Die Superstars der Dota-Szene enttäuschen beim Manila Major

Dota 2: Der Untergang von Team Secret

von Malte Schnoor am 09.06.2016 um 10:38

Kaum ein Name im Dota-Universum steht so für Topspieler und Erfolge, wie es Team Secret unter Clement 'Puppey' Ivanov in den letzten Jahren tat. Mit mehreren Formationen hat die Mannschaft bereits zahlreiche Turniere für sich entschieden und eine riesige Fangemeinde für sich entwickeln können. Nach dem Erfolg beim Shanghai Major wurden sogar noch größere Namen zu dem Verein hinzugefügt. Doch ein viertel Jahr später ist Team Secret am Boden und am Rande des Zusammenbruchs.

Die Superstars von Team Secret enttäuschten erneut.
Die Superstars von Team Secret enttäuschten erneut.
© ESL One ManilaZoomansicht

Die Welt sah so rosig aus für Team Secret. Anfang März hatte die Mannschaft den Shanghai Major-Titel und 1,1 Millionen US-Dollar in der Tasche. Schon in der Vergangenheit gewann Team Secret unter anderem die ESL One in Frankfurt und The Summit 3. Die von Kapitän 'Puppey' angeführte Mannschaft konnte sich mit verschiedenen Spielern mehrere Male beweisen und an die Spitze der Dota-Welt kämpfen. Als nach dem Erfolg beim Shanghai Major Spielerwechsel vollzogen wurden, war die Überraschung zunächst groß, doch als die Spieler bekannt wurden, blieb vielen Fans das Herz stehen. Der lange Zeit als bester Spieler der Welt und Wunderkind angesehene Artour 'Arteezy' Babaev und sein Teamkollege, The International-Sieger und vermeintlich bester Offlaner der Welt, Sahil "UNiVeRsE" Arora, wechselten von Evil Genuises zu Team Secret.

Aller Anfang ist schwer

Traditionell hat Team Secret nach Neuzugängen Anlaufschwierigkeiten. Das ist für Fans schon fast Normalität und zeigte sich auch beim ESL One Manila 2016 im April. Hier schaffte es Team Secret nicht über die Gruppenphase hinaus. Dies ließ bei den Gegnern leichten Optimismus aufkommen. Doch der von vielen erwartete Aufwärtstrend blieb diesmal aus. Das prestigeträchtige EPICENTER im Herzen Russlands war die nächste Chance für die vermeintlich besten Spieler der Welt, die Fähigkeiten von Team Secret zu zeigen. Doch auch hier waren das Ergebnis und die Vorstellung enttäuschend. Nach zunächst starkem Beginn in den entscheidenden Spielen gegen Virtus.pro, gab das Team durch zweifelhafte Positionierungen nach und nach das Spiel aus der Hand und wirkte dabei zeitweise ratlos. Dies hatte ein erneutes Ausscheiden in der Gruppenphase zur Folge, dieses Mal sogar auf dem letzten Platz, was für eine Menge Aufruhr sorgte.

Desaster beim Manila Major

Ratlos und ohne Selbstbewusstsein: Team Secret in der Krise.
Ratlos und ohne Selbstbewusstsein: Team Secret in der Krise.
© theScore esportsZoomansicht

Nach dem Sieg beim vorherigen Major, lag die Hoffnung der Fans und der Organisation schließlich auf einer guten Leistung beim Manila Major. Das Potenzial der Mannschaft ist unumstritten eines der Höchsten in der gesamten Profi-Szene, doch an der Umsetzung war es bislang gescheitert. In der Gruppenphase musste sich Team Secret abermals geschlagen geben und kam nicht über einen vierten Platz in der Gruppe hinaus. Mit einem Start im Lower Bracket hatten die Fans noch Hoffnung auf ein kämpferisches Aufbäumen, doch erneut blieb Team Secret ohne Fortune. Mit einem unspektakulären und nüchternen 1:0 warf Team Empire die Mannschaft von Kapitän 'Puppey' aus dem Turnier. Zwei gnadenlose Knock-outs in der selben Stadt, vom selben Team, innerhalb von knapp 50 Tagen. Drei letzte Plätze in Folge sind ungeahnt schlecht, doch noch viel erschreckender für Fans und Verfolger der Szene, ist die Art und Weise, in der Team Secret sich in diesen Turnieren geschlagen geben musste.

Keine Synergie, keine Spielfreude, kein Plan

Schlechte Ergebnisse können im Turnierformat durch viele Faktoren entstehen. Doch die Niederlagen von Team Secret waren vor allem durch ein Element dominiert: miserable Absprache und Zusammenarbeit der Spieler und Charaktere im Spiel. An den individuellen Fähigkeiten von Spielern wie 'UNiVeRsE' zu zweifeln, stellt den Botschafter als Neuling der Dota-Szene bloß. Seit dem ersten International in 2011 manifestierte sich der Amerikaner als einer der besten und konstantesten Offlane-Spieler in Dota 2. Wie einst Real Madrid ist Team Secret ein Team voller Superstars, aber ohne echte Identität und Spielfreude. Dies wurde besonders in Spiel 2 der Gruppenphase gegen Natus Vincere deutlich. Anstelle des eigentlichen Kapitäns 'Puppey' übernahm Jacky 'EternaLEnVy' Mao das Auswählen der Helden und Führen der Mannschaft. In der Vergangenheit hatte 'EternaLEnVy' in Interviews klargemacht, dass er im Falle einer Meinungsverschiedenheit keine Zurückhaltung hat, den Kapitän zu ersetzen und selber das Ruder in die Hand zu nehmen. Dies beim legendären Kapitän 'Puppey', der seine Mannschaften in fünf International- und Major-Finals geführt hat, zu tun, zeugt allerdings von erheblichen internen Problemen.

Spielstil von Vorgestern

Das zweite Spiel gegen Na'Vi wurde auch bezeichnend für die Probleme der Mannschaft in Dota 2 selber. Unkonventionelle Helden sind generell gern gesehen in Dota 2, doch einige Zusammenstellungen lassen sogar die eigenen Teammitglieder die Nase rümpfen. Mit dem Helden Kunkka von 'Arteezy' in der Mitte und 'EternaLEnVy' auf dem Helden Clinkz, stellte sich Team Secret schwach und Meta-untypisch auf. Nach kleineren Missverständnissen und Rotationen des Gegners ergeht es Team Secret wie dem geneigten Solospieler, der in seinem Spiel mit vier feindlich-gesinnten Teammitgliedern agieren muss und schnell von der Stummstellfunktion Gebrauch macht. So verfällt Team Secret allzu häufig in einen lethargischen Zustand, der außer Farmen des Jungle und Pushen der Lanes nicht viel zulässt. Wenn es dann zu einem Teamfight kommt, werden verschiedene Ziele angegriffen, die Zeitpunkte der Initiation sind nicht abgesprochen und die Niederlage ist vorprogrammiert. In einem durch Teamfights geprägten Meta, sind Synergie und Selbstbewusstsein die wichtigsten Bausteine für erfolgreiche Mannschaften.

Die Chance im Hindernis

Fünf Stars und kein Team: Secret sucht nach dem fehlenden Puzzlestück.
Fünf Stars und kein Team: Secret sucht nach dem fehlenden Puzzlestück.
© @KsliangZoomansicht

Es ist eine zutreffende Einschätzung, das Team Secret seit dem Shanghai Major in sich zerfallen und fast gänzlich zerbrochen ist. In der schnelllebigen eSport-Szene wäre zu diesem Zeitpunkt ein Spielerwechsel längst in der Luft, doch verhindert hier Valve den leichten Ausweg. Die ausgelegte Transfersperre ist erstmals für einen Zeitraum von sechs Monaten in Kraft. Dies bedeutet, dass bei einem Wechsel in der Aufstellung, die Spieler nicht für eine direkte Einladung oder Einladung zur Qualifikation des Internationals infrage kämen. Die Alternative ist ein langer und unsicherer Pfad durch die offene Qualifikation, in der mehrere Tausend Mannschaften in Best-of-1-Runden um einen Platz im Turnier kämpfen. Dieser Sachbestand stellt für Vereine wie Team Secret, die sich zurzeit sehr schwer tun, eine starke Motivation für das Überwinden ihrer Probleme dar. Es wäre sicherlich ein ganz besonderer Anblick, wenn es Team Secret schaffen würde, sich mit dieser Mannschaft aus der Krise zu spielen und ihr wahres Potenzial zu entfachen.

Die 16 teilnehmenden Teams in der Vorschau!
Manila Major: Der große Team-Check
LGD Gaming - fünf Stars und das war's

Nach dem großen Spielerwechsel im letzten Winter hatte LGD die populärsten und stärksten derzeitigen Spieler zusammengerafft und in ein Team gesteckt. Spieler wie Sun 'Agressif' Zheng, der beim letzten The International mit dem Team CDEC auf dem zweiten Platz landete und der Veteran Zhang 'xiao8' Ning, lassen das Team eigentlich unaufhaltsam wirken. Einige Stimmen in der Szene halten die Einladung zum Major dennoch für ungerechtfertigt, es ist also allerhöchste Zeit für die chinesischen Allstars, ihr geballtes Potenzial zu entfalten.
© kicker eSport

vorheriges Bild nächstes Bild

Social Media

FacebookInstagramTwitterYouTube


Schlagzeilen


Kontakt | Impressum | Mediadaten | AGB | Datenschutzhinweis | Nutzungsbasierte Online-Werbung

Weitere Angebote des Olympia-Verlags:
alpin.de | olympia-verlag.de