Underdog in der ESL Meisterschaft

Aequilibritas eSports: Wenn Mittellosigkeit zur Tugend wird

von Christian Mittweg am 14.12.2018 um 11:16

Fast ohne finanzielle Mittel, mit Hobby-Spielern und gegen fünf namhafte Konkurrenten setzte sich das League-of-Legends-Team von Aequilibritas eSports durch und steht nun im Halbfinale der ESL Meisterschaft. Wie ihnen das gelang, haben wir bei Trainer Markus 'DeliveryPanda' Appelhoff nachgefragt.

Sie sind die Überraschung der ESLM-Saison: Aequilibritas eSports.
Sie sind die Überraschung der ESLM-Saison: Aequilibritas eSports.
© AeQ eSportsZoomansicht

"Bis auf uns selbst hat niemand geglaubt, dass wir es schaffen können", erzählt 'DeliveryPanda'. Eine Woche vor dem Offline-Finale der ESL Meisterschaft in Oldenburg am 16. Dezember ist der Trainer von Aequilibritas eSports bester Laune. Sein Team hat es geschafft. Seine Jungs haben trotz zahlreicher Hürden und gegen alle Erwartungen das Halbfinale erreicht.

Für Appelhoff ist das keine Überraschung. Er glaubte schon zu Saisonbeginn an sein Team - immerhin hatte er es eigenhändig zusammengestellt. Fünf größtenteils unbekannte Spieler, die auf der Rangliste mit ihren Fähigkeiten bestachen und in Einzelgesprächen überzeugten, wollte er nach Oldenburg führen.

Ohne Geld und Team-Haus

Namhafte Verpflichtungen waren für AeQ aber auch gar nicht möglich, denn im Gegensatz zur Konkurrenz standen Aequilibritas eSports kaum finanzielle Mittel zur Verfügung. Team-Haus? Fehlanzeige. Genug Geld, um Vollzeitgehälter zu zahlen? Ebenfalls nicht. Im Gegensatz zu den Profis bei Euronics Gaming, mousesports, SK Gaming, BIG und ad hoc gaming gingen Appelhoffs Spieler nebenbei arbeiten oder studierten. 'DeliveryPanda' kassierte deswegen auch einige Absagen und die Organisation rief einzig den Klassenerhalt als Ziel aus. Am Ende der Transferperiode war 'DeliveryPanda' dennoch zufrieden: "Wir hatten fünf individuell starke Spieler. Ich musste sie nur noch als Team zusammenbringen."

Der Kader sah im Endeffekt so aus: Marc-Andre 'Fynnek' Meyer auf der Toplane, Jochem 'Rabble Arouser' van Graafeiland im Jungle, Elad 'ChangeName' Eliyahu auf der Midlane und Johannes 'Fun K3y' Werner sowie Nils 'Mammann' Hammann als Botlane-Duo.

Tugend der Mittellosen

Markus 'DeliveryPanda' Appelhoff ist bereits in seiner sechsten Saison der ESL Meisterschaft.
Markus 'DeliveryPanda' Appelhoff ist bereits in seiner sechsten Saison der ESL Meisterschaft.
© twitter.com/DeliveryPandaaZoomansicht

Die Stimmung im Team war trotz der eingeschränkten Mittel gut. "Wenn ein Spieler bei uns antritt, dann macht er das, weil er gewinnen will und nicht, weil er viel verdienen will", erklärt sich 'DeliveryPanda' dieses Phänomen. Wenn sie zum Training antraten, war daher niemand abgelenkt. Die Spieler waren auf das Gewinnen fokussiert, gingen sehr offen miteinander um, kritisieren einander häufig und sorgten so für eine Atmosphäre, in der sich alle weiterentwickeln konnten.

Auf und Ab der Saison

Ebenfalls hilfreich für die Stimmung im Team waren zwei Doppelsiege zum Saisonauftakt. Nach einer 0:2-Niederlage am dritten Spieltag gegen SK Gaming kamen dennoch Zweifel auf. So leicht ließ sich aus den fünf Einzelspielern eben doch kein Team formen und auch Appelhoff gibt zu, dass es am Anfang ein paar Probleme gab. Jungler 'Rabble Arouser' war noch zu sehr in seiner Mentalität als einziger Carry gefangen und der Botlane fehlte die Synergie.

Während die Mannschaft an ihren Schwachstellen arbeitete, stagnierte AeQ im Mittelfeld der Tabelle. Zu dem Zeitpunkt schien eine Endplatzierung auf dem fünften oder sechsten Platz wahrscheinlich und die Top 4 rückte in weite Ferne. Der Wendepunkt der Saison kam schließlich am siebten Spieltag. Ein 2:0-Sieg gegen den schwächelnden Vizemeister ad hoc gaming brachte AeQ zurück ins Playoff-Rennen und stachelte das ambitionierte Team erneut an. Dieses Spiel habe ihnen die nötige Hoffnung gegeben, es doch noch zu schaffen, sagt Appelhoff und erzählt weiter: "Als wir gemerkt haben, dass es mit den Playoffs doch noch klappen kann, waren wir wieder voll da."

"Wir können alles schaffen"

Am Ende benötigte AeQ zwar noch ein wenig Schützenhilfe, nach dem neunten Spieltag stand die Mannschaft jedoch auf dem vierten Tabellenrang und das Saisonziel war erreicht. Jetzt wartet das Halbfinale in Oldenburg und der amtierende Meister Euronics Gaming. Trotzdem ist 'DeliveryPanda' optimistisch: "Wir können alles schaffen. Wir haben keinen Druck und können überraschen." Auf Offline-Events käme es sowieso größtenteils auf die Tagesform an, so Appelhoff. Er will erneut den Erwartungen trotzen und den Favoriten mit der eigenen schnellen, aggressiven und kreativen Spielweise stürzen.

Alles wieder auf Null

Egal wie das Finale ausgeht, nach der Saison stehen 'DeliveryPanda' und AeQ wahrscheinlich wieder ohne Spieler da. Umfassende Kaderwechsel sind in der ESL Meisterschaft an der Tagesordnung und AeQ besitzt weiterhin nicht die finanzielle Mittel, um alle Spieler zu halten. Die Motivation von 'DeliveryPanda' leidet darunter aber nicht. Er möchte auch künftig überraschen, egal mit welchem Personal: "Es gibt genug unentdeckte Spieler da draußen, die ich finden möchte. Das ist das Schöne daran, wenn man immer wieder dazu gezwungen ist, auf die Suche zu gehen."

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