Das Phänomen der Trainingslager in Südkorea

LoL: 'Amazing': "Es gibt keine bessere Alternative"

von Christian Mittweg am 05.10.2017 um 10:25

Mit der Weltmeisterschaft im Blick gilt für die teilnehmenden Mannschaften nur noch eins: Trainieren. Dafür geht es nach Südkorea. Die Teams wollen möglichst weit kommen und nehmen dafür auch die Strapazen einer 8000-Kilometer-Reise auf sich. Doch warum eigentlich? Wir haben beim deutschen Profi Maurice 'Amazing' Stückenschneider nachgefragt.

Maurice 'Amazing' Stückenschneider nahm bereits zwei Mal an einer Weltmeisterschaft teil.
Maurice 'Amazing' Stückenschneider nahm bereits zwei Mal an einer Weltmeisterschaft teil.
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Die Play-In-Phase der Weltmeisterschaft ist bereits vorbei. Alle bereits zuvor für die Gruppenphase qualifizierten Mannschaften haben sich statt in China jedoch in Südkorea eingefunden. Grund dafür sind die Trainingslager, in denen sich die Teams möglichst optimal auf die anstehende Aufgabe vorbereiten. Der deutsche Profi 'Amazing' hat zwar dieses Mal die Qualifikation verpasst, war in den vergangenen Jahren aber schon zwei Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei und konnte Bootcamp-Erfahrung in der Heimat des eSport sammeln. Mit Origen und Team SoloMid ging es damals nach Südkorea. Daher weiß der Jungler genau, was sich die Mannschaften davon versprechen: "Die Teams hoffen in kürzester Zeit an das koreanische Level heranzukommen."

Alle Welt tanzt nach Koreas Pfeife

Die Weltmeisterschaft 2017 findet allerdings nicht in Korea statt. Nach dem Bootcamp geht es daher weiter ins benachbarte China. Doch selbst wenn die Weltmeisterschaft in Europa stattfindet, nehmen die einheimischen Mannschaften die knapp 8000 km Flug bis nach Asien auf sich. 'Amazing' erklärt, warum das so ist: "Das liegt daran, dass die koreanischen Mannschaften sehr territorial sind und sich der Stärke ihrer Region mehr als bewusst sind - sie würden das Land per se nicht verlassen und weiterhin unter sich trainieren." Die koreanischen Mannschaften sind die besten der Welt und stets Topfavorit auf den Titelgewinn. Nicht umsonst ging der Pokal in den vergangenen drei Jahren in die Heimat des eSport. Von der Konkurrenz müssen sie sich somit nichts abschauen.

Dem Reisezwang gab in der Vergangenheit nicht jedes Team nach. Vor dem Mid Season Invitational 2016 sagte Counter Logic Gaming das Bootcamp in Südkorea ab. Stattdessen blieb das nordamerikanische Team zuhause. Geschadet hat es zwar nicht - CLG wurde Zweiter - 'Amazing' hält solch einen Schritt allerdings nicht für ratsam: "Die Mannschaft verliert hochklassige Trainingspartner, da die anderen zwei Top-Teams aus der eigenen Region vermutlich das Land verlassen haben. Ähnliche Diskussion gibt es immer wieder, aber solange die drei WM-Teams nicht in der eigenen Region bleiben, wird dies wohl nicht wieder geschehen." Auch das Argument des ausbleibenden Überraschungsfaktors lässt der deutsche Jungler nicht gelten: "Natürlich hat man als schwache Region Vorteile, wenn man seine Strategien nicht offenbart. Bei ambitionierten Teams kann man aber davon ausgehen, dass die Vorteile den Nachteilen unterliegen; man will gleichermaßen wissen, welche neuen Strategien und Spielstile sich in anderen Regionen unabhängig der eigenen entwickelt haben, um dadurch 'up-to-date' zu sein."

Optimiertes Training, auch in der Solo-Rangliste

Südkorea hat allerdings auch einige natürliche Vorzüge, die das Land zum optimalen Ort für die Bootcamps machen. "Zu den Vorteilen zählt man die niedrigere Latenz, das höhere Durchschnittslevel der Solo-Rangliste, die Ansammlung der koreanischen Teams als auch die sehr effizient gestaltete Umgebung Seouls, wo an jeder Straßenecke ein 7/11 mit Nahrungsmitteln zu finden ist", sagt 'Amazing'. Der deutsche Jungler schätzt dabei vor allem die hohe Qualität der Solo-Rangliste: "Man spielt mit geringer Latenz, kürzeren Wartezeiten und gegen stärkere Individuen. Das resultiert in weniger Trainingsverlust." Stückenschneider ist kein Freund der SoloQ in Europa und hält sie deswegen nur bedingt für geeignet, um größere Trainingsfortschritte zu machen.

Keine Leistung, kein Training!

Die Teams erhoffen sich eine gute Platzierung bei der Weltmeisterschaft.
Die Teams erhoffen sich eine gute Platzierung bei der Weltmeisterschaft.
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Wichtigster Faktor bei den Bootcamps in Südkorea sind allerdings die Trainingseinheiten mit den koreanischen Spitzenmannschaften, sogenannte Scrims. Eine Garantie gibt es dabei aber nicht. "In den meisten Fällen geben koreanische Teams den ausländischen Mannschaften Probetrainingseinheiten, in denen das Level der eingereisten Teams untersucht und begutachtet wird. Schlägt man sich gut, so spricht es sich herum und die Top-Teams geben daraufhin mehr Scrimblöcke ab", erzählt 'Amazing'. Ein Team kann sich daher nicht gewiss sein, dass es die erhofften Trainingseinheiten bekommt. Dennoch würde der deutsche Profi weiterhin jedem Team raten, das Training im Heimatland des eSports wahrzunehmen: "Es gibt keine bessere Alternative. Wäre es möglich für Teams das ganze Jahr über in Korea zu trainieren, ohne Probleme in der eigenen Liga zu bekommen, würden es die meisten Mannschaften tun, um den möglichen WM-Erfolg zu steigern."

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