Lisa aber noch nicht, weswegen sie momentan studiert.

Profi-Zocker als Vollzeitberuf?

Tatsächlich verdient nur eine Handvoll Frauen mit dem professionellen Zocken ihren Lebensunterhalt. Für Männer hingegen ist das schon lange Realität. Julia 'Juliano' Kiran bildet jedoch die Ausnahme: Die 23-Jährige ist Kapitän der Frauen-CS:GO-Mannschaft von Team Secret. Bis vor einem Jahr traten sie und ihr Team noch als We Run This Place bei Turnieren auf. Dann kam der Moment, der ihr "Leben verändert hat", wie Julia es selbst bezeichnet.

Auch in diesem Jahr gewann Julia 'Juliano' Kiran (li.) mit Team Secret das Female-CS:GO-Turnier in Katowice.
Auch in diesem Jahr gewann Julia 'Juliano' Kiran (li.) mit Team Secret das Female-CS:GO-Turnier in Katowice.
© ESL - Adela SznajderZoomansicht

"Bevor wir bei Team Secret unterschrieben, studierten wir alle noch oder hatten nebenbei gearbeitet. Bei Team Secret haben wir dann die Chance bekommen, das zu tun, was wir lieben: Wir haben unsere Jobs gekündigt, sind Vollzeit-Spieler geworden und können jetzt mehr Zeit für CS:GO aufbringen", erklärt sie uns.

Vor wenigen Jahren war das noch überhaupt nicht denkbar. Erst seit 2015 leben die ersten Frauen vom professionellen Zocken. Dass Julia Kiran und ihr Team deutlich mehr Zeit in Counter-Strike investieren können, macht sich bemerkbar: Die Mannschaft ist mehrfacher Weltmeister der Frauen-Szene und seit einem Jahr ungeschlagen. Die Konkurrenz ist gering, da viele Teams nicht die Möglichkeit haben, so häufig zu trainieren.

"Hoffnung auf mehr"

Doch das könnte sich schon bald ändern: Gerade in den vergangenen Monaten gewann die weibliche CS:GO-Szene immer mehr an Aufmerksamkeit. So nahm die Multigaming-Organisation Team Dignitas, die zu den Philadelphia 76ers gehört, vor wenigen Wochen ein weibliches CS:GO-Team unter Vertrag. "Für uns ist es selbstverständlich auch Frauen im Gaming zu unterstützen. Aber wir sahen zusätzlich die Möglichkeit, talentierte Spielerinnen in unsere Familie aufzunehmen", begründet die Organisation diese Entscheidung in einem offiziellen Statement.

Auch Globalplayer HP gab vor kurzem bekannt, Julia 'Juliano' Kiran zu sponsern. Das alles sei hauptsächlich ein Nebeneffekt der steigenden Popularität, erklärt die Schwedin. Zusätzlich fügt sie hinzu: "Ich finde es wichtig, dass junge Frauen jemanden haben, zu dem sie aufschauen können."

Durch das wachsende Interesse der Sponsoren steigt auch die Anzahl der Offline-Turniere. Während es in den vergangenen Jahren nur zwei Offline-Turniere für Frauen gab, können sich die Damen in diesem Jahr sogar über vier Events freuen - und genau deswegen blickt Lisa Catino der Zukunft positiv entgegen: "Die Entwicklung der vergangenen Monate gibt Hoffnung auf mehr." Und mit den Copenhagen Games vom 12. - 15. April steht auch schon das nächste Offline-Turnier für die Frauen-CS:GO-Teams an.

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