Sind die Hörluchs-In-Ears ihr Geld wert?

kicker eSport testet den Kopfhörer "Lamborghini"

von Holm Kräusche am 09.04.2018 um 12:46

Gemeinsam mit der deutschen CS:GO-Mannschaft BIG hat das Unternehmen Hörluchs einen Kopfhörer entwickelt, der von Preis und Ausstattung als Lamborghini unter den In-Ears gelten kann. Stundenlang soll man die speziell für Gamer entwickelten Ohrhörer tragen können, perfekten Sound haben und obendrein noch von der Umwelt abgeschirmt sein. Halten die Wunder-Ohrstöpsel, was der Hersteller verspricht? kicker eSport hat bei Profis nachgefragt und die Kopfhörer ausgiebig getestet.

Die Kopfhörer sehen zwar seltsam aus, aber passen sich perfekt dem Ohr an.
Die Kopfhörer sehen zwar seltsam aus, aber passen sich perfekt dem Ohr an.
© kicker eSportZoomansicht

"Der Tragekomfort ist auch nach vielen Spielstunden sehr gut, die In-Ears sind durch die maßgeschneiderte Passform kaum zu spüren, und der Sound ist sensationell und beeinflusst unser Spiel positiv", sagt Johannes 'tabseN' Wodarz, Gründungsmitglied von BIG über die Kopfhörer von Hörluchs. Der Deutsche ist für die Abschüsse in seinem Team zuständig, quasi der Stürmer der Mannschaft. In CS:GO ist der Spielsound ungleich wichtiger, als zum Beispiel in einer Fußballsimulation wie FIFA. Hier geht es darum, schleichende Gegner frühzeitig zu hören und anhand von Schüssen die Positionen von Feinden auszumachen.

Wodarz und seine Mannschaft haben zusammen mit Hörluchs In-Ear-Kopfhörer entwickelt. So werden Ohrhörer genannt, die man in den Gehörgang steckt. Die wuchtigen Geräte, die Spieler oft auf Bühnen tragen sind sogenannte Over-Ears, oder On-Ears. Die sind vor allem dazu gedacht, Geräusche abzuschirmen, haben aber einige Nachteile. Die größten zählt Daniel Elger, Creative Director Marketing bei Hörluchs auf: "Durch die Konstruktion als Over-Ear sitzen diese auf Dauer unbequem oder die Ohren werden warm." In-Ears hätten diese Nachteile nicht, da sie leicht seien und im Gehörgang säßen. Die Produkte von Hörluchs kosten zwischen 120 und 950 Euro. Zum Vergleich: Im Internet kosten durchschnittliche In-Ears deutlich unter 100 Euro. Was unterscheidet die "HRLX"-Ohrhörer von Hörluchs von anderen?

950 Euro für Kopfhörer?!

Tragekomfort, Sound und gutes Richtungshören, die Abschirmung und Langlebigkeit stehen auf der Habenseite der Kopfhörer. Dagegen steht der Preis. Unter 400 Euro sind die tollen Geräte, von denen die Spieler schwärmen, nicht zu erwerben. Zwar hat Hörluchs auch "normale" In-Ears im Angebot, aber die kosten auch schon 120 Euro. Soll es das Profiequipment sein, werden bis zu 950 Euro fällig. Denn ein spezieller Ohrabdruck muss für eine Maßanfertigung zusätzlich genommen werden, und den macht der lokale Akustiker nicht umsonst.

Mit solch maßangefertigten Kopfhörern erreiche man den perfekten Sitz im Ohr und vermeide Klangverluste. Auch der Tragekomfort steigt. Das sei "wie ein Maßanzug fürs Ohr", sagt Benjamin Dümler, Teamleiter der sechsköpfigen Gaming-Abteilung von Hörluchs. Und einen Maßanzug lasse man sich ja auch etwas kosten. Genau darauf ist Hörluchs spezialisiert, das Unternehmen hat seine Wurzeln im Lärmschutz für Industrie und Handwerk und hat dafür auch schon einige Preise gewonnen.

kicker eSport Redaktion testet

Können die Kopfhörer halten, was der Hersteller verspricht? Die kicker eSport Redaktion wollte es genau wissen und hat die HRLX.GP1 und -GE1 getestet. Um es vorwegzunehmen: Die Redakteure waren überrascht von den In-Ear-Kopfhörern.

Links die Maßanfertigung, die ohne Schaumstoffaufsatz auskommt und an den individuellen Gehörgang angepasst wird.
Links die Maßanfertigung, die ohne Schaumstoffaufsatz auskommt und an den individuellen Gehörgang angepasst wird.
© HörluchsZoomansicht

Hörluchs liefert die Kopfhörer mit einer edlen Hartschalenbox, die Kopfhörer und Zubehör enthält. Die Filter zwischen Lautsprechern und Ohr können mit dem mitgelieferten Equipment mehrmals ausgetauscht werden. Einzig die einzelnen Stränge des Kabels sind nicht noch einmal verklebt und können daher leicht aufdröseln.

Wir haben die Kopfhörer mit allen gängigen eSport-Disziplinen und diversen Spielen getestet, damit Musik gehört und im redaktionellen Alltag eingesetzt. In FPS-Spielen ist jederzeit klar, von wo der Ton auf dem virtuellen Spielfeld kommt, Schnee knirscht lebensnah unter den Sohlen auf verschneiten Spielfeldern, Stimmen werden klar wiedergegeben und in FIFA kommt die Stadionatmosphäre lebensnah herüber. Kai Hense, FIFA-Profi beim 1. FC Nürnberg, nutzt die Kopfhörer ebenfalls: "Sie schirmen alles von außen ab. Das heißt, man kann sich ganz auf die Musik konzentrieren und ist fokussiert." Das sei bei FIFA-Partien durchaus wichtig, Hense spricht von einem "richtigen Tunnel", in den man kommen müsse, und dabei helfe die Abschottung gegen alle Außengeräusche.

Das können wir aus dem Alltag bestätigen: In der Bahn stört nichts die Wiedergabe von Musik, und auch in der Redaktion schirmen die HRLX die Konzentration störende Geräusche ab. Ihre große Stärke spielen die Kopfhörer aber tatsächlich bei Tragekomfort und Sitz aus. Fünf Stunden im Ohr mit nahtlosen Wechseln vom Smartphone an die Konsole sind kein Problem und verursachen keine Beschwerden im Ohr. Für eine kristallklare Musikwiedergabe, die man bei dem Preis durchaus erwarten könnte, sind sie allerdings nicht geeignet, aber auch nicht entwickelt.

Wir haben die Kopfhörer in der sogenannten Universalform getestet, die rund 250 Euro günstiger ist als die Maßanfertigung. Dümler verriet uns, dass Hörluchs viel Zeit und Geld in die Entwicklung dieser Form gesteckt hat, die in nahezu alle Ohren passt. So erkläre sich unter anderem auch der hohe Preis, denn Entwicklungskosten müssen nachträglich wieder hereingeholt werden.

Horrender Preis - gerechtfertigt?

Hörer im Ohr: Einmal eingesetzt, wackelt und verschiebt sich nichts mehr.
Hörer im Ohr: Einmal eingesetzt, wackelt und verschiebt sich nichts mehr.
© kicker eSportZoomansicht

Wofür Hörluchs allerdings 950 Euro verlangt, war uns gänzlich schleierhaft. Ein Anruf bei Benjamin Dümler brachte Licht ins Dunkel. Zusätzlich zu den initialen Entwicklungskosten kommen hohe Preise für die Audiotechnik, die auf so kleinem Raum Höchstleistung bringt. Wirklich teuer ist allerdings die Herstellung der Kopfhörer. Zwar werden die einzelnen HRLX mit (teuren) 3D-Druckern hergestellt, die Technik in den Kunststoff zu bringen, ist allerdings Handarbeit. Zudem seien die verwendeten Materialien hochwertig, um Langlebigkeit zu gewährleisten. "In jedem Hörer stecken viele Stunden ehrliche Arbeit", betont Daniel Egler. Mit 400-950 Euro bleiben die HRLX dennoch unerschwinglich und sind allenfalls als Profiwerkzeug zu verstehen, so großartig sie auch sein mögen. Empfehlen können wir sie also nur eingeschränkt. Wer stundenlang Kopfhörer tragen muss wie ein eSportler, sollte definitiv einen zweiten Blick auf das Produkt werfen, für den Alltagsgebrauch sind die HRLX ein zu teures Luxusprodukt.

Neue Zielgruppen - geringere Preise?

Für Hörluchs ist der Sprung in den explodierenden eSport-Markt folgerichtig. Das Unternehmen hofft, neue Zielgruppen zu erschließen und sich langfristig mit seinen Produkten zu etablieren. Der Zeitpunkt scheint günstig, denn noch bietet niemand ein vergleichbares Produkt an. Entwickelt werde gerade am zusätzlichen Mikro, das für Profis auf Bühnen die schweren On-Ears gänzlich überflüssig machen würde. Zusätzlich lässt Dümler vermuten, dass bald günstigere Produkte angeboten werden könnten. 'tabseN' bringt es abschließend auf den Punkt: "Jeder Spieler ist anders, die Vorlieben sind unterschiedlich." Das Budget würde ebenso eine große Rolle spielen, aber als Profi trage er seine Kopfhörer jeden Tag viele Stunden und wolle dabei auch "keine Kompromisse eingehen".

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