"Wir sind unsere eigenen Olympischen Spiele"

Arne Peters (ESL): "Wir brauchen Olympia nicht"

von Kristin Banse am 17.07.2016 um 16:31

Der eSport kommt momentan aus der Sport-Diskussion gar nicht mehr heraus. Alle wollen die Anerkennung als offizielle Sportart. Dabei stellt sich die Frage, ob die Szene das überhaupt braucht. ESL-Mitarbeiter Arne Peters setzt ein deutliches Zeichen und sagt: "Wir brauchen die Olympischen Spiele nicht."

Arne Peters (ESL, li.) und Matthi Bolte (Grüne) bei der Diskussion über die politische Wahrnehmung des eSport.
Arne Peters (ESL, li.) und Matthi Bolte (Grüne) bei der Diskussion über die politische Wahrnehmung des eSport.
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Im Rahmen der ESL One in Köln diskutierten auf der 2. eSports.BIU Summit eSport-Akteure, Politiker und Wissenschaftler über den eSport. Das Programm versprach verschiedene Panels - unter anderem ein Impuls Talk zum eSport in der politischen Wahrnehmung.

Arne Peters von der ESL hat zu dem Thema eine ganz eigene Meinung: "Grundsätzlich ist eSport ein ganz klarer Wettbewerb. Teams bereiten sich auf Turniere vor wie im klassischen Sport auch. Man trainiert, man hat einen Trainer, man hat einen Manager", erklärte der Vice President of Strategic Relations. Viele wünschen sich die politische Anerkennung des Sports, um vor allem die Beschaffung von Visa zu vereinfachen. Auch die Fördergelder vom Staat könnte der eSport gut gebrauchen.

Doch Arne Peters sieht das Ganze etwas lockerer. "Für uns ist es ein Sport. Aber muss es unbedingt olympisch sein?" Dies würde immerhin die Aufnahme in den Deutschen Olympischen Sportbund bedeuten. Dabei interessiert sich die Zielgruppe überhaupt nicht für die klassischen Sportarten. Bei den Zuschauerzahlen gab es während der Europameisterschaft und sonstigen Sportereignissen keine Einbrüche, resümierte Peters. Daher ist für ihn klar: "Wir brauchen die Olympischen Spiele nicht. Wir sind unsere eigenen Olympischen Spiele."

Mit der Geduld am Ende

Unterm Strich ist es für Peters gar nicht notwendig, vom DOSB als offizielle Sportart anerkannt zu werden. Dennoch wünscht er sich politische Unterstützung und ist dort am Ende mit seiner Geduld. Immerhin beschäftigen sich Politiker noch immer nicht mit dem Thema. "Wir begegnen der politischen Diskussion mit einer Mischung aus Geduld und Ungeduld", erklärt Peters. "Geduld, weil in einem Jahrzehnt diese Diskussionen sowieso nicht mehr geführt werden müssen. Aber auch Ungeduld, da wir in einem digitalen Zeitalter leben und sich Politiker noch immer nicht damit beschäftigen".

Und wenn das so weitergeht, sieht nicht nur Peters hier ein ganz großes Problem. Denn andere Länder ziehen hinterher. In Frankreich ist der eSport auf dem besten Weg, als offizielle Sportart anerkannt zu werden. Somit ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Deutschland zumindest im eSport auf dem absteigenden Ast ist.

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