Die Fußballsimulation in der Vorschau

FIFA 18: hübscher, einfacher, besser?

von Nicole Lange am 10.06.2017 um 23:07

Die Fußballsimulation von EA SPORTS ist in diesem Jahr auf dem Prüfstand. Schafft es EA die Serie auch für die nächsten Jahre zu etablieren und den angekündigten Umbruch zu vollziehen? Umbauten in FIFA Ultimate Team und der neue The Journey-Modus waren in FIFA 17 bereits der Anfang. Grafisch legt der Entwickler für FIFA 18 noch einmal eine Schippe drauf und auch spielerisch hat der Titel einige Änderungen in Petto. Wir konnten uns das Spiel ansehen und einige Partien absolvieren.

FIFA 18: Die Vorschau zur Fußballsimulation von EA SPORTS.
FIFA 18: Die Vorschau zur Fußballsimulation von EA SPORTS.
© kicker eSportZoomansicht

FIFA 17 war der Anfang vom Umbruch, wie es EA damals verkündete. Der Titel hatte mit der Frostbite-Engine nicht nur eine neue Grafik, sondern auch viele neue Spielelemente, die in Summe damals noch ein "Umbruch mit Hindernissen" darstellten. Mit FIFA 18 soll der Serie wieder mehr Stabilität bringen und dem Spieler mehr Feedback in seinen Aktionen geben. "Responsive" ist das Schlagwort, dass die Entwickler in Bezug auf FIFA 18 in jedem zweiten Satz einbauen. Sei es beim Dribbling oder bei den Zweikämpfen, diese und weitere Elemente sollen für den Spieler verständlicher und einfacher umzusetzen sein.

Leichtere Dribblings und Spielerpersönlichkeiten

In den ersten Partien merkt man auch gleich, dass sich die virtuellen Kicker anders anfühlen. Vor allem das von vielen eSportlern so lieb gewonnene "enge Dribbling" hat sich stark verändert. Es ist deutlich fehleranfälliger geworden und scheint daher noch stärker von den Spielerwerten abhängig zu sein. Da dies aber eigentlich entgegen der neuen Philosophie ist, wird sich das bis zum Release noch ändern. Dribblings sollen nicht schwerer, sondern einfacher werden. Dies lässt den Schluss zu, dass FIFA 18 den Weg zum Mainstream finden soll, um noch mehr Spieler mit der Steuerung vertraut zu machen. Somit sei das enge Dribbling auch nicht mehr zwingend notwendig im Spiel, um gute Moves hinzubekommen, laut Samuel Rivera, FIFA Game-Play Producer. Natürlich könne man es noch nutzen, aber im Grunde wird das Dribbling jetzt stärker auf den linken Stick ausgelegt - was zwar Übung erfordert, aber nützlicher als bisher sein soll. Auch das No-Touch-Dribbling hat eine Anpassung erhalten, da diese Funktion im Vorgänger nur sporadisch genutzt wurde. Es sei zu komplex gewesen, so Rivera. "Also haben wir einige Dinge vereinfacht, um beispielsweise Tacklings besser ausweichen zu können". Gleichwohl sollen aber auch Profis nicht verschreckt werden. Ein interessanter Balanceakt, den EA SPORTS hier gehen will. Derzeit würde man noch mit vielen Dingen "experimentieren", so Rivera. Eines könne man aber schon jetzt sagen: "Das No-Touch-Dribbling soll effektiver werden".

Der Storymodus "The Journey" bekommt eine zweite Staffel.
Der Storymodus "The Journey" bekommt eine zweite Staffel.
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Spürbar sind die Änderungen auch in den Zweikämpfen. Durch die True Motion Technologie sollen sich diese Dinge sehr stark verändern, wie Matthew Prior (FIFA Producer und EA SPORTS Creative Director) erklärt. Durch das neue Animationssystem sollen Zweikämpfe, Tacklings und Kollisionen realistischer sein, als zuvor, da die Animationen jetzt schneller und flüssiger laufen. Es ist das, was die Entwickler als "Game Changer" bezeichnen. Der Einfluss, den die neuen Animationen vor allem im Zweikampf haben, ist überaus mächtig. In unseren ersten Spielsessions fielen die Spieler sehr schnell hin und stolperten schon bei leichten Berührungen mit dem Gegner. Ebenso waren die Bewegungen auch langsamer und wirkten etwas schwerfällig, was auch an den Spielern liegt. Ist ein Spieler langsamer, wird das Tackling auch nicht so schnell ausgeführt, dafür aber vielleicht erfolgreicher, wenn es ein starker Spieler ist. Es sei ein großer Schritt nach vorne, laut Prior. Aktuell würde man daran aber noch arbeiten.

Die Ausarbeitung der Spielerpersönlichkeiten ist in FIFA 18 ein starker Bestandteil. Laufduelle sollen jetzt stärker von den Skills der Spieler beeinflusst werden und eine gesunde Kombination der Skills würde am Ende des Tages den Ausschlag geben, erzählt uns Samuel Rivera. Man soll die Unterschiede deutlicher spüren. Dazu entdeckt EA SPORTS ein System, das auch schon Konami für sich seit einiger Zeit nutzt: Teambezogene Spielstile. Spielt Ihr gegen den FC Barcelona, zeigt der Verein sein bekanntes Tiki-Taka, wohingegen ein englischer Zweitligaverein eher mit langen Bällen agieren wird. Dies soll den Teams mehr Persönlichkeit und Variation geben.

Die True Motion Technologie beeinflusst neben dem Dribbling und den weiteren Bewegungsapparat der Spieler, die jetzt noch realistischer sein sollen. Dies zeigt sich nicht nur in den Bewegungen, sondern auch im Körperbau. Cristiano Ronaldo wurde beispielsweise für seinen ganz speziellen Laufstil eingescannt und auch Arjen Robben oder Raheem Sterling werden eigene Modelle bekommen. Insgesamt gibt es sechs Basiskörper in FIFA 18, die mit spezifischen Animationen ausgestattet sind und von denen weitere Varianten abgeleitet werden.

Ecken und Flanken sollen wieder Spaß machen

Ronaldo ist der Coverstar von FIFA 18 und seine Bewegungen wurden eigens eingescannt.
Ronaldo ist der Coverstar von FIFA 18 und seine Bewegungen wurden eigens eingescannt.
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Des Weiteren legt EA einige Steuerungselemente um. Neben vereinfachten Dribblings, die jetzt nur noch mit dem Stick auszuführen sind, gibt es auch Änderungen bei den Flanken. So müsst Ihr nicht mehr drei Mal auf den Flankenknopf drücken, um eine flache Flanke zu schlagen. Es reicht jetzt, nur zwei Mal zu drücken. Generell sollen lange Bälle wieder gefährlicher sein. In FIFA 17 waren Ecken eher Glückssache und bei Flanken stand der Stürmer selten richtig. Ein Problem, das die Entwickler auch auf dem Schirm haben. Die Flanken haben unterschiedliche Flugbahnen und können in größerer Varianz ausgeführt werden. So viele Freiheiten hätten die FIFA-Spieler noch nie gehabt, beschreibt Prior. Die Ecken wurden ebenfalls modifiziert. Das Getümmel im Strafraum sei viel dynamischer und die Spieler würden jetzt stärker miteinander agieren. Offensichtlich war das beim ersten Anspielen noch nicht zu sehen, doch keine Ecke soll der anderen gleichen, wie uns Prior erzählt. Doch die beste Ecke oder Flanke bringt nichts, wenn der Stürmer nicht richtig steht. In FIFA 17 war es vor allem das schwache Stellungsspiel, was Ecken und Flanken streckenweise wirkungslos machte. Auch hier wolle man Änderungen vornehmen. Die Mitspieler-KI sei einer fundamentalen Überarbeitung unterzogen worden, sodass die Mitspieler bessere Laufwege machen und dementsprechend auch die hohen Bälle intelligenter nutzen. Laut Prior würden sich so deutlich mehr Optionen im Angriff ergeben. Aber auch die Defensive wird überarbeitet und soll von diesen neuen Optionen profitieren. Und erneut kommt hier wieder das Wort "Responsive" ins Spiel. Samuel Rivera erklärt dies in Bezug auf die Abwehr wie folgt. Wenn man den Stick nach rechts drückt, soll der Spieler auch nach rechts laufen. Also sofort reagieren und nicht erst mit Verzögerung.

Publikum und Stadien - Grafischer Genuss in FIFA 18

Ohne großartig das Pad in die Hand nehmen zu müssen, fällt beim ersten Betrachten aber schon gleich eine Sache ganz besonders ins Auge: die Grafik. In FIFA 17 hatte die Frostbite-Engine erstmals auch in einem Sportspiel ihren Einsatz. Grafische Höchstform erreichte sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. "Wir haben von einigen Spielern gesagt bekommen, dass der grafische Sprung von FIFA 16 auf 17 nicht so groß war, aber in diesem Jahr ist das sichtbar anders, für nutzen die Frostbite-Engine wesentlich stärker aus", erklärt Rivera und spricht damit vor allem die Stadionatmosphäre an.

Die Grafik ist noch einmal verbessert worden. Stadien sind nun noch realistischer dargestellt.
Die Grafik ist noch einmal verbessert worden. Stadien sind nun noch realistischer dargestellt.
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Spieler, Publikum und das Stadionambiente waren in FIFA 17 gut, konnten mit dem Konkurrenzprodukt von Konami jedoch nicht mithalten. In FIFA 18 zeigt sich die Engine von einem anderen Licht. Die Stadionatmosphäre kann man bereits jetzt als überaus gelungen bezeichnen. Vereinsbanner wehen im Wind und hängen beispielsweise auch von den Rängen. Am stärksten wirke aber die Präsentation der Zuschauer. Bei Torszenen oder Chancen stellen sich die Fans auf, zeigen Emotionen, bei vergebenen Chancen und freuen sich unterschiedlich intensiv bei Torerfolgen. Das alles sieht nach dem zehnten Spiel immer noch gut aus, wird aber vermutlich nach dem 20. Match eher zur Nebensache. Dennoch, die Stadionatmosphäre ist so real, wie man es sich von einer Fußballsimulation nur wünschen kann. Es wird sogar möglich sein, mit den Fans direkt zu feiern, so ähnlich, wie man es in PES auch schon gesehen hat, allerdings rennen die Fans in FIFA 18 u.a. zur Bande, wenn der Torschütze zur Fankurve läuft. Des Weiteren konnten wir in unseren Anspielsessions am Seitenrand einen Trainer erkennen, der bisher noch nicht im Spiel zu sehen war: Zinedine Zidane. Da der Franzose Real Madrid trainiert, wird es in FIFA 18 somit auch Trainer von anderen Ligen zu sehen geben. In FIFA 17 waren nur die Trainer von der Premier League im Spiel. Jetzt werden es "auf jeden Fall mehr sein", wie Rivera uns im Interview bestätigt.

The Journey - es geht weiter

In FIFA 17 wurde mit "The Journey" ein Story-Modus eingeführt, der die Geschichte von Protagonist Alex Hunter erzählt. Ihr habt dabei den Jungstar durch die Ups & Downs seiner Fußballerkarriere geführt. Basierend auf Euren Entscheidungen entwickelte sich auch die Persönlichkeit von Hunter. Obwohl "The Journey" storytechnisch nicht die große Tiefe hatte, war der Modus für karrieremüde Spieler durchaus eine Bereicherung. In FIFA 18 geht die Geschichte von Alex Hunter weiter und Ihr könnt diesmal den Protagonisten sogar anpassen - eine Sache, die viele Spieler schon von Anfang an gerne gehabt hätten. In "Season 2" kann u. a. die Kleidung und die Frisur von Hunter verändert werden. Weiterhin wird es einen lokalen Multiplayer geben, der es ermöglicht zu zweit zu spielen. Sechs Kapitel soll die Fortsetzung lang sein und es ist diesmal nicht nur Alex Hunter spielbar, sondern auch andere Charaktere, die neu in die Story eingebaut werden. Die Entscheidungen in der Geschichte werden, laut der Entwickler, noch schwerwiegender sein und nicht nur rein oberflächlich. Wie sich das genau zeigt, bleibt abzuwarten, aber Ronaldo soll ebenfalls seinen Gastauftritt in The Journey 2 bekommen.

Erster Eindruck FIFA 18

Insgesamt betrachtet hat EA SPORTS deutlich zugelegt. Grafisch macht FIFA 18 einen überaus guten Eindruck. Spielerisch sind die "Experimente" der Entwickler dagegen noch deutlich zu spüren, was Dribblings und Laufwege angeht, lässt sich daher noch nicht viel sagen. Doch im Gespräch mit den Entwicklern klang immer wieder durch, dass die Probleme des Vorgängers durchaus bemerkt und behandelt werden. Das Gameplay wird also eine Wundertüte, was durchaus spannend sein kann, wenn EA wirklich die Fehler beheben kann. Am 29. September erscheint FIFA 18 offiziell für PC und Konsole.

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