Das sagen die Vereine zur Globalisierung

VBL: Ein Finale mit vielen Gesichtern

von Nicole Lange am 27.03.2018 um 18:37

Die TAG Heuer Virtuelle Bundesliga (VBL) findet am Wochenende mit dem Finale ihren großen Höhepunkt. Das kann man in vielerlei Hinsicht behaupten. Erstmals sind offizielle Clubcards für Vereine ausgeschrieben worden. Aber auch sonst hat die VBL in diesem Jahr für Gesprächsstoff gesorgt, denn erstmals sind Chile und Malaysia dabei, was in der Szene unterschiedliche Reaktionen hervorbrachte.

Virtuelle Bundesliga
Virtuelle Bundesliga: Ein Finale mit vielen Gesichtern.
© kicker eSportZoomansicht

Die TAG Heuer Virtuelle Bundesliga hat in dieser Saison eine Wandlung erlebt und scheint sich dabei irgendwie auch neu erfinden zu wollen. Erstmals hat die DFL den Vereinen eine Clubcard zur Verfügung gestellt. Mit dieser Karte konnten Bundesligisten einen eigenen FIFA-Spieler ins Rennen schicken und einige Vereine haben sich diesem Abenteuer auch gestellt. Neue Sichtweisen wurden geschaffen und die Klubs konnten sich dem Thema eSport öffnen. Für den eSport eine gute Sache, wie uns auch Schalkes Chief Gaming Officer Tim Reichert, im Interview bestätigt. "Ich glaube, dass es dem Veranstalter geglückt ist, die Vereine durch die Vergabe der Wildcards stärker einzubinden. Die Klubs konnten über die vereinseigenen Qualifikationen in eine gute Kommunikation mit den Fans treten und auf diese Weise auch eine stärkere Identität schaffen."

Dieser Ansicht ist man auch bei Wolfsburg, die zwar keinen weiteren eSportler ins VBL-Rennen schickten, aber seit Jahren den FIFA-eSport fördern: "Es ist schön zu sehen, dass so viele Bundesliga-Vereine diese Möglichkeit wahrgenommen haben", sagt Christopher Schielke, Leiter Digitale Strategie beim VfL. "Wir freuen uns darüber, dass auf diese Weise ein sportlicher Wettbewerb zwischen den Klubs auch auf dem virtuellen Grün entsteht. Durch die Möglichkeit der Club-Wildcards konnten wir beobachten, dass mehrere Vereine sich nun mehr mit dem Thema eSport und FIFA auseinandergesetzt haben." Den Schwung der VBL könnten also viele Vereine als eine Initialzündung sehen und möglicherweise weitere Schritte im eSport wagen. Als wichtigen Baustein für den Erfolg der VBL sieht es Daniel Luther, Geschäftsführer von KiNG eSports. Obwohl nicht alle Vereine die Chance genutzt haben, sei es "ein Schritt in die richtige Richtung und wird hoffentlich in der kommenden Saison fortgeführt."

Ehemalige Meister spalten die Szene

Die Tatsache, dass die Vereine mehr involviert sind, bringt aber auch die Forderung von mehr Professionalität und Transparenz mit sich. Vor allem die Vergabe der Wildcards wurde im Nachhinein von einigen Vereinen und Spielern bemängelt. So sind beispielsweise die VBL-Meister der vergangenen Jahre im Finale dabei. Daniel Luther empfindet sie als "unglücklich" und für Michael Fischer vom VfL Bochum sei die Vergabe "diskussionswürdig".

Für vergangene Erfolge kann man sich in der Regel nichts kaufen.Michael Fischer, VfL Bochum

"Das ist nichts gegen die Spieler selber, denn sowohl Mirza Jahic als auch Kevin Assia und auch Daniel Butenko ist die Teilnahme am VBL-Finale zu gönnen, aber die Entscheidung an sich ist nicht nachvollziehbar", so der eSport-Teamleiter beim VfL. "Für vergangene Erfolge kann man sich im Sport in der Regel nichts kaufen. Das ist in etwa so, als ob man am Saisonende nicht die aktuelle Tabelle der Bundesliga für die Ligazugehörigkeit im darauffolgenden Jahr heranziehen würde, sondern die ewige Tabelle. Wäre für uns als VfL Bochum 1848 eine tolle Sache, weil wir dann als Traditionsverein in die 1. Liga zurückkehren würden, hat aber nichts mehr mit sportlichen Wettkampf zu tun." Für Fischer wäre eine Vergabe an aktuell erfolgreiche Spieler aus dem DACH-Verband sinnvoller gewesen.

Tim Reichert sieht Wildcards generell als problematisch an, "da der aktuelle Leistungsstand oftmals nicht widergespiegelt wird. In der Finalrunde sollte meiner Meinung nach einzig dem amtierenden Meister ein Startplatz sicher sein." Auch von Daniel Luther kommt eine klare Meinung zu diesem Thema: "Die Erfolge der Vergangenheit sind vergänglich", so Luther. "Eine charmante Lösung wäre die Vergabe der Tickets im Rahmen des TAG Heuer Wildcard-Turniers bei dem Offline-Qualifikationsturnier gewesen. Dann hätte die sportliche Klasse der Gegenwart den Ausschlag gegeben."

Für Wolfsburgs Christopher Schielke ist die Vergabe an die ehemaligen Meister dagegen nichts Ungewöhnliches. Dies sei auch in anderen Sportarten und Wettbewerben so. "Sicher ist dies auch der verdiente Lohn für die Leistungen dieser Spieler in den vergangenen Jahren. Darüber hinaus haben es junge Talente über die Online-Qualifikation und das Play-Off-Turnier in das Finale geschafft und dabei auch den einen oder anderen bekannten eSportler ausgestochen", so Schielke.

Die Globalisierung eines Wettbewerbs

Bei diesem Thema scheiden sich also die Geister. Beim Thema zur Globalisierung der Virtuellen Bundesliga gibt es jedoch harte Fronten. Dass Chile und Malaysia an der VBL teilnehmen, war für manche Organisationen und Spieler eine Überraschung, die einige mit Unmut bekundeten. Die Meinungen gehen hier stark auseinander. Denn für viele ist die Virtuelle Bundesliga die deutsche FIFA-Meisterschaft - zumindest in der Wahrnehmung. Doch die DFL und EA SPORTS scheinen größere Pläne zu haben, die man im Vorfeld, laut Schalke, nicht mit den Vereinen geteilt hat. "Weder die DFL noch Spielehersteller EA SPORTS haben im Vorfeld mit den Vereinen über diese Idee gesprochen. Dieser Prozess liegt grundsätzlich eher aufseiten des Veranstalters", erzählt uns Schalkes Tim Reichert.

Das können weder unsere Spieler noch unsere Fans verstehen.Michael Fischer, VfL Bochum

"Das können weder unsere Spieler noch unsere Fans verstehen", sagt Michael Fischer. Und spricht damit ein flächendeckendes Problem an. Die Kommunikation im Vorfeld wurde zu diesem Thema anscheinend vernachlässigt. Für Fischer habe das einen ähnlichen Effekt, wie das Projekt des DFB die chinesische U-20-Nationalmannschaft in der Regionalliga Südwest starten zu lassen. "Man hat da ja gesehen, wie groß die Akzeptanz dabei war". Laut Fischer würde diese Aktion den FIFA eSport beim deutschen Publikum wieder "ein Stückchen zurückwerfen", da die Zuschauer es nicht verstehen würden. "Sportlich hat das auch keinen Wert, denn beide Spieler werden es mehr als schwer haben, überhaupt die Vorrunde zu überstehen."

Für Daniel Luther macht es dagegen keinen Sinn, alles "in Schwarzen Farben zu malen" und Vorwürfe zu erheben. "Es ist nicht immer einfach allen Parteien gerecht zu werden", beschwichtigt Luther, der unter anderem für "transfermarkt.de" und Leverkusen als eSport-Berater fungiert. "Gleichwohl sollte es der Anspruch der VBL sein, einen fairen und attraktiven Wettkampf anzubieten, der nicht als Marketing-, sondern Sportwettkampf ausgetragen wird. Wenn man den Wettbewerb international öffnet, dann hätte eine offene Qualifikation, die nicht auf einzelne Länder beschränkt ist, diesem Anspruch entsprochen und den Wettbewerb qualitativ aufgewertet." Abschließend gibt Luther noch zu bedenken, dass alle Parteien ein Interesse daran hätten, dass das Produkt der VBL attraktiv bleibt und sich entwickelt. "Die virtuelle Bundesliga wird uns noch viel Freude machen."

Damit diese Idee auch bei Vereinen, Spielern und Fans richtig ankommt, muss am Ende dann doch etwas an der Kommunikation gearbeitet werden, damit der größte eSport-Wettbewerb der DFL die in ihn gesetzten Hoffnungen auch weitertragen kann.

Vom 31. März bis 1. April finden die Finals im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund statt. Weitere Infos zum Einlass und wann und wo die Finals übertragen werden, könnt Ihr hier nachlesen.

 

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