Einnahmen und Ausgaben einer eSport-Organisation aus

20.000 oder fünf Mio.? Was kostet ein eSport-Team?

von Christian Mittweg am 26.12.2017 um 15:20

Die Preisgelder bei eSport-Weltmeisterschaften überschreiten bereits die Millionengrenze und übertreffen immer wieder neue Rekorde. Doch wie viel eine eSport-Organisation kostet und wie viel die Spieler verdienen, bleibt meist ein Geheimnis. Um diese Fragen zu klären, haben wir uns mit dem Geschäftsführer eines deutschen Teams zusammengesetzt und über das Thema gesprochen.

Wie viel kostet ein eSport-Team? Wir klären die Frage.
Wie viel kostet ein eSport-Team? Wir klären die Frage.
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Gigantische Preisgelder lassen zwar vermuten, dass die involvierten Spieler und eSport-Teams im Geld schwimmen, das ist aber nur selten der Fall. Um etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir mit dem Geschäftsführer einer bekannten deutschen eSport-Organisation gesprochen. Aus Wettbewerbsgründen möchte er seinen Namen allerdings nicht nennen. Er teilt die Organisationen, die auf nationaler Ebene antreten, in drei Klassen auf: Die Newcomer, die etablierten Teams und die schon lange bestehenden Organisationen. In puncto Kosten geht er davon aus, dass die Organisation ein Team aus fünf Spielern stellt. Jede weitere Mannschaft oder Spieler würde zumindest die Personalkosten noch einmal deutlich anheben.

Einstieg für 20.000 Euro

Beim Newcomer handelt es sich um eine Organisation im Gründungsjahr. Die Spieler sind noch keine Vollzeit-Profis, arbeiten nebenbei oder studieren. Dementsprechend beträgt auch ihr Gehalt nur etwa 200 Euro im Monat. Bei einem Fünf-Mann-Team kommt die Organisation so auf Kosten in Höhe von 12.000 Euro im Jahr. Weitere Ausgaben für Homepage, Teilnahmegebühren und Reisekosten erhöhen die Gesamtkosten auf etwa 20.000 Euro.

Das etablierte Team

Beim etablierten Team rückt der Erfolg weiter in den Vordergrund. Die Profis werden nun bereits mit etwa 800 Euro monatlich bezahlt, wodurch der Posten Spielergehälter um ein Vielfaches ansteigt. Außerdem muss neues Personal her: Content Creator, Geschäftsführer und Trainer - auf dem Weg zu einer erfolgreichen Organisation sind diese Posten unentbehrlich und lassen die Gesamtkosten schon die 100.000er Marke im Jahr überschreiten.

Die lange bestehende Organisation

Die ESL Meisterschaft gehört zu den größten Bühnen für die deutschen Mannschaften auf nationaler Ebene.
Die ESL Meisterschaft gehört zu den größten Bühnen für die deutschen Mannschaften auf nationaler Ebene.
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Von Teilzeit-Profis kann bei einer länger bestehenden Organisation nicht mehr die Rede sein. Über 1.500 Euro monatliches Gehalt gehen an jeden Spieler. Nun kommt auch ein Gaminghaus als zusätzlicher Kostenpunkt hinzu. Selbst außerhalb der Stadt sind das mindestens 2.000 Euro Warmmiete im Monat. Durch hochklassiges Personal steigen die Gehälter weiter und ein Analyst kommt hinzu. Insgesamt kostet solch ein Team nun bereits knapp 270.000 Euro im Jahr.

Die Antwort auf die Frage, wie viel ein eSport-Team kostet, lautet also: Etwa 270.00 Euro im Jahr - zumindest für eine lange bestehende Organisation, die auf nationaler Ebene antritt. Das Thema ist allerdings noch weitaus komplexer. Ist ein Gaminghaus überhaupt notwendig und woher kommt eigentlich das ganze Geld? Mit unserem Experten sind wir auch diesen Fragen auf den Grund gegangen.

Kostenpunkt Gaminghaus

Ein Gaminghaus ist in deutschen Teams, die auf nationaler Ebene unterwegs sind, nur selten vorhanden. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand. Während einer Saison können die Spieler einen guten Teamzusammenhalt aufbauen und Besprechungen sowie Trainingseinheiten laufen effizienter ab. Zudem kann im Haus Content kreiert werden, mit dem die Organisation sich vermarktet. So entsteht eine zusätzliche Werbefläche und Fans können eine tiefere Verbindung zu Spielern und Personal aufbauen.

Wie verdienen die Teams Geld?

Neue Teams sind häufig privat finanziert, das funktioniert für das zweite und dritte Modell allerdings nicht mehr. Preisgelder reichen allein nicht, denn im Regelfall geht der Großteil direkt an die Spieler und nur ein kleiner Prozentsatz bleibt für die Organisation übrig. Außerdem wäre es riskant, sich auf den Erfolg des eigenen Teams zu verlassen. Dennoch können viele Teams in Deutschland Kosten im sechsstelligen Bereich stemmen. Der Grund dafür sind Sponsoren. Rund 95 Prozent aller Einnahmen kommen von externen Geldgebern, die sich Werbung und Reichweite im Austausch für Ihr Geld erhoffen. Merchandising ist dagegen nur ein Dienst an treue Fans. Ein bedeutender Gewinn springt für Teams auf deutscher Ebene nicht heraus.

Problem Sponsorensuche

Zwei Welten: Während es in Deutschland noch überschaubar ist, geht es international in die Millionen.
Zwei Welten: Während es in Deutschland noch überschaubar ist, geht es international in die Millionen.
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Vielen Organisationen fällt es schwer, Sponsoren zu finden. Denn außerhalb der eSport- und Gaming-Industrie sind laut unserem Experten Firmen nur selten in der Lage, den Wert solch eines Sponsorings einzuschätzen. Außerdem ist eSport im Gegensatz zu Fußball oder Basketball immer noch nicht jedem ein Begriff. Laut der Unternehmensberatung Nielsen Sports, die eine Studie zu Sportarten in Deutschland angefertigt hat, liegt eSport auf Rang 13 im Interessensranking und damit noch hinter Schwimmen oder Leichtathletik. Deswegen beschränken sich die Teams häufig auf Firmen innerhalb der eSport-Industrie. Hersteller für Gaming-Peripherie sind dabei besonders beliebt. Aber auch Energydrink-Hersteller und Software-Entwickler finden sich unter den Sponsoren.

Deutschland und darüber hinaus

Während die Kosten eines Teams auf nationaler Ebene noch überschaubar sind, steigen die Ausgaben einer internationalen Top-Organisation immens. eSport-Investor und Geschäftsteilhaber bei G2 Esports Jens Hilgers verriet uns im Interview: "Um ein eSport-Team aufzubauen, das auf internationalem Niveau mithalten kann, muss man heute mindestens fünf Millionen Euro investieren." Gleichzeitig warnte Hilgers davor, solch ein großes Investment mit zu hohen Erwartungen zu tätigen: "Selbst mit einem Investment von fünf Millionen Euro ist die Chance, dieses Ziel zu erreichen immer noch geringer als zwanzig Prozent. Im Vergleich zu vor vier oder fünf Jahren ist es heutzutage deutlich teurer, ein erfolgreiches eSport-Team aufzubauen."

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