Netgear und die Zukunft des Internets

Netgear will in den eSport

von Holm Kräusche am 15.05.2018 um 21:37

Deutschland ist Internet-Entwicklungsland. Die neue Bundesregierung ist angetreten, das zu verbessern. Wir sprachen mit einem Pionier der Netzwerktechnik: Netgear. Am kicker eSport Mikro zeichnete Björn Parnitzke die Zukunft des WLANs zu Hause und erklärt, wo er Handlungsbedarf sieht.

Vernichtendes Urteil für die deutsche Internetinfrastruktur: Björn Parnitzke.
Vernichtendes Urteil für die deutsche Internetinfrastruktur: Björn Parnitzke.
© kicker eSportZoomansicht

Das Unternehmen Netgear hat gerade einen neuen Gaming und eSport-Router entwickelt und drängt in den explodierenden Markt. Netgear stellt seit 1996 Geräte für den Heimgebrauch her und liefert alles, was mit WLAN und LAN zu tun hat. Beides ist für Gamer extrem wichtig, denn nur mit einer guten Internetverbindung und einem WLAN-Netzwerk ohne Abbrüche lassen sich Lags ausschließen. Mit dem neuen "Nighthawk XR500"-Router schlägt das US-amerikanische Unternehmen in genau diese Kerbe und verspricht Qualität sowie ein Betriebssystem, das mit Gamern entwickelt wurde. Wir haben mit Björn Parnitzke, Senior Marketing Specialist Central Europe von Netgear, über ein Thema gesprochen, von dem Netgear Ahnung haben sollte: Die Zukunft des Internets.

Enorme Bandbreite auf Kurzdistanz

"Es gibt dieses Jahr einen neuen WLAN-Standard", sagt Parnitzke, "Das ist die so genannte ax-Technologie, mit der ich auf extrem kurze Distanzen enorme Bandbreiten überspielen kann. Das Problem ist natürlich, das im Moment noch wenig Endgeräte diese Technologie drin haben." Leider fehlt die auch dem neuen Wunderrouter von Netgear. Deswegen lohnt es sich, wohl noch eine Weile mit dem Kauf zu warten. Bis zur gamescom wolle Netgear eine bessere Version des Routers fertigstellen, der sowohl ax und "noch mehr Zukunftstechnologie" verbaut hat.

Der neue WLAN-Standard ist allerdings bitter nötig, denn laut Parnitzke sind vor allem die größeren Datenmengen der Casus knacksus: "Irgendwann brauche ich keine Kabel mehr zum Beamer oder ich kann die zig Gigabyte Bilder von meinem Smartphone, mal kurz auf meine Speicherplatte schieben und das innerhalb von ein paar Minuten. Das wird der Standard, dass ich extrem große Datenmengen innerhalb von kürzester Zeit auf verschiedene Endgeräte schicken kann."

Freie Bahn für Gamer

Speziell für Gamer entwickelt: Der Router "Nighthawk"
Speziell für Gamer entwickelt: Der Router "Nighthawk"
© NetgearZoomansicht

Größere Datenmengen beeinflussen auch Games. Zum Beispiel beim Download: Mindestens 30 Gigabyte ist Overwatch zum Beispiel groß. Wirklich kritisch wird es aber nicht bei der Bandbreite, sondern in den eigenen vier Wänden: "Wenn zum Beispiel in der Familie mehrere Geräte auf das Netzwerk zugreifen und ich spielen will - dann habe ich das Problem, dass meine Netzwerkverbindung runterbricht oder ich habe nur noch eine gewisse Bandbreite und es kommt zu Verzögerungen beim Spiel." Laut Parnitzke ist trotz Netflix, Games und Videotelefonie das Ende der Fahnenstange aber noch lange nicht erreicht: "Ich glaube, dass mehr Geräte im Gaming ins WLAN eingebunden werden. Mehr Virtual Reality, ich könnte mir auch vorstellen, dass es eine Art Ganzkörperanzug geben wird, mit vielen Sensoren, und alles wird übers WLAN gesteuert und angebunden." Dafür brauche man neue Netzwerkstandards und entsprechende Geräte.

Deutsche Infrastruktur? Traurig.

Für die Entwicklung in Deutschland hat der Experte hingegen kaum ein gutes Wort übrig. Was müsste sich verändern? "Die Infrastruktur. Glasfaserausbau ist eine große Thematik, dann mehr Funkmasten aufbauen, die auch LTE senden können." Auf das schnelle Funkinternet LTE setzt das Unternehmen ebenfalls verstärkt. So habe man gerade einen Router entwickelt, der die Funkwellen des LTE-Netzes mit 1Gigabit/s empfangen kann und damit schneller ist, als mancher Festnetzanschluss. Ausreichend Netzqualität vorausgesetzt natürlich. Und da bleibt Deutschland Entwicklungsland: "Es ist regional extrem schwierig. Ich sehe das bei meinen Eltern, da haben wir jahrelang drum gekämpft, dass die eine 50 Mbit-Leitung bekommen. Von der Bundesregierung müsste eigentlich viel mehr Geld für den Ausbau gewährleistet werden." Das sähe man auch am LTE-Netz. Parnitzke hat in seiner Münchener Wohnung "extrem schlechten Empfang" und kritisiert: "Wann habe ich wirklich mal volle 4g-Kapazität?" Und das in einer Großstadt. "Das ist eigentlich traurig. Und da ist die Infrastruktur teilweise noch extrem zurück."

Netgear will Gamer erreichen

Der neue Router wurde zusammen mit Netduma entwickelt, einem kleinen Unternehmen aus Großbritannien, das die Software liefert, mit der man z. B. einen Netflix-Stream begrenzen kann, wenn eine Weekend League ansteht. Parnitzke ist die Zusammenarbeit mit echten Gamern wichtig. Sie wüssten, worum es ginge. In der Zukunft will Netgear außerdem noch stärker am eSport teilhaben. Gerade erst hat das Unternehmen das Leistungszentrum von PENTA netzwerktechnisch auf Vordermann gebracht. Aber das sei erst der Anfang: "Wir wollen authentisch sein. Deswegen wollen wir vielleicht auch ein eSport-Team mit aufbauen oder Partner sein, denn das sind die Leute, welche die Message am besten nach draußen bringen."

Netgear will in die Köpfe der Gamer, die sich eine Maus oder Tastatur schon mal ein paar Euro mehr kosten lassen. Entsprechend kostenintensiv ist der Nighthawk auch: 275 Euro teuer die Variante ohne neuen WLAN-Standard und ohne "noch mehr Zukunftstechnologie". Bis zur gamescom bleibt der Router damit eine Luxusanschaffung. Netgear geht aber immerhin den richtigen Weg, bindet Gamer und Mannschaften in die Entwicklung sinnvoller Produkte ein. Wenn nun auch noch die Rahmenbedingungen allgemein besser werden, dann wird die Zukunft gut und vor allem: vernetzt.

kicker eSport-Freunde auf Facebook

Schlagzeilen


Kontakt | Impressum | Mediadaten | AGB | Datenschutzhinweis | Nutzungsbasierte Online-Werbung

Weitere Angebote des Olympia-Verlags:
alpin.de | olympia-verlag.de