Exklusiv-Interview mit mousesports-CEO Cengiz Tüylü über die WESA

WESA: "Wir sind mehr als ein kurzes Phänomen"

von Kristin Banse am 17.06.2016 um 11:15

Vor knapp zwei Wochen wurde einer der größten eSport-Verbände der Welt angekündigt: Die World Esports Association. Deren Ziel ist es, Turniere zu regulieren und Profis mehr Rechte zu verschaffen. Die deutsche Organisation mousesports ist eines der Gründungsmitglieder und wir sprachen mit dem CEO Cengiz Tüylü unter anderem über die Rolle der ESL und die Zukunft der WESA.

Im Interview verrät uns der Chef von mousesports, was er über die WESA denkt.
Im Interview verrät uns der Chef von mousesports, was er über die WESA denkt.
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Auf den ersten Blick verspricht die WESA die Lösung auf alle Probleme im eSport zu sein. Schon lange ist die Szene von schlechten Turnieren und unfairen Spielerverträgen gezeichnet. Genau dem möchte sich der eSport-Verband annehmen. Die WESA soll in der Lage sein, Spielern mehr Einfluss bei Entscheidungen zu geben und möchte Turniere genehmigen. Dass ausgerechnet der Veranstalter ESL eine tragende Rolle spielt, scheint ironisch. Denn zwei von vier Vorstandsmitgliedern stellt die ESL, während die anderen beiden zurzeit Chefs von fnatic und Ninjas in Pyjamas sind. Zuerst fokussiert sich die WESA nur auf den Shooter Counter-Strike: Global Offensive, jedoch löste die Ankündigung in der gesamten eSport-Szene Skepsis aus. Mit der vorhandenen Struktur wäre es ein Leichtes für die ESL, die eigene Machtstellung weiter auszubauen, indem andere Turniere reguliert und sanktioniert werden. Diese Ängste wurden zusätzlich durch den Austritt des Teams FaZe Clan aus der WESA geschürt. Die Organisation erklärte, dass ihr die Kommunikation und die fehlende Transparenz nach außen nicht gefiel. Somit verbleiben noch Fnatic, EnVyUs, Ninjas in Pyjamas, G2 Esports, Virtus.Pro, Natus Vincere und mousesports gemeinsam mit der ESL als Mitglieder der WESA. Doch wie sehen die anderen Teams den Bund? Wir sprachen mit dem CEO von mousesports, Cengiz Tüylü. Er hat die deutsche Organisation mitgegründet und gibt uns einen Einblick, wie er den eSport-Verband einschätzt.

kicker eSport: Inwiefern ist die WESA eine Bereicherung für die eSport-Szene? Ist so eine Organisation wirklich notwendig?
Cengiz Tüylü: Ich würde sagen, es ist überfällig. Wenn man sich die Probleme der Branche anschaut, wird klar, dass es dringend eine Institution benötigt, die sich zentral dieser Probleme annimmt. Gerade vor dem Hintergrund der letzten Tage wird deutlich, dass es ohne eine handlungsfähige Gerichtsbarkeit und ein Grundgerüst für Zeitpläne, Verträge und Transfers nicht vorwärtsgeht für den eSport.
kicker eSport: Obwohl die WESA in der Lage ist, andere Turniere zu genehmigen, ist die ESL teil des Verbands. Ist das nicht ein Widerspruch?
Cengiz Tüylü: Die ESL hat die eSport-Industrie für mehr als 15 Jahre mitgeprägt. Die Events in Kattowitz waren die Ersten, die riesige Zuschauermengen in eine Arena gelockt haben. Mit ihren Stadion-Events hat die ESL den eSport auf ein neues Level gehoben. Die Teams brauchen einen verlässlichen Partner, der dieselben Visionen teilt. In der ESL sehen wir die perfekte Organisation, um langfristig ein stabiles und nachhaltiges Gerüst für den eSport weltweit aufzubauen.

Wir hatten das Gefühl, dass gerade zu Beginn eine schlankere Struktur zu besseren Ergebnissen führen wird.Cengiz Tüylü

Das Counter-Strike-Team von mousesports gehört offiziell zu den Gründungsmitgliedern der WESA.
Das Counter-Strike-Team von mousesports gehört offiziell zu den Gründungsmitgliedern der WESA.
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kicker eSport: Wieso habt Ihr dann nicht von Anfang an auch mit anderen Veranstaltern wie der MLG gesprochen?
Cengiz Tüylü: Wir hatten das Gefühl, dass gerade zu Beginn eine schlankere Struktur zu besseren Ergebnissen führen wird. In der WESA haben natürlich alle Parteien auch eigene Interessen, die gewahrt werden müssen. Wenn wir bereits zum Start weitere Teams und Veranstalter im Boot haben, wäre es schwieriger, schnell Strukturen voranzubringen. Ich möchte aber noch einmal betonen, die Teilnahme von mousesports an Events von anderen Veranstaltern ist durch unsere Mitgliedschaft in der WESA nicht eingeschränkt.
kicker eSport: Zwei Mitglieder des Vorstands sind von der ESL und zwei weitere sind Teambesitzer. Scheint das nicht ein Mächteungleichgewicht zu sein?
Cengiz Tüylü: Beide Parteien haben je zwei Vertreter, das hört sich für mich sehr ausgeglichen an. Im Ernst, mit Wouter Sleijffers von fnatic und Hicham Chahine von NiP haben wir zwei erfahrene und smarte Personen im Rat, die unsere Interessen hervorragend vertreten werden. Gleichzeitig sind mit Sebastian Weishaar und Ralf Reichert zwei Vertreter der ESL dabei, die den eSport seit Jahren vorangebracht haben. Ich bin mit der Zusammensetzung des WESA-Rates sehr zufrieden, sonst wäre mousesports sicher kein Mitglied geworden.
kicker eSport: Welche Gründe gab es für den Ausstieg von FaZe?
Cengiz Tüylü: Mit FaZe hat sich eine Organisation entschieden einen anderen Weg zu gehen, was für mich in Ordnung ist. Wichtig ist, dass wir gemeinsam mit den anderen Mitgliedern eine Vision teilen und diese gemeinsam umsetzen wollen. Wir brauchen dafür Partner, die unter Umständen auch ihre eigenen Interessen hintenanstellen, um als Verband voranzukommen. Nur so kann sich die WESA auf Dauer etablieren.
kicker eSport: Inwiefern plant die WESA dabei zu helfen, den eSport offiziell anerkennen zu lassen?
Cengiz Tüylü: Ich persönlich sehe als Schwerpunkt bei der WESA kurzfristig andere Themen. Wir sind eSport und die Begeisterung der Zuschauer zeigt, dass wir mehr sind als ein kurzes Phänomen. Ob wir dann mittelfristig auch rechtlich ein offizieller Sport sind, wird sich zeigen.
kicker eSport: Wie hoch schätzen Sie denn die Wahrscheinlichkeit einer Anerkennung ein?
Cengiz Tüylü: Ich halte es bei der Menge der Analogien zum klassischen Sport jedoch für sehr wahrscheinlich. Grundsätzlich wollen wir mit der WESA und auch als mousesports weiterhin in der Politik aufklären und langfristig politisch die bestmöglichen Rahmenbedingungen für ein Wachstum des eSport schaffen. Dazu gehört dann natürlich auch eine rechtliche Anerkennung als Sport.

Dreamhack Malmö war für uns eine super Erfahrung. Wir wären doch verrückt, wenn wir bei solchen Turnieren nicht mehr antreten würden.Cengiz Tüylü

kicker eSport: Wo sieht sich die WESA in drei Jahren?
Cengiz Tüylü: Für mich steht ein solider Start im Vordergrund. Wir müssen zusammen ein Gerüst schaffen, welches als Basis für die kommenden Jahre allgemeingültig funktioniert und für alle Parteien - Veranstalter, Teams, Spieler und Fans - die besten Voraussetzungen bietet.
kicker eSport: Sollen denn noch weitere Veranstalter aufgenommen werden?
Cengiz Tüylü: Es geht für mousesports nicht darum, in drei Jahren exklusiv an ESL Events teilzunehmen oder andere Veranstalter auszugrenzen. Die MLG hat bei dem Major in Columbus hervorragende Arbeit geleistet, da kommen wir auch in Zukunft gerne wieder. Gleiches gilt für andere Veranstalter. DreamHack Malmö war für uns eine super Erfahrung. Wir wären doch verrückt, wenn wir bei solchen Turnieren nicht mehr antreten würden. Langfristig muss das Gerüst der WESA dann auch auf andere Spiele zu adaptieren sein.

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