Der erfolgreichste FIFA-Spieler der Welt im Interview

FIFA-Legende Schellhase: "Das Niveau ist deutlich gesunken!"

von Nicole Lange am 14.03.2016 um 12:52

Die "FIFA-Twins" sind heute noch eine Institution im virtuellen Fußball. Gut acht Jahre dominierten die Zwillinge Dennis und Daniel Schellhase die FIFA-Szene und gewannen Titel auf nationaler und internationaler Ebene. Aber was machen die eSport-Stars von damals heute? kicker eSport hat bei Dennis Schellhase nachgefragt und dabei unter anderem über die Entwicklung der Szene und mögliche Comeback-Gedanken gesprochen. Die FIFA-Legende geht mit dem Hersteller EA SPORTS hart ins Gericht, versteht aber auch dessen wirtschaftliche Interessen.

Dennis Schellhase (li.) ist auch fünf Jahre nach seinem Karriereende der erfolgreichste FIFA-Spieler der Welt. Zusammen mit seinem Bruder Daniel dominierten die "FIFA-Twins" die Szene.
Dennis Schellhase (li.) ist auch fünf Jahre nach seinem Karriereende der erfolgreichste FIFA-Spieler der Welt. Zusammen mit seinem Bruder Daniel dominierten die "FIFA-Twins" die Szene.
© SchellhaseZoomansicht

Dreifacher Weltmeister, zweifacher Europameister, zwölf deutsche Meisterschaften und vier Europameistertitel mit der Nationalmannschaft im European Nations Championship: Die Bilanz von Dennis 'styla' Schellhase ist beeindruckend. Zusammen mit seinem Bruder Daniel, der nur einen deutschen Meistertitel weniger im Schrank stehen hat, sind die Schellhase-Zwillinge die erfolgreichsten FIFA-Spieler der Welt. Seit 2011 hat Dennis Schellhase seine eSport-Karriere beendet. Zusammen mit seinem Bruder ist er, wie manche Leute es vermutlich nennen, im "normalen" Arbeitsleben angekommen. Die eSport-Leidenschaft hat den heute 33-Jährigen allerdings immer noch nicht verlassen.


kicker eSport: Guten Tag Herr Schellhase, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Gut acht Jahre waren Sie und Ihr Bruder die Referenz des FIFA-eSports und noch heute werden Sie in jeder Hall of Fame genannt. Können Sie den Begriff "FIFA-Twins" überhaupt noch hören?
Dennis Schellhase: Natürlich, warum auch nicht. Dieser Begriff hat einen großen Teil unseres Lebens geprägt und war auch immer als Kompliment zu verstehen. Dieser Begriff wird wohl auch unser ganzes Leben noch begleiten. Während unserer Karriere war dieser Begriff allgegenwärtig und andauernd zu hören. Nun hört man ihn aber immer seltener. Dafür hört man ihn umso lieber. Je länger die aktive Karriere her ist, desto stolzer kann man doch sein, dass man den Leuten damit noch im Kopf geblieben ist.

kicker eSport: Jetzt fragen sich vermutlich viele, was ist aus einem der erfolgreichsten FIFA-Spieler aller Zeiten geworden? Was machen Sie heute?
Schellhase: Nach dem Karriereende habe ich die Chance erhalten, als erster Mitarbeiter die zentraleuropäische Niederlassung des NAS-Hersteller Synology maßgeblich mit aufzubauen. Mit Sitz in Düsseldorf, also unweit meiner Heimat Gelsenkirchen, entwickelte sich das Unternehmen zum klaren Marktführer, wobei ich das Produktmanagement leite, was ein breites Gebiet an Aufgaben und Verantwortlichkeiten mit sich bringt. Für mich ebenfalls eine neue, spannende Erfahrung, an der man täglich wächst und sich auf persönlicher Ebene weiterentwickelt.

kicker eSport: Was macht Ihr Bruder Daniel 'hero' Schellhase?
Schellhase: Mein Bruder arbeitet im Produktmanagement für Konico Minolta und hat damit einen sehr ähnlichen Lebensweg wie ich eingeschlagen. Von daher gleichen wir uns auch immer noch sehr, obwohl wir nun zum ersten Mal wirklich getrennte Wege gehen, wenn auch beruflich ähnlich Jobs bekleiden.

kicker eSport: Wieso haben Sie sich entschieden, dem eSport beruflich den Rücken zu zukehren?
Schellhase: Es kamen insgesamt mehrere Dinge zusammen, die den Ausschlag gaben, den eSport zu beenden. Zunächst ändert sich mit fortschreitendem Alter natürlich auch die Lern- und Reaktionsfähigkeit. Ich merkte schon, dass ich vor allem gegen junge Spieler hier einen Nachteil hatte, den es mit Erfahrung und einem kühlen Kopf wettzumachen galt. Wir hatten uns durch die jahrelange Dominanz natürlich auch einen gewissen Ruf aufgebaut, den wir zu verlieren hatten. So möchte man natürlich nicht abtreten, wenn man nicht mehr in der Lage ist, auf allerhöchstem Niveau mitzuhalten.

kicker eSport: Manche hält das dennoch nicht davon ab ...
Schellhase: Wir hatten dazu auch alles bereits mehrfach gewonnen. Unsere Leistungsfähigkeit also immer wieder unter Beweis gestellt, weshalb die Motivation des Wettbewerbs eine immer geringere Rolle spielte. So kam ich an einen Punkt, an dem eine "echte" neue Herausforderung fehlte, um einen entsprechenden Ehrgeiz zu entwickeln. Ein weiterer Faktor war dazu auch die Entwicklung des Spiels, das sich immer mehr an Zufallsfaktoren orientierte. Das Spiel wurde immer mehr darauf entwickelt, um große Leistungsunterschiede zu unterdrücken und damit auch einem Anfänger die Möglichkeit und das Gefühl zu geben, ein Spiel gegen einen wesentlich besseren Spieler gewinnen zu können.

Das Spiel wurde immer mehr auf die breite Masse ausgelegt, was wirtschaftlich für einen Spielhersteller zwar Sinn macht, bei professionellen FIFA-Spielern aber zu Frust führt.Dennis Schellhase

Das Spiel wurde immer mehr auf die breite Masse ausgelegt, was wirtschaftlich für einen Spielhersteller zwar Sinn macht, bei professionellen FIFA-Spielern aber zu Frust führt. Dazu beendete ich im gleichen Jahr das Studium, und der Einstieg ins "geregelte" Berufsleben sollte ja auch nicht zu spät erfolgen. So fiel die Entscheidung dann auch nicht schwer, am Ende des Jahres 2010 die virtuellen Fußballschuhe an den Nagel zu hängen und sich noch mal außerhalb des eSports in der IT-Branche ganz von vorne zu beweisen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Ein privater Rückblick und die Gegenwart des FIFA-eSports
 
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1 Leserkommentare

Revle84
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15.03.2016 | 07:38

Danke für die Wahrheit!

Liebe Redaktion,

kommt als nächstes wieder ein Artikel, der die negative Kritik zum Spiel (wi[...]

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