Erst Profi-Bereich, dann Breitensport

Die untypische Entwicklung des eSports

von Christian Mittweg am 23.12.2017 um 00:02

Große eSport-Turniere und Weltmeistershaften füllen Stadien und schütten Millionen-Preisgelder aus. Das ist vergleichbar mit den etablierten Sportarten. Doch einen wesentlichen Unterschied gibt es: Auf Amateur-Ebene ist der eSport nicht annähernd so ausgeprägt, wie es in anderen Sportarten der Fall ist. Doch warum funktioniert kompetitives Gaming anders als normaler Sport? Wie es in Deutschland aussieht, haben wir mit zwei Experten besprochen.

Die Profi-Szene im eSport ist bereits gut aufgebaut, im Amateur-Bereich fehlt es dagegen.
Die Profi-Szene im eSport ist bereits gut aufgebaut, im Amateur-Bereich fehlt es dagegen.
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Jörg Förster ist Geschäftsführer des Hochschulsports Hamburg. Rund um die Uhr beschäftigt er sich mit allen möglichen Sportarten. Inzwischen hat auch der eSport sein Interesse geweckt. Im Gespräch mit kicker eSport sprach er die Thematik der Strukturen an: "Für eine Sportart hat der eSport eine sehr untypische Entwicklung erlebt. Denn es gibt einen sehr ausgeprägten Profi-Bereich, während sich der Breitensport noch in einer Phase der Entwicklung befindet."

Diesem Statement würde der Gründer von Magdeburg eSports, Martin Müller, nur bedingt zustimmen. Er versucht, in seiner Organisation auch Nicht-Profis anzusprechen: "Ich glaube die Wahrnehmung, dass es keine ausgeprägte Amateurszene gibt, ist ein Trugschluss. In der Vergangenheit haben Tausende Clans mit hunderttausenden Spielern das Rückgrat der eSport-Szene gebildet." Diese Strukturen bleiben häufig aber verborgen, da sie "nicht sichtbar und vornehmlich im Internet beheimatet sind".

Strukturen aus dem Sport nicht vorhanden

Müller will mit Magedburg eSports die Amateur-Szene fördern. Ein Problem dabei ist jedoch die hohe Fluktuation. Im Internet können Spieler ein Team ohne Probleme verlassen und schon in kürzester Zeit eine neue Mannschaft finden. Als Gegenmaßnahme greift Magdeburg eSports deswegen auf einen lokalen Ansatz zurück. Ein eigenes Vereinsheim, die Nähe zu den Mitgliedern und Bekanntschaften untereinander fördern die Bindung im Verein. Zudem werden die Teams trainiert. Dort stößt der Amateur-Bereich allerdings auf seine Grenzen.

So heißt es von Müller: "Bei klassischen Sportarten ist zu beobachten, dass Menschen, die einen Sport selbst aktiv betrieben haben, eine enge Bindung dazu aufbauen und später als Zuschauer, Trainer und Förderer aktiv werden." Da eSport aber noch keine hundert Jahre alte Sportart ist, haben sich solche Strukturen noch nicht gebildet. Dabei wären insbesondere Lehrpersonen von höchster Wichtigkeit: "Gut ausgebildete Trainer können in lokalen Vereinen vielschichtig auf junge Gamer einwirken - sei es im Bereich der Gesundheitsprävention oder auch im Kommunikations- und Spielverhalten."

Was hält die Zukunft bereit?

Einige deutsche Organisationen wie Magdeburg eSports versuchen eSport als Breitensport zu etablieren. Häufig fehlt jedoch das Geld, um einen Verein aufzubauen, wie es in anderen Sportarten üblich ist. An der Stelle könnte der Staat aushelfen. "Eine zentrale Frage auf der politischen Ebene ist die Anerkennung der Gemeinnützigkeit für eSport-Vereine, bzw. die Aufnahme von eSport als förderwürdigen Zweck in die Abgabenordnung des Bundes", hieß es in dem Zusammenhang von Müller, der noch hinzufügte: "Es erschließt sich mir nicht, warum die Förderung von Modellflug oder Hundesport gemeinnützig ist, die Förderung des eSports und damit verbunden der Jugend und Zukunftsfähigkeit jedoch nicht." An der Stelle könnten laut Förster vom Hochschulsport die Universitäten anknüpfen: "Die Studierenden und Unis sind in dieser Entwicklungs-Phase eine sehr interessante Plattform, um die Communities weiterzuentwickeln." Das geschieht bereits. Von einem Status als gut strukturierten Breitensport ist eSport aber noch ein ganzes Stück entfernt.

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