Googles Streaming-Plattform im Check

YouTube Gaming - die neue Twitch-Konkurrenz?

von Kristin Banse am 01.02.2017 um 13:10

YouTube Gaming ist auf dem Vormarsch. Auch eSport-Turniere sind immer stärker auf der Streaming-Plattform aus dem Hause Google vertreten. Doch wie konkurrenzfähig ist die Seite wirklich? Kann die Plattform dem Marktführer Twitch das Wasser reichen?

YouTube Gaming ist seit 2016 auch in Deutschland verfügbar. Kann sich die Plattform durchsetzen?
YouTube Gaming ist seit 2016 auch in Deutschland verfügbar. Kann sich die Plattform durchsetzen?
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Die Anfänge von YouTube Gaming waren holprig: Livestreams waren zuerst nicht in Deutschland verfügbar. Während sich in Amerika viele große Streamer die Plattform zunutze machten, blieben deutsche Fans außen vor und mussten sich mit illegalen Mitteln Zugang zu den Videos verschaffen. Mittlerweile ist YouTube Gaming auch in Deutschland verfügbar und hat eine eigene Fanbase aufgebaut. Viele Veranstalter von eSport-Turnieren wie Riot Games bedienen sich ebenfalls an der Plattform und übertragen ihre Events sowohl auf YouTube, als auch auf der Streaming-Plattform Twitch. Nur die ESL geht bald noch einen Schritt weiter: Vor wenigen Tagen gab das Unternehmen bekannt, dass YouTube Gaming die exklusiven Streaming-Rechte für die englische Übertragung der fünften und sechsten Saison der Counter-Strike-Liga ESL Pro League gekauft hat. Somit wird der englische Stream ausschließlich auf Googles Streaming-Plattform laufen. Dies ist für den eSport eine absolute Neuheit und eröffnet der Plattform neue Möglichkeiten. Die Exklusivität der Übertragungsrechte könnte auf lange Sicht ein entscheidender Faktor sein.

Die Fakten im Überblick

Dass YouTube Gaming ein ernst zu nehmender Konkurrent ist, zeigt nicht nur der Kauf von Streaming-Rechten. Auch ein Blick auf die Seite lohnt sich: Das Design ist deutlich moderner und bietet mehr Möglichkeiten. So können aktuell laufende Streams schon jetzt zu einer "Später gucken"-Liste hinzugefügt werden, um die VODs hinterher besser zu finden. Die Startseite kann personalisiert werden, indem sich Spiele und Channel auswählen lassen, die Euch interessieren. Eines der wenigen Mankos hat YouTube ebenfalls behoben: Fans können nun für eine geringe Summe im Monat ihre Lieblingsstreamer abonnieren und sie so finanziell unterstützen. Bei Twitch ist diese Funktion schon lange verfügbar. Bleibt somit nur noch ein Problem: Streamlinks sind nicht permanent. Auf Twitch tippt Ihr ganz einfach die URL in Euren Browser ein und werdet sofort auf Euren Lieblingsstream gebracht. Bei YouTube Gaming gibt es solch einen permanenten Link nicht. Hier bleibt nur der Link für den Kanal des Users gleich.

"Es wäre unklug, jetzt zu YouTube Gaming zu wechseln"Mirza Jahic

Hübsche Designs und personalisierte Startseiten reichen aber nicht aus, um Twitch Einhalt zu bieten. Die Konkurrenz bleibt Marktführer: Alle großen Streamer sind bei Twitch geblieben. Nur PewDiePie bedient sich hin und wieder an YouTube Gaming. StarCraft II-Caster Jonathon 'WardiTV' Ward begründet das wie folgt: "Alles passiert auf Twitch - die Community ist nun mal dort. Zu YouTube Gaming zu wechseln würde einfach bedeuten, dass ich meine Fanbase verliere und weniger Leute meinen Stream finden." Auch FIFA-Streamer Mirza Jahic stimmt dem zu: "Es war eine strategische Entscheidung auf Twitch zu bleiben. Meine Fangemeinde ist immer noch am Wachsen, deswegen wäre es unklug, jetzt zu YouTube Gaming zu wechseln." Der Vorteil, früher am Markt gewesen zu sein, ist für viele Streamer aktuell also entscheidend, um bei Twitch zu bleiben. In diesem Punkt hat YouTube klar den Nachteil.

Insgesamt ist YouTube Gaming für eSport-Fans aber nicht zu unterschätzen. Mit einer modernen Benutzeroberfläche und einem übersichtlichen Design zeigt sich YouTube als ernst zu nehmender Konkurrent. Der Kauf der englischen Übertragungsrechte der ESL Pro Series zeigt außerdem, dass das Unternehmen gewillt ist, in den eSport zu investieren. Es wäre also keine Überraschung, sollte der Kauf weiterer Übertragungsrechte bald folgen - und dann ist es vielleicht nicht mehr Counter-Strike, sondern League of Legends oder Dota 2.

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