Erhan Kayman über die Unterschiede von FIFA und PES

Dr. Erhano: "PES hat mehr Variablen"

von Daniel Strotbaum am 19.09.2014 um 20:07

Pro Evolution Soccer und FIFA spalten die Fußballgemeinde größtenteils in zwei Lager. Die eine Seite schwört seit jeher auf den Realismus von PES, während die andere fest davon überzeugt ist, dass EA SPORTS mit seiner FIFA-Reihe bereits seit längerer Zeit die Referenz unter den Fußballspielen ist. Ab dem 13. November, wenn mit der PES 2015 der neuste Teil von Konamis Simulation erscheint, geht das Duell in die nächste Runde. Doch wie unterscheiden sich beide Games im Spielerischen? Worauf sollte mit dem Controller in der Hand geachtet werden? Wir haben FIFA- und PES-Profi Erhan "Dr. Erhano" Kayman nach den Eigenheiten beider Titel gefragt und uns erklären lassen, welche Taktik für ihn für das jeweilige Spiel die richtige ist.

Kaymans Spielstil in FIFA ist ein komplett anderer als in PES.
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"FIFA und PES trennen Welten"

Können zwei Games, die sich mit Fußball derselben Sportart widmen, wirklich grundverschieden sein? Eindeutig ja, "FIFA und PES trennen Welten", erklärt Erhan "Dr. Erhano" Kayman, amtierender deutscher PES-Meister, der inzwischen auch in FIFA professionell unterwegs ist. So sind laut "Dr. Erhano" genau die gegensätzlichen Spielertypen in beiden Spielen erfolgsversprechend: "In FIFA ist es wichtig, große und kräftige Spieler auflaufen zu lassen, da das Spiel teilweise stark körperbetont ist und viele Tore durch Flanken erzielt werden. In PES hingegen ist es so, dass die kleinen und wendigen Spieler wie die des FC Barcelona ziemlich effektiv sind", erklärt Kayman.

Auswirkungen auf den Spielstil

Diese unterschiedlich gesetzten Schwerpunkte haben große Auswirkungen auf die Herangehensweisen der Spieler - gerade im eSport: "In PES 2012 und 2013 habe ich nahezu nie geflankt, da dort die Möglichkeit besteht, schöne Tore durch effektive Pässe durch die Mitte zu erzielen", verdeutlicht "Dr. Erhano". Dass es bislang so aussieht, als würden Flanken auch in PES 2015 nicht immer zum Erfolg führen, kommt Kaymans Spielweise dabei nach eigenen Angaben sehr entgegen. Trotz der Ankündigungen von EA SPORTS, die Gefahr durch Flanken reduzieren zu wollen, bleibt Erhan Kayman skeptisch. Zumindest in der Demoversion konnte er - wie schon im Vorgänger - viele Tore auf diese Weise erzielen. Das schlägt sich vor allem im eSport auch auf die Wahl der Teams nieder: "(?) In PES [wird] meist mit dem FC Barcelona gespielt, in FIFA hingegen mit Real Madrid oder dem FC Bayern München", verdeutlicht Kayman.

Ronaldo stärker als Messi in FIFA

Auch die Formationen der Mannschaften unterscheiden sich bei Kayman. Während er in PES auf ein 4-3-3 setzt, "weil das Spiel mehr Variablen hat", ist in FIFA das 4-2-3-1 (breit) seine bevorzugte Wahl, "da es dort erst mal darauf ankommt, hinten gut zu stehen und vorne mindestens ein Tor zu erzielen", wie er erklärt. Doch damit nicht genug der Gegensätze: Auch den Thron des besten virtuellen Kickers besteigt in beiden Titeln ein anderer: "Ronaldo ist (?) der beste virtuelle Fußballer in FIFA. Das liegt daran, dass er nahezu alle Fähigkeiten besitzt, die man für das Spiel benötig", sagt "Dr. Erhano". So sei Ronaldo schnell, kopfballstark und physisch den Verteidigern überlegen. Auch sein großer Rivale im realen Fußball, Lionel Messi, kann Cristiano Ronaldo in FIFA laut Erhan Kayman nicht das Wasser reichen, da der Superstar von Real Madrid ihm in den für das Spiel relevanten Werten überlegen sei.

Um die Stärken von Ronaldo optimal auszunutzen, setzt Kayman ihn in seinem System als einzige Spitze vor Benzema ein. Ausschlaggebend hierfür sind vor allem die enorme Schnelligkeit des Portugiesen sowie die große Chance auf ein Kopfballtor. "In PES hingegen sieht es nicht so dramatisch aus", so "Dr. Erhano", "beide Spieler haben ihre Stärken, jedoch ist Messi der etwas bessere, da er für das Spiel besser geeignet ist. Er ist der kleine, wendige Spieler und mit ein wenig Können kann man die Abwehr so aussehen lassen, wie er es im realen Fußball schafft". Doch auch Ronaldos Fähigkeiten können für den Profi gut eingesetzt werden: "In PES 2013 habe ich beispielsweise mit Real Madrid gespielt und war sehr zufrieden mit Ronaldo". Wie es in PES 2015 aussehen wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist für Kayman jedoch, dass er Messi von der zentralen Stürmerposition auf die rechte Außenbahn setzen wird, "da Barcelona mit Luis Suarez einen hochkarätigen Mittelstürmer verpflichten konnte. Messi, Suarez und Neymar vorne drin, was will man mehr?"

"Skillmoves können die Qualität eines Spielers steigern"

So unterschiedlich beide Fußballsimulationen auch sein mögen, "Dr. Erhano" kann dennoch Gemeinsamkeiten finden, die bei entsprechender Übung zum Sieg führen können: "Ich spiele beide Ableger mit vielen Skillmoves und Tricks. In beiden Spielen sind Skillmoves für mich öfters entscheidend. Wenn du jedes Mal dasselbe machst und plötzlich mit einem Skillmove überraschst, kommt es oft dazu, dass man sich eine gute Position erspielen kann. Ich würde sagen, dass das Beherrschen von Skillmoves die Qualität eines Spielers um 15 bis 20 % steigern kann." Zwei Fußballspiele, wenig Gemeinsamkeiten also aus Sicht von Erhan "Dr. Erhano" Kayman. Ob sich dies bei den neuen Ablegern der Spiele ändern wird, ist äußerst fraglich. So oder so wird die Fußballgemeinde aber wohl größtenteils wieder in zwei Lager geteilt.

Video zum Thema
PES 2015: Götze und James im Gameplay-Trailer- 18.09., 13:40 Uhr
Frisches Futter für die Augen
Zwar hat Entwickler Konami den Deutschland-Release der Pro Evolution Soccer 2015 Demo verschoben, dafür gibt es aber einen neuen Trailer. Mit frischen Szenen aus dem Spiel möchte man so vielleicht die Warterei etwas verkürzen. Am 13. November soll die Fußballsimulation in den Handel kommen.
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