Der deutsche Jungler spricht über die vergangene Saison

Amazingx: "Ich bin enttäuscht gewesen"

von Christian Mittweg am 21.04.2017 um 23:57

Champion der nordamerikanischen LCS, Halbfinalist einer Weltmeisterschaft und diese Saison LCS-Aufsteiger mit Fnatic Academy - Maurice 'Amazingx' Stückenschneider hat bereits einige Jahre als League of Legends-Profi hinter sich und viele Erfahrungen gesammelt. Wir haben mit dem deutschen Jungler über die vergangene Saison gesprochen und ihn über das "x" am Ende seines Namens befragt.

'Amazingx' blickt im Interview auf die vergangene Saison zurück.
'Amazingx' blickt im Interview auf die vergangene Saison zurück.
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kicker eSport: Dieses Jahr war die Challenger Series (CS) gespickt mit guten Teams, wie kaum ein Jahr zuvor. Würdest Du diese Aussage unterstreichen?

Maurice 'Amazingx' Stückenschneider: Würde ich. Das durchschnittliche Talent der Top 4 Teams der Challenger Szene hätte sich auch locker im mittleren bis unteren Teil der LCS-Tabelle halten können. Die Investitionen und Geldinfusionen haben sich vor allem bei der Anhäufung von ex-LCS Stars bemerkbar gemacht, die sich sichtlich einfach in der ersten Liga zurechtfänden.

kicker eSport: Hattet Du bei den starken Auftritten von Schalke und potenziell ebenfalls gefährlichen Teams von Paris Saint-Germain und Misfits Academy dauerhaft das Gefühl, den Aufstieg schaffen zu können?

Amazingx: Definitiv. Unser Team hat sich aus extrem starken, individuellen Komponenten zusammengesetzt, die nur die richtige Richtung im Training einschlagen mussten, um miteinander zusammenzuschmelzen. Daher brauchte es nur Zeit und Mühe, um uns im Endeffekt auf ein höheres Level als Schalke und PSG zu katapultieren. Misfits Academys starken Auftritt zum Ende der Saison hatten wir aber nicht erwartet.

kicker eSport: Dein Einsatz im Challenger Team von Fnatic war ein Rückschritt im Hinblick auf Deine bisherige Karriere, wie bist Du damit zurechtgekommen?

Amazingx: Die Umstände unter welchen ein Team funktioniert oder auch nicht funktioniert sind den meisten Leuten von außerhalb generell unbewusst - es geht selten so professionell wie in einem wahren Fußballklub der ersten Liga zu. Bestehen Probleme zwischen den Teamkameraden oder zwischen dem Trainerstab, werden diese meist nur dadurch gelöst, dass die schwächere Seite mit weniger Spielraum innerhalb der Organisation abgesäbelt wird, auch wenn dies vielleicht der falsche Schritt ist. Kurz gesagt: Ich bin zunächst enttäuscht gewesen, habe es aber als Motivation aufgenommen für mich selbst, als auch mein nächstes Team, einiges außen vor zu lassen und mich voll und ganz auf mein eigenes Spiel, anstatt auf die Gesamtentwicklung des Teams zu fokussieren. Dies war unter dem fähigen Trainer 'Kubz' dann auch die richtige Entscheidung.

kicker eSport: Wie zufrieden bist Du mit Deinen eigenen Leistungen bei Fnatic Academy? Hat Dir der Wechsel vielleicht sogar gutgetan?

Amazingx: Ich bin relativ zufrieden. Denke, dass ich per se Potenzial zu mehr hatte, aber das Endziel ja nun erreicht wurde: Der Aufstieg in die LCS. Mein großes Ziel, und so ist es auch immer gewesen, ist, bei den Weltmeisterschaften mitzuspielen. Daher hat der Wechsel für mich, bis auf den Wandel meiner Teamanschauung, nicht viel gebracht.

kicker eSport: Bereits mit Origen hast Du den Sprung von der CS in die LCS geschafft. Was ähnelt oder unterscheidet Origen von Fnatic Academy?

Amazingx: Das Grundprinzip ist definitiv vergleichbar - vier Veteranen und ein junger, aufkommender hochklassiger Spieler in 'Niels' (Origen)/'Nisqy' (FNA) gaben allesamt Sicherheit in möglichen LCS-Projekten auf, um den gewagten Sprung des Neuaufbaus eines Teams zu wagen. Der liegt Unterschied hingegen in der tatsächlichen Stärke der Teams: Während Origen schon zum Springsplit eins der Top 3 Teams in Europa war, würde ich unser Academy Team zum jetzigen Zeitpunkt eher ins Mittelfeld stecken. Auch ist das Gesamtkonzept von Origen eher belastender für die Spieler gewesen als das von FNA, dadurch, dass es ein Passionsprojekt Pekes war, wir mehr oder weniger voll und ganz auf uns selbst angewiesen waren und wenig Hilfe von außen (Trainerstab) erhielten. Dies machte unseren Aufstieg fast schon krönender, vor allem mit der engen Verbindung zur Gründung der Organisation.

Kein leichtes Los für den deutschen Jungler mitten in der Saison verlor er seinen Startplatz.
Kein leichtes Los für den deutschen Jungler - mitten in der Saison verlor er seinen Startplatz.
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kicker eSport: Mit Misfits und Fnatic Academy sind zwei Zweitteams in die LCS aufgestiegen. Zufall, oder sind die gute Infrastruktur und Trainingsmöglichkeiten ein entscheidender Vorteil in der Challenger Series gewesen?

Amazingx: Teils, teils. Wie bereits beschrieben, kann eine gute Infrastruktur von Grund auf bestehende Probleme zwischen den Spielern kaum wettmachen und außerdem zahlen und bieten Schalke und PSG den eigenen Spielern meines Wissens sogar mehr. Würde es daher, wenn überhaupt auf die Fähigkeiten von Fnatic und Misfits schieben, die richtigen Spieler für das richtige Projekt angeheuert zu haben.

kicker eSport: Woher kommt das "x" am Ende Deines Namens? Warum hast Du Dich dafür entschieden ihn auf diese Weise zu ändern?

Amazingx: Das "x" hat viel damit zu tun gehabt, dass mein Spielername ein normales englisches Wort ist und somit auch in vielen anderen Zusammenhängen genutzt wird. Daher wollte ich mich leicht davon distanzieren, um somit die Suche nach meinem Namen zu erleichtern. Ich denke aber, dass ich zu "Amazing" ohne "x" zurückkehren werde, da dies für die meisten einfacher zu begreifen und auszusprechen ist, auch wenn das "x" stumm war/ist.

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