Ein Kommentar von Nicole Lange

Der FIFA eSport muss jetzt erwachsen werden

von Nicole Lange am 05.04.2018 um 18:09

Der FIFA eSport ist im Profigeschäft angekommen. Endlich! Endlich haben die Vereine und die Politik erkannt, dass dieser "neumodische Kram" doch ganz interessant sein kann. Kaum aber ist die Aufmerksamkeit da, schon kämpft die Szene mit neuen Problemen. Und die sind hausgemacht. Ein Kommentar von Nicole Lange.

Der FIFA-eSport bekommt die Aufmerksamkeit, die er verdient. Licht- und Schattenseiten inklusive.
Der FIFA-eSport bekommt die Aufmerksamkeit, die er verdient. Licht- und Schattenseiten inklusive.
© kicker eSportZoomansicht

Es gab mal eine Zeit, da war der FIFA-eSport kaum, bis gar nicht existent in den Augen der großen Konzerne, und schon gar nicht in der Gesellschaft. Als kicker eSport an den Start ging, war die glorreiche Zeit der Schellhase-Zwillinge schon lange vorbei, und dass ein Jan Zimmermann drei Mal in Folge die deutsche ESL Meisterschaft gewinnt, interessierte nur die Hardcore-Fans und Fachmedien. Gut vier Jahre - und was sich seitdem getan hat, ist beachtlich. Wir haben erlebt, wie sich die Strukturen gebildet haben und sehen jetzt, wie sie sich weiterentwickeln.

Mittlerweile ist die Szene endlich an einem Punkt angekommen, an dem sie ihre Zukunft selber in der Hand hat. Politik und Vereine haben sich geöffnet und wollen sehen, was die Szene zu bieten hat - und das ist eine ganze Menge. Das Potenzial ist groß, aber: Was wird daraus gemacht? Es genügt nicht, einfach ein erfolgreiches Spiel zu veröffentlichen. Die Kommunikation und die Außendarstellung müssen nun stimmen. Events, bei denen die Vereine am Ende verärgert nach Hause gehen, sind das Letzte, was die Szene brauchen kann. Der FIFA-eSport muss mit einer größeren Aufmerksamkeit klarkommen.

eSport ist nicht mehr "vogelfrei"

Mit der stärkeren Präsenz kommen auch neue Herausforderungen.
Mit der stärkeren Präsenz kommen auch neue Herausforderungen.
© kicker eSportZoomansicht

Infolgedessen zeigen sich auch neue Probleme und Herausforderungen. Mittlerweile sind es nicht mehr nur die Fachmedien, die auf den eSport schauen. Es war klar, dass immer mehr Pressevertreter den eSport für sich entdecken - und das ist auch eine Herausforderung für die Organisationen und Spieler. Auf einmal können sie nicht mehr vogelfrei in ihren Streams über alles reden oder Meinungen rausposaunen. Jetzt stehen Fußballvereine dahinter, die ihre eSportler im Auge behalten und Magazine die ganz genau hinschauen, was veranstaltet wird.

Kleinere Skandälchen gab es schon immer, Regelverstöße ebenfalls. Doch mittlerweile gibt es zu fast allem ein Echo. Aktionen wie "Ich schenke dir den Sieg" oder "Cheater in der Weekend League", die Spieler blocken, damit sie nicht aufeinandertreffen, rufen Reaktionen hervor. Da hat doch keiner Lust drauf, solche Aktionen machen den Sport kaputt. Zugegeben, für die Medien sind die verbalen Entgleisungen mancher Spieler ein gefundenes Fressen, da ist es wie im echten Fußball. Doch wenn die Glaubwürdigkeit des Sports infrage gestellt wird, kann es kritisch werden. Hier sind Electronic Arts und die Organisatoren gefragt.

Mehr Geld im Spiel

Die Versäumnisse in der Vergangenheit scheinen die Szene eingeholt zu haben. Ein wenig Wettbewerbsverzerrung hier, eine unauffällige Punkteteilung dort, kein Problem, das waren Kavaliersdelikte, die kaum ins Gewicht fielen. Die, die den Sport groß machen wollen, müssen jetzt mit dieser Altlast umgehen und die, die es nicht anders kennen, denken anscheinend, man kann so weitermachen. Falsch! Denn mittlerweile geht es um eine ganze Menge Geld. Um 100-Euro-Beträge spielt man schon lange nicht mehr, und wenn jetzt geschummelt wird, tut das weh und bringt im schlimmsten Fall sogar die Vereine in Misskredit. Wenn Sponsoren, Fans und Veranstalter kein Vertrauen haben, kann der Glaube in den Sport schnell verloren gehen. Beispiele wie die Tour de France oder die jüngste Doping-Problematik bei Olympia gibt es genug. Wie es richtig geht, zeigte die VBL bei ihrer Final-Veranstaltung. Bei dem professionell aufgezogenen Turnier im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund kamen Spieler und Fans voll auf ihre Kosten. Zwischenfälle? Fehlanzeige.

Die schlechten Angewohnheiten gilt es nun abzulegen, denn wenn die Szene anerkannt werden und weiter wachsen will, dann muss sie auch glaubwürdig sein. Das gilt für Organisationen, Spieler und Veranstalter gleichermaßen, damit der Fußball-eSport nicht wieder in der Versenkung verschwindet.

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