Teamchefs melden sich zu Wort

ESLM-Exodus - Gehen Deutschland die Starspieler aus?

von Christian Mittweg am 29.01.2018 um 08:52

Allzu viele bekannte Gesichter wird es in League of Legends nicht zu sehen geben, wenn die ESL Meisterschafts-Saison am 29. Januar beginnt. Ob 'Sedrion', 'Lamabear', 'Alcafee', 'Scarface' oder 'Lurox' - die Stars der vergangenen Saison sind auf und davon nach Spanien. Wir haben mit zwei Geschäftsführern von ESLM-Teams über die brenzlige Lage gesprochen.

Die deutschen Teams stehen vor einer neuen Herausforderung: Ihre Stars sind weg.
Die deutschen Teams stehen vor einer neuen Herausforderung: Ihre Stars sind weg.
© kicker eSportZoomansicht

Für Kevin Westphal von Euronics Gaming ist klar, warum Spieler abwandern: "In Spanien wird ein enormes Gehalt gezahlt. Dort verdienen die Stars zwischen drei- und siebentausend Euro im Monat." Damit können die deutschen Teams nicht mithalten. Hier bekommt ein Spieler selten über zweitausend Euro ausgezahlt. Es ist daher kein Wunder, dass vier der fünf Spieler aus dem Kader der Wintersaison den Weg in den Süden wählten.

Auch SPGeSports ist nicht verschont geblieben: Drei Abgänge musste der Meister verkraften. Ein herber Schlag für Geschäftsführer Bryan Brand: "Unsere Spieler konnten in der Saison überzeugen und hatten einen sensationellen Auftritt in Stuttgart. Dadurch haben sie ihren Wert um ein Vielfaches gesteigert, was uns den Erhalt der Spieler unmöglich gemacht hat." Dass die anderen Topteams Ihre Stars halten konnten, scheint ebenfalls unwahrscheinlich. Zu groß ist die Konkurrenz aus Spanien.

Das Geld fließt im Süden

Doch weshalb können die spanischen Teams so hohe Gehälter zahlen? Eine Antwort dafür liefert Brand von SPGeSports: "Die spanische League of Legends-Szene konnte sich gegenüber der DACH-Szene besser und schneller etablieren, was lukrativere Sponsorings und Investment-Deals zur Folge hatte." Orange, Movistar, ASUS oder Intel sind nur einige der Unternehmen, die in den letzten Jahren vermehrt Geld in spanische Teams investierten. Dadurch sind die Vereine sowie Turnierveranstalter in der Lage, die Region besser zu vermarkten. So verbessert sich die Außendarstellung und neue Sponsoren werden angelockt. Deutschland hängt im Vergleich deutlich hinterher, wie Westphal konstatiert: "Spanien ist uns ein bis zwei Jahre voraus."

ESLM-Teams vor großer Aufgabe

Im Frühling stehen die Mannschaften der ESLM vor der Aufgabe, neue Talente aufzubauen. Westphal ist allerdings skeptisch, ob den Teams das in der Form gelingen wird, wie es noch in den vergangenen Saisons der Fall war. Brand ist dagegen optimistischer. Er sieht es als Aufgabe seines Teams genau an dem Punkt anzusetzen: "Eine gute Organisation zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie es immer wieder schafft, neue Talente zu finden und zu fördern. Dadurch können Spieler entdeckt werden, deren Namen noch kaum bekannt sind."

Doch selbst wenn die Mannschaften der neuen Herausforderung gewachsen sind, das Spiellevel der Liga wird dennoch sinken. "Die deutsche Liga wird zu den schwächsten Ligen in Europa zählen. Vermutlich gleichauf mit der englischen Liga. Spanien und Frankreich sind vor uns und in Polen passiert auch einiges", so Kevin Westphal.

Lösung in Aussicht?

Drei Spieler verlor der amtierende Meister SPGeSports nach dem Titelerfolg.
Drei Spieler verlor der amtierende Meister SPGeSports nach dem Titelerfolg.
© ESL GermanyZoomansicht

Eine kurzfristige Lösung für das Problem der abwandernden Spieler scheint es nicht zu geben. Doch Westphal hat klare Vorstellung, wie der Trend zu stoppen ist: "Die deutsche Liga sollte auch mehr Budget zur Verfügung stellen, um mehr Content zu liefern. Für Zuschauer ist es wichtig zu verstehen, wer dort spielt und warum sie diese Spieler anfeuern sollten." Der Geschäftsführer geht aber noch weiter: "Noch wichtiger ist es, dass die Organisationen ihre Reichweite aufbauen. Also lange Verträge mit Spielern abschließen, diese dann als Gesicht des Teams aufbauen und Inhalte für die Fans produzieren. Abgesehen von uns passiert noch sehr wenig in Deutschland. Das finde ich sehr schade."

Solch ein Umbruch geschieht aber nicht von jetzt auf gleich. Es benötigt Zeit, damit sich die Teams und die ESL eine gemeinsame Strategie überlegen können. Dafür scheint nun die richtige Zeit gekommen. Die deutsche Szene verliert Ihre besten Spieler und mit Christoph Kohlhaas gibt es einen neuen verantwortlichen Produktmanager bei der ESL. Jetzt gilt es zusammen in die richtige Richtung zu gehen, wie Brand von SPGeSports unterstreicht: "Hier müssen die DACH-Organisationen auf jeden Fall am gleichen Strang ziehen, um mit öffentlichen Auftritten, politischem Engagement und Medienpräsenz die Wahrnehmung und das Ansehen des eSports weiter zu fördern."

Ob sich die ESL und die Teams einen neuen Plan überlegt haben, wird sich in den kommenden Monaten herausstellen. Schon am 29. Januar beginnt die neue Saison und bis die nächste Transferperiode zwischen Frühling und Sommer anbricht, sollten sich die Verantwortlichen etwas überlegt haben. Ansonsten wird in ein paar Monaten der nächste Schwung an Spielern den Weg ins Ausland antreten.

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