Rückblick auf 2018 in Overwatch

Gewinner, Pleiten, Skandale: Das erste Jahr der OWL

von Lars Becker am 29.12.2018 um 18:35

2018 war für Blizzards FPS-Titel Overwatch ein besonders wichtiges Jahr. Der Entwickler veranstaltete erstmals die Overwatch League (OWL) und versuchte, durch ein gewagtes System anders an den eSport heranzugehen. Grund genug, die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren zu lassen.

Die Spieler von London Spitfire sind die Gewinner der ersten Overwatch League-Saison.
Die Spieler von London Spitfire sind die Gewinner der ersten Overwatch League-Saison.
© Blizzard/Robert PaulZoomansicht

Ein auf Städten basierendes Franchise-System - mit dieser Idee wollte Blizzard den nächsten großen eSport-Hit landen. Die neu gegründete Liga stand deshalb besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Zumal Investoren aus der ganzen Welt viel Geld in ihre Teams stecken, um einen Platz in der OWL zu bekommen. Für einen Overwatch League-Spot werden laut Medienberichten mittlerweile 30 bis 60 Millionen US-Dollar fällig.

Zwölf Investoren brachten genug Mittel auf, um ihre Mannschaften ins Rennen um den Titel und das Preisgeld von insgesamt 3,5 Millionen US-Dollar zu schicken. Herausgekommen ist dabei eine ereignisreiche Saison mit vielen Überraschungen, Enttäuschungen und Skandalen.

Das Überraschungsfinale

Vor der Saison hatten nicht viele mit London Spitfire als Sieger der ersten Auflage der Overwatch League gerechnet. Klar galt das koreanische Aufgebot des einzigen europäischen Teilnehmers bereits im Vorfeld als außergewöhnlich stark, allerdings wurden andere Teams wie New York Excelsior oder Seoul Dynasty als noch stärker eingeschätzt.

Im Endspiel standen sich nach vier Saisonphasen dann jedoch London Spitfire und Philadelphia Fusion im großen Finale gegenüber, das London mit 2:0 gewann. Obwohl New York fast die ganze Saison hinweg dominierte, blieb ihnen im Endspiel nur die Zuschauerrolle. Besonders schmerzvoll war für die vermeintlichen Topfavoriten, dass sie damit das Finale vor heimischer Kulisse im Barclays Center in New York verpassten.

Verhängnisvolles Update

Über die Gründe für das Versagen im Playoff-Halbfinale gegen die Underdogs aus Philadelphia kann nur spekuliert werden. Ein Grund war aber wohl das durch einen Patch verursachte neue Metagame. Dieses Update stellte die Overwatch League zeitweise völlig auf den Kopf.

Die Supporterin Brigitte stellte Mannschaften mit ihren Block- und Betäubungsfähigkeiten vor große Probleme.
Die Supporterin Brigitte stellte Mannschaften mit ihren Block- und Betäubungsfähigkeiten vor große Probleme.
© BlizzardZoomansicht

Während der Glanzzeit von New York spielten die meisten Mannschaften ein simples 2-2-2, also zwei Supporter, zwei Tanks und zwei DPS. Die offensiven Spieler versuchten dabei, hinter die Gegner zu kommen. Das änderte sich, als der Bogenschütze Hanzo eine neue Fähigkeit erhielt, die es ihm erlaubte, sechs Pfeile in sehr kurzen Abständen zu schießen. Mit Brigitte kam zudem eine robuste Supporterin ins Spiel, die neue Herangehensweisen verlangte. New York war nicht in der Lage, sich schnell genug an die Neuheiten anzupassen.

Der Negativrekord

Anpassungsschwierigkeiten hatten auch die Shanghai Dragons. Das vergangene Jahr war für sie eines zum Vergessen. Gleich in der ersten Saison der Overwatch League stellten die Chinesen einen Negativrekord auf, der wohl erst einmal nicht so schnell geknackt wird. 40 Niederlagen in 40 Spielen machten die harmlosen Drachen zum Tabellenletzten der Einführungssaison und zum Verlierer der Saison. Die Klubführung entschied sich deshalb, die alten Spieler größtenteils durch neue zu ersetzen.

Starallüren

Persönlichkeit zeigen, ist im kommerziellen eSport wichtiger denn je. Einige Profis der Overwatch League schlugen allerdings über die Stränge und wurden dafür bestraft. Die OWL war 2018 geprägt von vielen Skandalen. Dafür war unter anderem der Kanadier Felix 'xQc' Lengyel verantwortlich, der als Tank-Spieler für Dallas Fuel auflief. Die Skandalnudel sorgte für einen Eklat nach dem anderen.

Kam 2018 kaum raus aus den Schlagzeilen: Felix 'xQc' Lengyel.
Kam 2018 kaum raus aus den Schlagzeilen: Felix 'xQc' Lengyel.
© Blizzard/Robert PaulZoomansicht

So beleidigte er zum Beispiel einen homosexuellen Spieler des Lokalrivalen Houston Outlaws mit homophoben Beschimpfungen. Nach weiteren Entgleisungen entfernte Dallas ihn aus dem Kader. Fuel ist beileibe nicht das einzige Team, das sich mit den Eskapaden eigener Spieler herumschlagen muss. Mittlerweile hat Blizzard einen "Discipline Tracker" erstellt, in dem die Fans über negatives Verhalten der Profis und Strafen regelmäßig informiert werden.

Zuwachs

Gegen Ende des Jahres gab Blizzard bekannt, mehr Mannschaften an der Overwatch League teilnehmen zu lassen. Aus den bisherigen zwölf Mannschaften werden in der kommenden Saison 20. Zu den acht Neuzugängen gehören Paris Eternal, Hangzhou Spark, Guangzhou Charge, Chengdu Hunters, Toronto Defiant, Washington Justice, Atlanta Reign sowie die Vancouver Titans. Investiert haben, wie schon bei den vorhandenen Teams, größtenteils finanzstarke Unternehmen, die außerhalb des eSports tätig sind. Auch bei ihnen wurde das Interesse durch die gewaltige mediale Aufmerksamkeit der Premierensaison geweckt. Für die Zuschauer war es ebenfalls eine aufregende Spielzeit, geprägt von hochklassigen Partien und Launen extravaganter Profis.

Groß, größer, 2019

Geht es nach Blizzard, wird die Liga im nächsten Jahr noch größer und spektakulärer. Verbesserungsbedarf gibt es etwa noch bei der Funktion der einzelnen Städte, die eigentlich das Herzstück des neuen Systems seien sollten. Drei Teams werden deshalb in der kommenden Saison als Gastgeber in ihren Städten jeweils einen Spieltag veranstalten und dazu die anderen Mannschaften einladen. Erst wenn die Standorte der Teams sinnvoll eingebunden sind, zeigt sich, ob Blizzards Städte-Konzept zum eSport passt

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