Der neue Controller im Test

Alpha Pad: Ersatz für Maus und Tastatur?

von Holm Kräusche am 18.11.2016 um 08:49

Per Crowdfounding hat der Peripheriehersteller Nacon ein ambitioniertes Projekt finanziert: Einen Controller, der Maus und Tastatur überflüssig machen soll - und zwar im eSport. Finanziert bekommen hat Nacon sein Projekt problemlos über Indiegogo. Das fertige Modell mit der Seriennummer 170 hat seinen Weg in unsere Redaktion gefunden. Nach einigen Tagen intensiver Tests die wichtigste Erkenntnis: Der Controller kann Maus und Tastatur tatsächlich ersetzen, auf hohen Niveau spielen lässt sich damit aber definitiv nicht!

Verarbeitung

Das "Alpha Pad" soll Maus und Tastatur überflüssig machen. Wir hatten den Controller im Test.
Das "Alpha Pad" soll Maus und Tastatur überflüssig machen. Wir hatten den Controller im Test.
© NaconZoomansicht

Nacon liefert ein solide verarbeitetes Spielgerät aus, das sich ohne Probleme mit dem PC verbindet und obendrein noch eine Software spendiert bekommt, mit der sich wirklich alles einstellen lässt. In seiner Grundform ist das "Alpha Pad" sehr leicht, bringt aber Gewichte mit, die sich einfach einsetzen lassen. Der Controller setzt auf eine griffige Plastikumhüllung, die Schultertasten sind glatt, der Rest angenehm aufgeraut. Auch in unterschiedlich großen Händen liegt das Spielgerät jederzeit gut und angenehm. Nichtsdestotrotz fallen einige scharfe Kanten an den Stellen auf, an denen der Controller zusammengesetzt ist. Die vier Tasten auf der rechten Seite haben keinen angenehmen Druckpunkt, vielmehr fühlt es sich schwammig und minderwertig beim Drücken an. Im Spiel selbst macht das zunächst keinen Unterschied. Über Zeit und mit verschleißen des Controllers wird das aber sicher ein Problem werden. Derselbe Eindruck entsteht ebenso beim Steuerkreuz.

Größter Kritikpunkt im Test: Die zwei Paddles auf der Rückseite des Controllers, auf denen vier Tasten liegen. Mit großen Händen sind sie schwer zu drücken und die Bedienung ist alles andere als intuitiv. Sticks und Schultertasten machen hingegen einen guten Eindruck und unterstützen den Spieler z.B. in einem Shooter hervorragend. Nacon wagt mit den Triggern den Spagat zwischen einem kurzen Druckpunkt und der Möglichkeit den Trigger sanft durchzudrücken. Ersteres ist für Action-Spiele gut geeignet ist, letzteres notwendig für Rennspiele. Das gelingt gut, bleibt aber eine Zwischenlösung. Ebenfalls positiv fällt die Verbindung zum PC auf: Das Kabel ist hochwertig und lässt sich für den Transport leicht entfernen. Auch zwei Vibrationsmotoren hat Nacon eingebaut, von denen war im Test aber nichts zu spüren. Sie funktionierten schlichtweg nicht.

Zusätzlich zum Controller liefern die Entwickler noch eine Software mit, die aber aufwendig heruntergeladen werden muss. Nacon gibt sie nur gegen die Angabe einer Email-Adresse frei. Das ist aufwendig und umständlich. Einmal installiert, bringt die Software immens viele Einstellungen mit sich, hier lässt sich alles individualisieren: Von der Belegung der Tasten, über den Punkt, an dem der Stick auf Bewegung anspricht, bis hin zur Empfindlichkeit der Sticks. Im Test funktionierte das Interface aber nicht gut. Zwar lassen sich schon für einige Spiele vorgefertigte Profile herunterladen, sodass der Spieler die Tastenbelegung für beispielsweise League of Legends nicht mehr selbst einstellen muss. Möchte man aber etwas an der Tastenbelegung verändern, übernimmt die Software die Änderungen nicht oder nur manchmal. Hier muss Nacon noch nachbessern.

Maus/Tasten-Ersatz?

Verblüffend einfach funktioniert in der Tat die Emulation von Maus und Tastatur. Der Controller ist in der Lage jede Taste zu simulieren und das funktioniert in allen getesteten Spielen hervorragend. Gerade in League of Legends ist das eine spannende und spaßige Erfahrung. Da liegt aber auch der Knackpunkt: Es bleibt spaßig. Zwar lässt sich alles wunderbar auf den Controller legen (sofern das Interface denn mitspielt), aber mit Controllersticks ein Monster im letzten Moment anzuklicken, um den Last Hit zu laden, während noch vier andere Monster herumstehen, ist schwer und frustrierend.

Wer wirklich will, kann mit Zeit und Geduld das Spiel und den Controller so einstellen, dass zumindest keine Fehler mehr passieren, akkurat wie eine Mausbewegung wird es aber nicht. Das könnte man allerhöchstens mit monatelanger Übung erreichen.

Das Alpha Pad wurde per Crowdfounding finanziert und aufwendig entwickelt.
Das Alpha Pad wurde per Crowdfounding finanziert und aufwendig entwickelt.
© NaconZoomansicht

Kommen wir zum nächsten Punkt: Shooter. Die lassen sich schon seit vielen Jahren mit dem Controller spielen. Insofern hat auch das "Alpha Pad" keine Probleme und emuliert sogar alte Spiele wie SWAT hervorragend (wenn das Interface mitspielt und das tat es im Test nicht). Aber in einem Shooter geht es um Präzision und nicht von ungefähr ist der Aimbot nur auf "schweren" Einstellungen ausgestellt: Ohne Zielhilfe wird Treffen schwierig. Wenn es bei Spielen wie CS:GO um pixelgenaues Schießen geht, ist ein Controller wohl keine Alternative. Erst recht nicht, wenn er nur simuliert, eine Maus zu sein.

Das Alpha Pad kostet derzeit 90 Euro und ist damit deutlich günstiger als der Xbox-Elite-Controller (130 Euro). Das ist auch gerechtfertigt: Das teurere Spielgerät liegt noch einmal ganz anders in der Hand, die Paddles auf der Rückseite sind deutlich besser zu bedienen und die Trigger lassen sich zwischen hartem Anschlagpunkt und sanftem Durchdrücken umschalten.

Trotzdem gut

Das "Alpha Pad" ist ein guter Controller, aber einer aus dem Mittelklasse-Segment. Er hat dennoch ein Alleinstellungsmerkmal: Er simuliert Maus und Tastatur. Theoretisch ist es möglich einen Internetbrowser damit zu benutzen, Bilder zu bearbeiten oder ihn für Programme einzusetzen, die nur wenige Buchstaben von der Tastatur benötigen oder eben gar keine. Außerdem ist er in der Lage in jedem Spiel als Maus-Tasten-Ersatz zu fungieren. Wollt Ihr also alte Spiele, beispielsweise Age of Empires, StarCraft oder World of Warcraft lieber entspannt zurückgelehnt genießen, bietet das "Alpha Pad" eine gute Möglichkeit dafür.

Fazit

Der Controller ist ein guter Versuch, Neuerungen in die Computer-Peripherie zu bringen. Wer nicht gerne mit Maus und Tastatur spielt, wird mit dem neuen "Alpha Pad" große Freude haben. Mittelmäßige Verarbeitung und schwer zu bedienende Paddles sind aber ein großes Manko. Ebenso ist kompetitives Spielen damit bestenfalls herausfordernd bis unmöglich. Auch Games, die ohne Aimbot arbeiten, weil sie auf Maus/Tasten ausgelegt sind, wird man damit kaum auf hohem Niveau spielen können. Für 90 Euro bekommt Ihr dennoch einen schicken Mittelklasse-Controller, der obendrein als Mausersatz dienen kann.

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