FIFA Community Manager im Gespräch

Corey Andress über zorniges Community-Feedback

von Holm Kräusche am 14.09.2018 um 16:04

Viele FIFA-Spieler haben keine gute Meinung von Spielehersteller EA SPORTS. Aber sind es wirklich so viele? Immerhin kaufen Millionen die Fußballsimulation jedes Jahr aufs Neue. Wir haben mit Community Manager Corey Andress über eine erhitzte Spielerschaft und neue Kommunikationswege gesprochen.

Community Manager Andress baut neue Kommunikationswege mit der FIFA-Community auf.
Community Manager Andress baut neue Kommunikationswege mit der FIFA-Community auf.
© kicker eSportZoomansicht

Ist FIFA schlecht und EA geldgierig? Diese Frage wird derzeit einmal mehr heiß in der Community diskutiert. Fakt ist, dass FIFA das am häufigsten verkaufte Sportspiel ist und das schon seit vielen Jahren. Auch wenn viele Spieler oft ihren Unmut kundtun, die große Masse bleibt still und kauft FIFA. Wir haben mit Community Manager Corey Andress über dieses Thema gesprochen. Wie geht der 38-jährige ehemalige Polizist und Familienvater mit der häufig erregten Community um? "Es ist oft die Minderheit, die sehr aktiv im sozialen Bereich agiert. Nur 15-20 Prozent der Spieler sprechen auf sozialen Kanälen direkt mit uns", sagt Andress. Der Community Manager glaubt auch, dass vor allem die zornigen Spieler aktiv werden und schreiben.

"Überleg mal, wenn Du in einem Hotel schläfst und die Kissen wirklich bequem sind, gehst Du nicht zur Rezeption und sagst denen, wie glücklich du mit dem Kissen bist oder postest es in den sozialen Medien, es wird einfach erwartet. Wir neigen dazu, mehr von Spielern zu hören, die verärgert sind, aber das bedeutet nicht, dass alle es sind."

Frust bedeutet auch Leidenschaft

Die Verkaufszahlen geben der Sichtweise des Community Managers jedes Jahr aufs Neue Recht. Außerdem sieht Andress etwas Gutes in den aufgeregten Kommentaren und Nachrichten: "Die Tatsache, dass Spieler direkt mit uns interagieren und ihre Frustrationen oder Bedenken teilen, spricht für ihre Leidenschaft für das Spiel. Es wäre besorgniserregender, wenn niemand jemals etwas sagen würde."

Er arbeite außerdem mit seinem Team daran, "die Community direkter mit offenen und ehrlichen Antworten auf ihre Fragen anzusprechen." Nur immer zu sagen "Wir hören dich", ist Andress zu wenig. Er ist vor einem knappen Jahr mit dem Plan angetreten, die oft toxische Kommunikation zu verbessern. "Wir möchten eine wirkungsvolle Kommunikation vermitteln, ihnen zeigen, dass wir tatsächlich zuhören." Er versteht sich auch als Schaltstelle zwischen den Wünschen der Spielerschaft und dem Entwicklerteam. Jenes, so erklärte uns Creative Director Matt Prior, erhält jedes Jahr eine Prioritäten-Liste mit Änderungen und Verbesserungen für FIFA, die möglichst viele Spieler betreffen und in Jahresfrist umzusetzen sind.

Es fließt eine Menge Zeit und Überlegungen in die Änderungen, die das Entwicklungsteam vornimmt, mit Rücksicht darauf, was die Spieler verlangen.Corey Andress, Global Mananger Community Engagement Team

"Es ist wichtig zu verstehen, dass es unsere Aufgabe ist, sich mit unseren Spielern zu unterhalten und eine Zwei-Wege-Konversation zu führen und diese dann an die Entwicklungsteams weiterzuleiten", sagt Andress. "Wir können nicht automatisch Änderungen am Spiel vornehmen und wir müssen immer das breitere Publikum berücksichtigen, das FIFA spielt, da jeder anders mit dem Spiel interagiert." Das deckt sich mit den Aussagen des Creative Directors, der immer die große Masse im Blick hat. So konzentriert sich Prior vor allem auf neue Spieler und versucht ihnen den Einstieg so leicht wie möglich zu machen. Andress hat seinerseits jedoch mit den Core-Gamern zu tun, die sich fragen, warum ihre Wünsche nie berücksichtigt werden. Er versichert: "Es fließt eine Menge Zeit und Überlegungen in die Änderungen, die das Entwicklungsteam vornimmt, mit Rücksicht darauf, was die Spieler verlangen."

Neue Kommunikationswege

Auch die Kommunikationswege verändern sich. Beschränkte sich damals noch alles Wichtige auf eine einzige Plattform, sind die Orte, auf denen die Gamer zu erreichen sind heute mannigfaltig. "Wenn du fünf Jahre zurückdenkst, waren alle auf Facebook, jetzt sind Instagram und Twitch die populäreren Plattformen. Es ist eine konstante Entwicklung, auf die man achten muss."

Auch die Art der Kommunikation würde sich ständig weiterentwickeln, sagt Andress. "Ich glaube, viele Spieler erwarten auch, dass ein Großteil ihrer Kommunikation jetzt im Spiel stattfindet, im Vergleich zu sozialen Medien. Das ist die Stärke von Online-Live-Service-Produkten. All dies muss in Deine Pläne einfließen, ebenso musst Du Dich stark auf Deine Kernspieler konzentrieren." Andress scheint damit anzudeuten, dass in der Zukunft die Kommunikation zwischen EA und Spielern noch stärker innerhalb FIFAs integriert wird. Ein erster Schritt waren die Pitch Notes, die EA bereits Anfang August ankündigte. "Meine Vision für die Zukunft ist, wie wir die richtige Information an die größte Gruppe von Spielern liefern können", sagt Andress. Mit den Pitch Notes ist auf jeden Fall eine große Reichweite gewährleistet.

Mit vollem Einsatz

Der ganzen Kommunikation Herr zu werden, ist aber nicht immer einfach, führt Andress weiter aus: "FIFA erhält durchschnittlich drei bis fünf Millionen Erwähnungen pro Woche über soziale Kanäle. Dies mit einer Handvoll Menschen in Angriff zu nehmen, kann eine große Herausforderung sein. Daher prüfen wir, wie wir die Informationen liefern, die die Spieler wollen - nicht nur über die sozialen Medien." Mit Corey Andress scheint EA die richtige Person in die richtige Position befördert zu haben. Der 38-jährige ehemalige Game Changer scheint sich um echte Verbesserungen zu bemühen und lässt mit seinen Aussagen auch eine persönliche Motivation erkennen: "FIFA ist ein globales Produkt, das mehrere Regionen und Sprachen umfasst. Zu gewährleisten, dass wir weltweit ein Publikum erreichen können, das ist mir persönlich wichtig."

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