Grundstimmung ist positiv

eSport im Bundestag: "Warum ist also nichts passiert?"

von Holm Kräusche am 09.11.2018 um 16:47

Der Bundestag hat sich erstmals mit eSport auseinandergesetzt. In einer nächtlichen Debatte stand das Thema als vorletzter Punkt auf der Tagesordnung. Überraschend: Die Parlamentarier waren sich ungewöhnlich einig und rügten die Bundesregierung.

Der Bundestag hat über eSport debattiert. Der Anfang von einer rosigen Zukunft für den Sport?
Der Bundestag hat über eSport debattiert. Der Anfang von einer rosigen Zukunft für den Sport?
© kicker eSportZoomansicht

Um 0:47 eröffnete Vizepräsident Friedrich eine erste Beratung des Antrags von Bündnis90/Die Grünen zum Thema "eSport fördern und gestalten". Knapp 30 Minuten lang trugen Mitglieder der Bundestagsfraktionen kurze Reden vor und wiesen auf die Relevanz des eSports hin. Der Tenor war dabei von allen Parteien überraschend positiv, aus der Regierungskoalition und von den Grünen kamen auch kritische Töne zu fehlenden Dopingkontrollen und Suchtpotenzial. Zwar waren die Bundestagsreihen zu so später Stunde schon recht leer und auch von den Regierungsstühlen waren wenige besetzt, das hielt die Parlamentarier allerdings nicht von flammenden Reden für die junge Sportart ab, die größtenteils sogar recht fundiert wirkten.

Sportausschuss maßgeblich

Zu Wort meldeten sich vor allem Mitglieder des Sportausschusses des Bundestages. In den Ausschüssen sitzen rund 12-50 Parlamentarier, die zu dem jeweiligen Kernthema Gesetzesentwürfe ausarbeiten und Bundestagsentscheidungen vorbereiten. Der Bundestag in Gänze beschäftigt sich nicht mit allen Themen, sondern hat für alle wichtigen Kategorien Ausschüsse, die sich mit der Materie beschäftigen.

Die Parlamentarier wiesen in ihren Reden vor allem auf die Jugendförderung in Vereinen hin: Man dürfe junge Menschen nicht an die eSport-Wirtschaft verlieren. Viel wichtiger sei es, in den in Deutschland kulturell so wichtigen Vereinen Werte zu vermitteln und Ordnung und Struktur zu offerieren. "Wir wollen doch, dass die Kinder und Jugendliche in Deutschland in unsere Vereine kommen", sagte Johannes Steiniger von der CDU/CSU. Besonders die AfD preschte in Gestalt von Joana Cotar voran. Für junge Leute sollten geregelte Strukturen da sein, damit nicht Profitdenken (der Gaming-Industrie) im Vordergrund stehe, sondern Gemeinnützigkeit.

"Warum ist also nichts passiert?"

Detlev Pilger von der SPD wies darauf hin, dass junge Leute der Gesellschaft nicht verloren gehen dürften und in Vereine eingebunden werden sollten. Britta Dassler von der FDP brachte korrekterweise zur Sprache, dass die Bundesregierung zwar nicht in der Lage sei, eSport zum Sport zu erklären, allerdings wäre es ihr ein Leichtes, eSport gemeinnützig zu machen. "Warum ist also nichts passiert?", fragt sie, "Wenn die Regierung ihren Koalitionsvertrag ernst nehmen würde, hätte sie schon längst die Gemeinnützigkeit des eSports in Angriff genommen."

Thema eSport wird auch instrumentalisiert

Neben der positiven Einstellung zum Thema entstand allerdings auch der Eindruck, dass gerade die Oppositionsparteien hier ein gutes Hilfsmittel entdeckt haben, der Bundesregierung Fehler und Untätigkeit vorzuwerfen und den eSport damit für Aufmerksamkeit zu instrumentalisieren. Genüsslich zitierten die Redner so zum Beispiel immer wieder den Passus aus dem Koalitionsvertrag und ratterten Zahlen zu Wachstum und Größe der Branche herunter. Immer mit dem Fingerzeig: Schaut, was uns da entgeht.

Die Debatte war im Bundestagsalltag zunächst nur eine Formalie, denn der Antrag wird an den Sportausschuss verwiesen. Dort ist er allerdings gut aufgehoben und führende Mitglieder haben Donnerstagnacht gezeigt, dass sie einer Förderung und einem Ausbau von eSport in Deutschland positiv gegenüberstehen.

ESBD glücklich über Debatte

Im Ausschuss werden traditionell auch Experten und Athleten gehört. Nun ist es an Menschen wie Hans Jagnow, Präsident des eSport-Bund Deutschland, die positive Grundstimmung zu nutzen und die Sportart weiter voranzubringen. Jagnow wohnte der ersten Debatte bei und stellte sie anschließend auch auf Twitch. "Bei wenigen Themen hat sich der Bundestag so einmütig in der Richtung verhalten wie im eSport. Das Ziel ist klar: Den Rahmen für eSport positiv gestalten und die Lebenswirklichkeit der Menschen aufzunehmen", twitterte Jagnow anschließend. Weiter geht es nun am 28. November im Sportausschuss. Dort wird weiterdebattiert. Obfrau Dassler von der FDP: "Wir freuen uns drauf."

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