Belgische Behörde leitet Klage ein, in Deutschland bleibt's ruhig

EA droht Klage aufgrund von FIFA-Packs

FIFA - 12.09. 16:09

In Belgien verstoßen Lootboxen seit Ende April gegen das Glücksspielgesetz. EA sträubt sich jedoch gegen das Verbot, weswegen die Staatsanwaltschaft nun eine Klage prüft. Aber wie sieht es eigentlich in Deutschland aus?

FIFA-Packs sind in Belgien verboten, aber immer noch erhältlich. © EA SPORTS/kicker eSport

Schon im April verkündete die belgische Glücksspielbehörde, dass Lootboxen von Blizzard, EA und Valve gegen Glücksspielgesetze verstoßen. Ein fehlender Schutz von Minderjährigen war für die Behörde besonders besorgniserregend. Darauf mussten die Publisher reagieren - und taten es auch. Valve sowie Blizzard und 2K deaktivierten Lootboxen vorerst für belgische Spieler.

EA bleibt stur

EA, das aufgrund von Star Wars Battlefront 2 und FIFA 18 ins Blickfeld der Glücksspielbehörde geriet, hat noch nicht eingelenkt. Nach ein paar Änderungen an den Lootboxen des Shooters sieht das Komitee hier keine Probleme mehr. Die Packs der Fußballsimulation werden aber weiterhin als gesetzwidrig angesehen. Deswegen hat die Behörde Klage bei der belgischen Staatsanwaltschaft eingereicht. Der Fall wird nun geprüft, wie die belgische Seite Nieuwsblad berichtet. Eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren und eine Geldstrafe von bis zu 800.000 Euro drohen EA. Sollten Minderjährige betroffen sein, können diese Werte sogar verdoppelt werden. Auf Anfrage von kicker eSport, äußerte sich EA bis zum Zeitpunkt der Publikation nicht.

Für FIFA 19 hat EA bereits ein paar Änderungen an den Packs geplant. Packquoten sollen offengelegt werden, um mehr Transparenz für die Spieler zu schaffen. Ob das der belgischen Glücksspielbehörde ausreicht, ist aber noch fraglich.

Lage in Deutschland

Nicht nur Belgien, auch die Niederlande und einige Staaten in den USA, haben Lootboxen als Glücksspiel eingestuft. Dr. Andreas Lober, Dr. Axel von Walter und Dr. Holger Weimann, deren Rechtsanwaltgesellschaft Beiten Burkhardt unter anderem für Riot Games und Epic Games arbeitet, glauben allerdings nicht, dass eine ähnliche Entscheidung in Deutschland gefällt wird. "Es gibt bereits Äußerungen einer deutschen Glücksspielbehörde, die sich als nicht verantwortlich sieht", weiß von Walter und stellt eine Arbeitsthese auf: "Du kriegst immer etwas zurück für Dein Geld. Vielleicht nicht das, was Du Dir wünschst, aber einen Verlust gibt es so gesehen nicht." Damit würde es sich, zumindest grundsätzlich, nicht um Glücksspiel handelt. Wenn der Inhaltswert einer Box jedoch durchschnittlich deutlich unter den Kosten liegt, wäre das ein Problem. Im Endeffekt bleibt das aber Ansichtssache der Behörde.

Vertragsrecht schützt Minderjährige

Einher mit der Glücksspieldiskussion geht auch immer die Frage des Jugendschutzes. In Belgien ist es eines der Kernargumente, warum Lootboxen aus FIFA 18, Overwatch oder Counter-Strike verboten sind. Deutsche Minderjährige werden laut von Walter ausreichend geschützt: "Ich sehe nicht, dass es neue Regularien für Lootboxen braucht. Kinder sind durch geltende Recht geschützt."

Ein Lootbox-Verbot in Deutschland scheint daher erstmal abgewehrt, auch nachdem die belgische Staatsanwaltschaft nun hart durchgreift und damit einen Präzedenzfall schafft. Weimann glaubt aber sowieso nicht, dass dieses Thema noch lange bestehen wird: "Das mit den Lootboxen wird sich bald erledigt haben. Die Kreativität beim Geldverdienen ist nicht zu stoppen. Es werden neue Wege der Monetarisierung kommen über die wir dann reden können."

Christian Mittweg