Finalspiele steigen am Dienstag im Apollo Theater

Deutsches Quartett und "Agge" raus - Assias Elferpanne

von las am 22.03.2016 um 09:17

Das FIWC-Halbfinale in New York ist komplett, geht aber ohne deutsche Beteiligung über die Bühne. Keiner der vier deutschen Spieler erreichte die Runde der letzten Acht, dabei hatte ein Trio die Vorrunde überstanden. Auf besonders bittere und spektakuläre Weise erwischte es Kevin Assia. Eine kleine Sensation: Mitfavorit August "Agge" Rosenmeier flog schon in der Vorrunde raus.

Der Kampf um die begehrte Trophäe geht am Dienstag ohne das deutsche Quartett weiter.
Der Kampf um die begehrte Trophäe geht am Dienstag ohne das deutsche Quartett weiter.
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Aus New York berichtet Christoph Laskowski

Der Austragungsort für das erste Kräftemessen der weltweit besten FIFA-Spieler hätte malerischer kaum sein können. Skylark, eine Rooftop-Bar unweit des Times Square, 31. Stock mit Blick auf das Empire State Building. Ein herrliches Panorama - aber leider auch ein reichlich unpraktischer Ort für ein derartiges Event.

Denn von Ellbogenfreiheit konnte in dem L-förmigen Raum wahrlich keine Rede sein. Journalisten, Zuschauer und Spieler hatten mit der Enge arg zu kämpfen. Das vollverspiegelte Gebäude begrüßte zudem die Nachmittagssonne im Big Apple ungehindert, schien auf die Bildschirme der Spieler. Eine Tatsache, mit der auch Niklas Raseck zu kämpfen hatte, der als einziger Deutscher nach der Vorrunde die Segel streichen musste. "Die Sonne hat schon sehr geblendet", sagte der amtierende VBL-Meister, der zudem bemängelte, im Stehen spielen zu müssen. Dass das nicht allen ausschlaggebend war, wusste aber auch Raseck. "Das erste Spiel habe ich unglücklich verloren, insgesamt habe ich meine Chancen nicht nutzen können. Aber ich wusste, dass die Gruppe hart wird."

Enge Angelegenheit: Die Partien am Montag fanden in der Bar "Skylark" statt.
Enge Angelegenheit: Die Partien am Montag fanden in der Bar "Skylark" statt.
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Immerhin: Raseck war nicht der einzige namhafte Spieler, der in der Vorrunde scheiterte. Dass Rosenmeier, der Champion von 2014 und letztjährige Halbfinalist, nicht einmal das Achtelfinale erreichen würde, damit hatte kaum einer gerechnet. In der "Todesgruppe" A brach ihm nach dem 1:1 zum Auftakt die bittere 1:2-Pleite (ein Eckball, ein Elfmeter) gegen seinen Trainingspartner und Kumpel Ivan Lapanje das Genick. Der abschließende 1:0-Sieg mit seinem Team Brasilien war letztlich wertlos. Ein schwerer Schlag für den Dänen, der nach dem letzten Gruppenspiel die Hände über dem Kopf zusammenschlug und für einige Zeit kaum ansprechbar war. Was lief schief? "Fast alles", räumte "Agge" ein, als er die Worte wiedergefunden hatte. Mental sei er "nicht da" gewesen, kurz gefasst: "Ich habe einfach nicht gut gespielt."

Traumstart für deutsches Trio

Für drei der vier Deutschen startete das Turnier hingegen geradezu traumhaft. Benedikt Saltzer räumte Underdog Victor Guedes locker mit 5:0 aus dem Weg und stand nach seinem Last-Minute-Treffer in Spiel zwei (ein Kopfball von Hulk) vorzeitig im Viertelfinale. Auch Kevin Assia machte frühzeitig alles klar - und Newcomer Michael Bittner überraschte mit bemerkenswerter Coolness. Der Überraschungsteilnehmer ließ dem stark einzuschätzenden Ty Walton im ersten Spiel kaum eine Chance, gewann in seinem ersten großen Spiel bei einem Offline-Event äußerst souverän mit 3:1 und zog letztlich ebenfalls ins Achtelfinale ein.

Mit Saltzer, Bittner und Assia zogen drei Deutsche ins Achtelfinale des FIWC ein.
Mit Saltzer, Bittner und Assia zogen drei Deutsche ins Achtelfinale des FIWC ein.
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Dass es für mehr nicht reichen würde, hatte er aber schon nach seinem Auftaktsieg im Gefühl gehabt: "Gegen Walton habe ich richtig gut gespielt, aber danach lief es trotzdem nicht mehr so gut", räumte er ein. Die Führung gegen den Franzosen Dylan Bance gab er im Achtelfinale aus der Hand, nach dem 1:1 habe er "keinen Zugriff mehr bekommen". Letztlich stand ein 1:4 auf der virtuellen Anzeigetafel, das er aber verschmerzen konnte. "Ich bin sehr zufrieden, mein Ziel habe ich erreicht", sagte Bittner.

Und Saltzer? Der 23-Jährige war an diesem Nachmittag wahrlich nicht vom Glück verfolgt. Nach der schweren Gruppe wartete im Achtelfinale mit Lapanje eine Herkulesaufgabe, die er knapp nicht bewältigen konnte. Zwar ging "SalzOr" in Front, fing sich aber in der Schlussphase in zehn Minuten zwei Gegentore - darunter ein spektakulärer und durchaus haltbarer Fernschuss - und musste ebenfalls die Segel streichen. Doch auch Nachrücker Saltzer war nach der kurzfristigen Anreise und der fehlenden Vorbereitung insgesamt zufrieden - und nahm's mit Humor: "Ich hoffe, dass Lapanje gewinnt. Dann bin ich wenigstens gegen den Sieger rausgeflogen."

Assias kuriose Elferpanne - Al-Bacha ohne Gegentor

Es hat nicht gereicht: Während Niklas Raseck die Vorrunde nicht überstand, war für Kevin Assia nach einem Wechselbad der Gefühle im Achtelfinale Endstation.
Es hat nicht gereicht: Während Niklas Raseck die Vorrunde nicht überstand, war für Kevin Assia nach einem Wechselbad der Gefühle im Achtelfinale Endstation.
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Das kurioseste Achtelfinale des Tages war aber Assia vorbehalten. Beim Stand von 1:1 in der 118. Minute bekam er einen Elfmeter zugesprochen. Was dann geschah, war zunächst kaum zu erklären: Assia drückte viel zu früh die Schusstaste, da war der Cursor gerade im roten Bereich - der Ball flog Richtung Niemandsland. Die Auflösung, so simpel wie bitter: "Ich wollte mich mit dem Controller zur Seite drehen, damit mein Gegenspieler nicht sieht, wo ich hinschieße. Dabei bin ich auf die Schusstaste gekommen. Unglücklich, aber sowas passiert."

Das Wechselbad der Gefühle war da aber noch nicht ausgestanden. Denn Assia, der daraufhin im Elfmeterschießen verloren hatte, bekam eine zweite Chance. Gegner Rodrigo Araujo hatte eine nicht genehmigte Aufstellung verwendet, der Brasilianer sich die Genehmigung dazu allerdings beim Schiedsrichter extra zuvor eingeholt. Erst im Nachgang erkannten die Offiziellen den Fehler, die Partie wurde wiederholt. Doch Assia verlor auch dieses Duell, diesmal deutlich mit 0:2.

Unter die letzten Vier schafften es letztlich Saltzer-Bezwinger Lapanje, Bittner-Besieger Bance, der Engländer Sean Allen sowie der jüngste Teilnehmer im Feld, Mohamad Al-Bacha. Der Däne brachte das Kunststück fertig, in seinen fünf Begegnungen kein einziges Gegentor zu kassieren. Wer am Dienstag die Trophäe mit nach Hause nimmt, entscheidet sich bei den Finalspielen am Dienstag, die vor ca. 700 Zuschauern im Apollo Theater (20 Uhr MEZ, im LIVE!-Stream bei kicker eSport) über die Bühne gehen.

Die Halbfinalspiele im Überblick:
Mohamad Al-Bacha - Ivan Lapanje
Sean Allen - Dylan Bance

 

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